4. März 2018 Walliser Fluchthorn (3795m) mit Schneeschuhen


Publiziert von getphilipp , 5. April 2018 um 13:19.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 4 März 2018
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT5 - Alpine Schneeschuhtour
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 


4. März 2018 Walliser Fluchthorn (3795m) mit Schneeschuhen

Freitag 2.3. Anreise per Bahn aus Dresden nach Saas Grund
Samstag 3.3 Postauto nach Saas Fee  und Aufstieg zur Britanniahütte (3030m)
Sonntag 4.3. Fluchthorn (3795m) und Abstieg nach Saas Fee, Bus nach Saas Grund
Montag 5.3. Heimreise

Freitag: Ich bin mit Baldur in Saas Grund Pension Arnika verabredet. Er hat dort gebucht. Ab Ba den Württe mberg Schneefall. Ich habe in Visp 90 min Verspätung, komme 18:30 an, gegen 19:30 in Saas Grund. Baldur sollte vor mir da sein, hat aber bei der Wirtin angerufen dass er wegen Schneefall Verspätung hat. Er fliegt ausBilbao via Barcelona nach Genf. Schafft es am Abend noch bis Sion, erwogen dass sich ein Hotel nicht lohntund spaziert am Bahnhof bis zum Frühzug herum. Ich rufe auf der Britanniahütte an. Die raten uns
von der Sommerroute von Saas Almagell aus ab. Besser aufsteigen entlang der Skipisten von Saas Fee aus.

Samstag: Gegen 7:30 haut mich Baldur aus dem Bett, gegen 9:00 nehmen wir den Bus nach Saas Fee. Hoch laufen über die Skipisten zum Egginerjoch. Wir sind mit Schneeschuhen unterwegs. Die ganzen zwei Tage. Als einzige ohne Ski. Ich habe die kleinen von MSR. Geliehen von Globetrotter. Ohne Bezahlung, da meine in Garantiezeit zur Reparatur waren. [Die Haken der Verschlüsse sind innen, wenn man der R und L Beschriftung folgt.  Das erscheint mit seltsam. Ich meinte bei meinen sei das anders und sollte auch. Als ich das dem Verkäufer mitteile meinte er das sei richtig wie es sei. Später sehe ich dass bei Meinen die Haken auch innen sind.]
Unterhalb der Britanniahütte seilen wir nicht an, sonst steigt niemand auf. Die Pistenfahrzeuge w¸rden auf Spalten kontrollieren, habe ich mal gehört. Ein paar junge Schweizer Skifahrer fragen auf der Piste ob wir aufs Allalin wollen. Auf dem Fluchthorn waren sie noch nicht. Zwischen Joch und Hütte hat die Raupe einen Weg gebahnt der im Flyer als Winterwanderweg verzeichnet ist. Dort überholt uns eine Gruppe von einem Dutzend franzˆsischsprachiger Skitourengeher. Der Führer fragt wo wir hinwollen. Sie wollen das Strahlhorn versuchen. Baldur ist ohne Übernachtung angereist und direkt hoch auf 3030m. Das nenne ich schnelle Akklimatisierung.

Etwa die Hälfte der Gäste auf der Britaniahütte plant Strahlhorn, die andere Hälfte Fluchthorn. Ich treffe niemand der zur Britannia hochgelaufen ist. Wir nehmen Halbpension ohne Frühstück. Wir planen die Skiroute aufs Fluchthorn die auf der 1:50000 SAC Karte verzeichnet ist. Dario Andenmatten, der H¸ttenwart bestätigt dass die Route ok ist. Bezüglich des Zieles meinte er, beim Fluchthorn wüsste er dass es mit Schneeschuhen gehe, beim Strahlhorn nicht. "Eher Fluchthorn."

Sonntag: 5:45 Wecker und Weckruf der Wirtin, 6:00 Fr¸hst¸ck, 7:20 Aufbruch. Wir knapp als letzte. Wir hören,
dass 2 wegen Krankheit in der H¸tte blieben. Weiss nicht was die haben, aber Anreise aus dem Flachland und dann gleich hochfahren auf 3030m scheint mir eben etwas schnell.

Von der Britannia zum Fluchthorn gehen wir die geplante Route. Runter auf den Hohlaubgletscher. Dort sahen wir Skitourengeher sich anseilen und wir taten es auch. Bis zum Fluchthornpass, auf dem Rückweg bis hoch zur Hütte gehen wir dann am Seil. Ich meine die meisten Skitourengeher auch. Ich habe gehört, die haben, anders als wir, im Winter auf dem Gletscher keine Anseilpflicht, aber die Strahlhorngegend ist bekannt für Spalten. Den Hohlaubgratanfang lässt man r/W liegen und betritt den Allalingletscher. Wir sind bis auf die bergab-Stücke im Aufstieg die ganze Zeit in der Skispur. Mit diesen Schneeschuhen, beide Paare etwas klein für uns und Baldur hat zudem keine besonderen, würden wir sonst gut einsinken. Diesmal beschwert sich keiner. Nördlich der größeren Spaltenzonen, nicht nördlich aller Spalten steigt man über den Allalingletscher auf. Vorbei an der großen Felsinsel mit Ps 3364, 3372, 3451 wenden wir uns nach S. Die Spur kommt recht nah an das W-Ende  der Felsinsel. Eine große Kluft zwischen Schnee und Fels, vielleicht vom Wind an deren W-Rand. Ich lasse eine Gruppe von 7-8 Franko-Scheizern vorbei. Wir machten ihnen die Spur kaputt, sie werden sie uns verbessern. In der Tat sinken wir dann weniger tief.

Ich habe das Gefühl mir ist selten ein Aufstieg so schwer gefallen. Und das obwohl es fast Gehgelände ist. Die rechte Schulter schmerzt
und ich habe gefühlt viel zu viel im Rucksack. Dabei habe ich weniger als gestern und es sind viel weniger Höhenmeter als gestern. Vielleicht habe ich den Rucksack schlecht eingestellt, vielleicht geht es nicht besser, er ist zu alt, oder ich bin es. Vielleicht hätte ich zwischen gestern und heute Schulterdehnübungen machen sollen. Oder er ist wirklich zu voll. Steigeisen, Pickel, Lawinenset, 1l Thermosflasche, Warmer Pullover, Regenjacke - hose und - Rucksacküberzug. Am Ende benötige ich davon nur den Inhalt der Thermosflasche. Die Thermosflaschen wollten sie am Vorabend. Da ich das vermutete wollte ich keine Trinkflasche mit Isolation. Diese würde sehr abkühlen. Vielleicht kann man sie überreden den Tee doch morgens aus zu geben. Oder man nimmt Thermos und Trinkflasche und lässt die Thermos dann in der Hütte.

W des wenig ausgeprägten Grates des Fluchthornes erreicht man den Fluchtpass. Von dort über einige Felsen (vielleicht eine Stelle I) zum Gipfel. Skifahrer machen Skidepot am Fluchtpass. Um den Fluchtpass ein paar Stellen mit Blankeis.
Baldur will Steigeisen anziehen. Ich überrede ihn das nicht zu tun. So steil ist es nicht und wir müssen Zeit sparen.
Es geht in der Tat auch so, meint er dann auch. Eine weitere Eisstelle kann man umgehen. Später höre ich, dass es am Strahlhorn komplizierter ist.

13:20 Gipfel, dort steht ein Kreuz. Es scheinen doch mehr Fluchthorn als Strahlhorn versucht zu haben. Wir sind
am Gipfel nicht die ersten und nicht die letzten, irgendwo in der Mitte. Zurück an der Hütte von den Fluchthorngehern
wohl die letzten. Ein walliser Bergführer meint zu Baldur "Snowshoes. Its gonna be a long afternoon." "Its gonna be fun." "I dont think so". Ich habe gehört dass Walliser Bergführer gerne zum Mittagessen wieder zu Hause sind. Sicher eine
Übertreibung und Verallgmeinerung. Die Sicht ist gut. In einer windstillen Ecke esse und trinke ich. Baldur ist es ohne lange Unterhosen doch etwas kalt. Auch Isländer können frieren.

Abstieg vom Fluchthorn zur Brittaniahütte über die Aufstiegsroute. Wir sind alleine. Da man weiter unten Wolken sieht möchte ich keine
alternative Abstiegsroute. Wir geraten dann auch einmal in eine Wolke. Gott sei Dank ist die Spur gut erkennbar und die allgemeine Richtung
sollte auch stimmen. Ansonsten war es heiter bis sonnig die zwei Tage.

16:00 Britanniahütte, Wir treffen nochmal unsere Tischnachbarn, ein Katalane aus Heidelberg, ein Deutscher aus Heilbronn oder so. Sie waren wohl auf 4000 aber nicht am Gipfel des Strahlhorns. Zu früh Ski-depot gemacht meinten sie. Im Schnee eingesunken, Zeit verloren. Die französische 11er Gruppe mit Bergführer sei wohl auch vor dem Gipfel
abgefahren. Eine Frau mit Bergführerin ist auch vor dem Gipfel umgekehrt. Meine Frage ob jemand ganz oben war erhält keine klare Antwort. Vielleicht ein einzelner Ski-fahrer. Einer der Tischnachbarn ist am Strahlhorn einmal in eine Spalte mit einem Bein. Ansonsten höre ich nichts von Spaltenstürzen. Ich versuche kurz die Augen zu schliessen, gebe dann
ein weiteres Vermögen für ein Stück Kuchen und einen Liter heisses Wasser aus. Letzteres ergibt eine Tasse türkischen Kaffee und noch etwas Kräutertee. Alles zusammen, die Entspannung nach dem Gipfel und die Tatsache dass wir nur noch runterlaufen machen den Nachmittag zur vielleicht besten Phase der Tour.

17:30 Aufbruch Richtung Egginerjoch. Der Wirt rät, über die Pisten ab zu steigen und uns vor den Aufhängekabeln der Pistenfahrzeuge in acht zu nehmen. Die Warnung habe ich schon gehört. Die würden einen köpfen. Das würde nicht weh tun. Von der Klein-Matterhorn Besteigung hatte ich noch den Gegensatz zwischen der Unmenschlichkeit
der Pistenfahrzeuge und der Freundlichkeit der Fahrer in Erinnerung. Bei Morenia, Ex Maste 4 steigt einer aus, kommt auf uns zu und fragt ob wir ins Tal wollen. Er würde den Kollegen der weiter unten das Fahrzeug am Kabel fährt
warnen. Wünscht uns noch einen schönen Abend. Am Egginerjoch ein Ausblick im Abendlicht. Alphubel, Dom, Täschhorn, Lenzspitze, Ulrichshorn. Ich erinnere mich daran wie Pascal am Alphubel die Eisschrauben setzte.
Und wie Baldur und ich im September auf 4200 am vom Ulrichshorn jetzt verdeckten Nadelhorn wegen verschneiter
steiler Felsen umgekehrt sind.

Die Pisten runter geht ganz gut. Meist ohne Stirnlampe. Dem Fahrzeug mit dem Kabel begegnen wir nicht, sehen nur
aus der Ferne die enormen Flutlichter einiger Fahrzeuge.

20:00 Saas Fee. Pizzeria Don Ciccio Chef gibt uns nach dem Essen (Spaghetti Aglio e Olio und Salatbuffet) wieder einen Grappa aus.
Ich strecke mich nicht im Tal und habe noch bis Freitag danach Bänderschmerzen im Kniekehlenbereich. Wir gingen auch ziehmlich direkt runter. Gelbe Piste hiess wohl Schwierigkeitswahl unbestimmt.

An sich hat die Tour gut geklappt. Wetter gut, Schnee noch etwas zu viel. Die Entspannung setzte nicht im Aufstieg kurz unterhalb des Gipfels, wie oft, sondern später als sonst ein. Messner hörte ich im Vortrag sagen, dass beim Extrembergsteigen die Entspannung erst unten einsetzt. Das lässt natürlich  noch keine Rückschlüsse zu.  

Nach der Tour schickt Globetrotter Schneeschuhe ohne Rechnung. Dieselben wie meine Alten, also heute, drei Jahre nach dem Kauf der Alten ein altes Modell. Unbenutzt, vorne ein Kratzer. Der Verschluss ist so wie bei den geliehenen. Ich bin verwirrt über die Verschlüsse, aber glücklich über die Schneeschuhe.

Tourengänger: getphilipp


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