Hohmad 2'442m - oder wie man die Saison 2018 verliert...


Publiziert von markus1968 , 10. April 2018 um 13:24.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:30 März 2018
Ski Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: Östliche Melchtaler Alpen   CH-OW   Westliche Melchtaler Alpen 

Wie schnell es gehen kann sich wahrscheinlich die komplette Saison 2018 zunichte zu machen...

Karfreitag, geplant war eine weitere Skitour um ein anderes zweites paar Tourenski auszuprobieren. Etwas breiter (95mm) als das letzte Paar (88mm) wiederum mit einer Marker PIN Bindung. In Begleitung von Joe und Dirk starteten wir auf der Frutt um von dort aus den Hohmad 2'442m zu besteigen.

Es war ein sonniger Tag auf der Frutt. Wir liefen die Frutt Ebene entlang Richtung Tannensee, am Tannensee zweigten wir ab Richtung Chringen. Alles in sehr angenehmer Steigung. Erst kurz vor der Chringen steilt es auf und wir sind zu Fuss und am Rucksack festgebundenen Ski über die bereits durchstossene Wechte hinauf zum P2'152m der Chringen.
Dort empfing uns starker Wind. Trotzdem steigen wir weiter auf in Richtung Homad. Der Wind war ständiger Begleiter. Nach dem wir den Gross Hohmad 2'306m hinter uns gelassen hatten wurde der Wind immer heftiger. Die Böen warfen mich fasst um wenn ich den talseitigen Stock anhob um weiterzugehen. Kurz vor dem Gipfel blies er mich fast um, ich bin halt nur ein Fliegengewicht. Meinen beiden Kollegen machte es auch keinen sichtlichen Spass mehr weiterzugehen, so erklärten wir unsere momentane Position ca. 2'350m zum Gipfel. Wir fellten ab und machten uns startklar für die Abfahrt. Durch den Wind gestaltete sich das nicht sehr angenehm. Wir hatten manchmal Pulverschnee und manchmal einen Deckel welcher mich aber getragen hat.
Bei der Chringen zweigten wir ab Richtung Paradisli Piste und fuhren dort den schönen doch steilen Hang hinunter bis zur Piste. Diese wollten, mussten wir nun hinunterfahren zur Talstation.
Pistenfahren mit diesen breiten Tourenski!? Im oberen Teil ging das verhältnismässig passabel. Allerdings gab es etwas gefrorene steile Stellen an welchen die Ski bedenklich zu flattern anfingen. Ich schenkte dem jedoch keine allzu grosse Beachtung da ich damit gerechnet hatte und auch von meinen bisherigen Ski so manchmal erlebt habe.
In einem weiteren steilen gefrorenes Stück machte ich dazu noch einen kleinen kantentechnischen Fahrfehler (...so dachte ich...) und glitt seitlich aus. Beide flatternde Ski verabschiedenden sich und wurden zügig durch die Stopper gebremst.
Hoppla, dachte ich, Okay die Bindungen lösen aus...ich zog die Ski wieder an, nach dem ich die Einstellungen nochmals kontrolliert hatte (Ski, Walk, Auslösung, Eis) ob sich vielleicht etwas verstellt hat und fuhr weiter ab. Joe immer noch vor mir und Dirk blieb ein Stück hinter mir.

Dann geschah was ich so nicht erwartet habe...wiederum ein etwas steileres gefrorenes Teilstück der Piste. Die Ski fingen in einem linksbogen wieder beängstigend an zu flattern, trotz der recht geringen Geschwindigkeit mit der ich Abfuhr. Kein Vergleich zu den Skifahren mit Alpinski...
Die Ski flatterten immer heftiger, ich konnte aber an dieser Stelle nicht noch langsamer werden und just in dem Moment machte sich während der Fahrt der rechte Ski auf und davon.
Davon sichtlich überrascht fiel ich unkontrolliert das restliche gefrorene Pistenstück hinunter. Da der linke Ski leider am Bein blieb (warum auch immer!?), war der Sturz sehr unangenehm. Schon währenddessen hörte ich es im Knie rumoren. Nachdem ich zu stillstand gekommen war hatte ich heftige schmerzen. So eine Schei...

Meine Kollegen waren noch unter und oberhalb von mir. Doch ein hilfsbereiter Skifahrer und seine Partnerin hielten gleich an um mir zu helfen. Mir war sofort klar das ich nicht weiter abfahren konnte und bat sie die Rettung zu verständigen, was sie auch taten. Nachdem sie dann noch meinen verbliebenen Ski vom linken Bein geöst hatten, habe ich trotzdem versucht aufzustehen, was kläglich mit schmerzverzerrter Miene scheiterte. Mein linkes Bein klappte sofort nach seitlicher Belastungen ein und ich fiel erneut.

Inzwischen waren Joe und Dirk auch wieder bei mir und die Rettung kam auch schon mit dem "Ackja" herbeigerauscht. Das ging glaube ich keine 10 Minuten bis er da war. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle! Nachdem ich kurz untersucht wurde und mich in den Ackja gehievt hatte wurde ich zu Tal befördert. Etwas befremdlich fühlte ich mich schon dabei.
Joe und Dirk folgten uns und brachten auch meine restliche Ausrüstung ins Tal. Der Retter verständige sogleich das Spital in Sarnen, damit ich dort weiterbehandelt werden konnte. Diagnose "mindestens Bänderiss". Leider konnte man dort kein MRT machen und so wurde ich mit einer Schiene am Bein, Schmerzmitteln und Trombose Spritzen entlassen. Das MRT Sollte ich so schnell wie möglich zuhause nachholen lassen um ein genaue Diagnose zu bekommen.

An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an die beiden Ersthelfer, deren Namen ich nicht mitbekommen hatte. Vielen herzlichen Dank an den Pistenrettungsdienst und natürlich meine beiden Begleiter die mich anschliessend ins Spital und wieder fürsorglich nach Hause gefahren haben.

Wen es jetzt noch interessiert, die endgültige Diagnose (so wie ich sie verstanden habe!):
Äusseres und wahrscheinlich auch inneres Kreuzband abgerissen, das Knie Innenband abgerissen und der Meniskus lädiert und angerissen.

Prognostizierter Heilungsverlauf:
6 Wochen lang die Schiene tragen. 90%tige Chance das zwischenzeitlich das Innenband wieder zusammenwächst. 50%tige Chance das die Kreuzbänder wieder zusammenwachsen, da die abgerissenen Enden nicht weit voneinander weg zu liegen gekommen sind.
Kontrolltermin nach der 6 wöchigen Schienentragezeit und fleissiger Physio. Nach diesen 6 Wochen entscheidet es sich wie das Jahr 2018 weiter geht...Meine Einschätzung: Entweder ist alles wieder zusammengewachsen und kann stabil werden, was sehr erfreulich wäre. Oder "nur" das seitliche Knie Innenband ist zusammengewachsen und wird  stabil, was immer noch gut wäre. Oder gar nichts zusammengewachsen, was sehr unerfreulich wäre.
Egal wie, ich werde wahrscheinlich eine OP machen lassen, nur in welchem Umfang diese erfolgen soll, kann ich erst  in 6 Wochen zusammen mit meinem Arzt entscheiden.

Unfallursache:
Zur Unfallursache kann ich aus der Ferne betrachtet soviel sagen. Es ist sicher kein Materialfehler an sich, Einstellungsfehler oder Vereisung etc. Ich denke es kamen drei unglückliche Umstände zusammen.

Der massiv breitere Ski den ich nicht gewohnt war und die dadurch schlechtere Fahrstabilität (flatternde Ski) auf einer Piste. Durch den breiteren Ski kamen grössere Hebelkräfte auf die Bindung zustande (beim Kanten geben), was dazu führte das die vorderen PINs sich durch die ruppige gefrorene Piste (flatternde Ski) langsam aber sicher gelöst haben. Leider nur ein Ski!? Sonst wäre vielleicht weniger passiert.

Also liebe Bergfreunde, gebt Sorge zu euch und habt weiterhin eine unfallfrei Zeit in den Bergen. Hoffe mir bleibt eine doch nicht ganz solange Rekonva le szenz und man sieht sich in absehbarer Zeit wieder.

Ich kann derweil "schon wieder" ohne Krücken gehen, mit  Hilfe der Schiene. Schmerzmittel etc. brauch ich auch nicht. Aber ich muss mich in Geduld üben um nicht zu schnell zu viel zu wollen. Das wird schwer, da ich ja meinen Hintern nicht stillhalten kann und immer was machen muss, wie meine Frau so schön sagt.
Da ich nicht weiss ob während diesen 6 Wochen schon irgendwas in Heilung ist oder nicht, das ist auch sehr unbefriedigend und frustrierend für mich.
Aber immerhin leichte, kurze Spaziergänge kann ich schon unternehmen, Arbeiten muss ich auch schon wieder (Fahrdienst sei Dank) und meinem musikalischen Hobby kann ich nun auch vermehrt wieder nachgehen. Irgendwie wird diese etwas träge Zeit an mir vorübergehen und ich hoffe das ich derweil nicht zum "Germanys n ext top Moppel" werde.






Tourengänger: joe, markus1968


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Kommentare (4)


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maenzgi Pro hat gesagt: Gute Besserung
Gesendet am 13. April 2018 um 07:44
Guten Morgen Markus

Ich wünsche dir eine schnelle Genesung. Schau zu das du wieder auf die Beine kommst und hab Sorge zu deiner Heilungszeit. Nicht das es sich unnötig in die Länge zieht.

Lg manu

markus1968 hat gesagt: RE:Gute Besserung
Gesendet am 13. April 2018 um 08:24
Danke Manu,
ich werde es versuchen aber es wird sehr schwer werden. Es ist ja nicht nur das sportliche, leider leidet halt das übrige auch darunter. Es bleibt viel liegen. Aber richtig, die Gesundheit geht vor.
Herzliche Grüße
Markus

joe hat gesagt:
Gesendet am 14. April 2018 um 09:24
Auch ich wünsche dir eine gute Genesung. Du musst Geduld haben. Ich kann es gut nachvollziehen. Die Lernkurve mit der Geduld habe ich leider schon oft durchlaufen müssen.

markus1968 hat gesagt: RE:
Gesendet am 14. April 2018 um 13:00
Danke Joe,
Ich werde mich bemühen. Du musst halt solange ohne mich auf Skitour bis deine Saison vorbei ist. Vielleicht hast du danach Lust mich mal zu besuchen.
Bis bald und Grüße
Markus


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