Sonnjoch (2458 m) über Bärenlahnersattel


Publiziert von gero Pro , 29. April 2009 um 19:55.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum: 8 September 2005
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:Falzthurntal - Bärenlahnersattel - Sonnjoch - Gramei-Hochleger - Gramei-Alm - Falzthurntal
Kartennummer:AV-Karte 5/3 Karwendelgebirge - Östliches Blatt

Eigentlich sollte ich diese Tour nicht veröffentlichen: sie ist ein Geheimtip, vor allem für Bergsteiger, die sich an Edelweißwiesen erfreuen können. Andererseits sind selbige nur mit erheblicher Anstrengung zu erreichen, also nehme ich mal an, daß dort nur Bergkameraden hinkommen, die wissen, was man zu tun und vor allem zu lassen hat ....

Zusammen mit meinem Freund Werner startete ich früh um 6:30 Uhr von einem kleinen Parkplatz im Falzthurntal, ziemlich genau mittig zwischen der gleichnamigen Alm und dem Alpengasthof Gramei auf etwa 1160m Höhe gelegen. Dort weist ein Schild zum Bärenlahnersattel und weiter zum Sonnjoch hinauf. Es geht gleich von Anfang an einen ziemlich steilen Bergpfad hinauf in das Bärental - zunächst durch gestrüppartiges Niedergehölz, später dann über grüne Wiesenhänge. Im September ist der Bach, der hier herunterfließt, längst ausgetrocknet - wir konnten deshalb kein Wasser nachfüllen, sondern mußten alle notwendigen Trinkreserven vom Auto mitnehmen.
Bis zum Bärenlahnersattel sind ab der Straße, die von Pertisau in das Falzthurntal hinter zur Grameialm führt, 800Hm zu überwinden - zwar immer auf leidlich gut erkennbarem und markiertem Steig, aber eben recht steil. Der südseitige Aufstieg zum Sonnjoch (den wir später als Abstieg nahmen, = Normalweg) ist wesentlich bequemer, so daß der Aufstieg durch das Bärental recht einsam ist. Man wandert hier deshalb durch eine wunderbare Hochgebirgslandschaft zwischen den himmelhohen Felswänden des Sonnjochs (im Süden) und der Schaufelspitze (im Norden). Immer eindrucksvoller wird dabei der Tiefblick hinunter in das Falzthurntal - und auf die südöstlich gegenüberliegende Kette der Rappenspitze und des Rauhen Knöll.
Gegen 8:15 Uhr hatten wir den Bärenlahnersattel (1995m) erreicht. Ein Aussichts- und Rastpunkt allererster Güte! Im Westen liegen das Gamsjoch und die Ruederkar-spitze unmittelbar gegenüber, etwas weiter ist es schon bis zum Karwendel-Hauptkamm mit der Lalidererwand, der Kaltwasserkar- und schließlich der Birkkarspitze. Und dann entdeckten wir sie, die weißen Sterne, die uns Bergsteigern so gefallen: nicht einige wenige, sondern Dutzende von Edelweiß blühten hier auf den grünen Wiesen des Bärenlahnersattels! Wir mußten wirklich aufpassen, keine zu zertreten - hat man selten, solche dichte weiße Matten!
Nachdem wir etwa 30 Minuten dies schöne, einsame Fleckchen Karwendel genossen hatten, machten wir uns auf den Weiterweg: noch mußten ja 500Hm bis zum Sonnjochgipfel erklommen werden. Man folgt der zunächst begrünten Rippe, die genau Richtung Süden in die Nordabbrüche des Sonnjochs hinaufführt. Schon zu Beginn umgeht man einige Köpfe rechtsseitig im Sinne des Anstiegs, also auf der Westseite des Kammes. Das Gelände wird nun zusehends alpiner, ohne jemals wirkliche Schwierigkeiten aufzuweisen: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung sind in üblichem Maße erforderlich, um ab und zu einige kurze Einser-Kletterstellen zu erklimmen.
Etwa gegen 9:30 Uhr erreichten wir das obere Ende des begrünten Schrofenkammes; er geht sodann in die schuttige Nordflanke des Sonnjochs über, die man gelegentlich wiederum anstrengend ansteigt. Markierungen sind nach wie vor in ausreichendem Maß vorhanden; der Steig weicht weiter oben etwas in die nordöstliche Flanke des Gipfelaufbaus aus (gelegentliches Handanlegen an einigen kurzen, wenig schwierigen Felsabsätzen), bevor er schließlich 10 Minuten unterhalb des höchsten Punktes den nach Osten abfallenden Gipfelkamm erreicht.  Inzwischen hat man einen eindrucksvollen Blick auf den nordseitig gegenüberliegenden Kamm der Schaufelspitze, der Bettlerkarspitze und des Falzthurnjochs.
Kurz nach 10 Uhr standen wir auf dem Gipfel des Sonnjochs (2458 m) - wir hatten somit etwas weniger als die im Tal auf dem Wegweiser angekündigten 4 Stunden gebraucht. Ein wunderbarer Tag bescherte uns die grandiose Aussicht, von hier oben nun auch auf Hochnisslspitze, Lamsenspitze und die Berge westlich davon bis zur Birkkarspitze.

Fast 1,5 Stunden blieben wir auf dem Gipfel - dann stiegen wir den südseitigen, etwas eintönigen Weg durch die Geröll- und Schrofenflanke zum Gramei-Hochleger (1756m) und weiter zur Grameialm (1265m) im hintersten Falzthurntal ab. Noch ein Fußmarsch von 1km auf der Straße talauswärts - und wir hatten unseren Ausgangspunkt gegen 14 Uhr wieder erreicht.

Tourengänger: gero

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Kommentare (1)


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felixbavaria Pro hat gesagt: Wie immer ...
Gesendet am 29. Juni 2009 um 16:21
... ein super Tourenbericht von Dir. Wir waren letzten September oben, ein "Geheimtipp" war diese Route aber nicht mehr. Wenngleich deutlich einsamer als der Normalweg, wo sich Heerscharen von Touristen heraufwälzen, die in dem steilen Geröll kaum stehen können.

Viele Grüße, Felix


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