Auf Besuch bei den Wolkenmädchen - Sigiriya


Publiziert von PStraub , 12. März 2018 um 08:19.

Region: Welt » Sri Lanka
Tour Datum:13 Januar 1988
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CL 
Zeitbedarf: 14 Tage

Am Ende meines ersten Südostasien-Trips (1988) machte ich einen Zwischenstopp in/auf Sri Lanka. Die Insel ist reich an kulturell und landschaftlich lohnenden Zielen. Ich besuchte unter anderem die alten Königsstädte wie Anuradhapura und Polonnaruwa mit der Buddhastatue von Galvihara. Weitere buddhistische Kultstätten sind Mihintale und  Aukana.

Sri Lankas höchster Berg, der Adam’s Peak (2243 m) und die Königsstädte haben schon HIKR-Berichte. Ich fülle hier nur eine Lücke: ein Bericht über die uralte Residenz- und Festungsstadt Sigiriya.

In Sri Lanka herrschte seit 1983 ein latenter Bürgerkrieg. Davon war im Westen der Insel wenig zu spüren. Es gab einfach eine inoffizielle, vom Militär bewachte Grenze gegen Norden und Osten.
Ich war mit einem privaten Fahrer unterwegs. Rein aus Neugier liess ich ihn zum Posten bei Anuradhapura fahren, von wo aus man nach Trincomalee fährt. Ein weiterer Checkpoint war hinter Polonnaruwa auf der Strasse nach Batticaloa. Beide hätten (zu Fuss) passiert werden können, auf der anderen Seite warteten jeweils sogar Taxis. Die Kampfhandlungen beschränkten sich damals auf Bombenanschläge der LTTE (Tamil Tigers); bevorzugt wurden Schulbusse in die Luft gesprengt, worauf Racheaktionen der Armee im Norden folgten.

Die Ruinen der ehemaligen Königsstädte Anuradhapura (1982) und Polonnaruwa (1982), die historische Festung Galle (1988) sowie die "heiligen" Städte Kandy (1988) und  Dambulla (1991) sind alle als UNESCO Weltkulturerbe gelistet.

Auch Sigiriya, die Felsenfestung mit den Wolkenmädchen-Fresken, ist seit 1982 UNESCO Weltkulturerbe.
Sigiriya wurde von einem König Kassapa ab dem Jahr 473 erbaut. Er hatte den Thron usurpiert und darum Angst, der legitime Thronfolger, sein Halbbruder Moggallana, würde sich an ihm rächen wollen.
Die Residenz liegt spektakulär auf einem gewaltigen Granitblock mitten in einer Ebene. Gemäss den meisten Quellen soll dieser 200 m hoch sein. Aus meiner alpinen Erfahrung würde ich das als deutlich übertrieben bezeichnen, rund 100 m dürfte eher hinkommen (Grössenvergleich mit Bus hier). Ich denke, da schreibt einer dem andern den Unfug ab. Quelle der Angabe könnte sein, dass die Ebene auf fast genau 200 müM liegt.

Am Fuss des Monolithen liegt eine ausgedehnte (gepflegt rekonstruierte) Parkanlage. Von dieser aus steigt man auf eisernen Treppen und Passerellen, zum Teil auch auf in den Fels geschlagenen Stufen hinauf. Der Aufstieg (max. T3) ist unschwierig - was nicht alle so sehen - und gut gesichert.
Von den Ruinen auf dem Gipfelplateau ist nur noch wenig erhalten. Die Aussicht ist jedoch phantastisch.
Erhalten sind jedoch die Fresken der "Wolkenmädchen" auf halber Höhe. Neuerdings soll da ein strenges Fotoverbot gelten, das gab es zu meiner Zeit noch nicht.

Damals war das absolut lohnend, ein unglaubliches Erlebnis. Wegen der zweifelhaften Sicherheitssituation gab es kaum Touristen auf der Insel, man war überall praktisch allein. Wenn ich aktuelle Bilder sehe, scheint sich das brutal geändert zu haben. Und auch preislich scheint sich in der Zwischenzeit einiges getan zu haben: Ein Besuch soll jetzt $ 30.- kosten.

Nach Sigiriya fuhren wir via Kandy, das derzeit nicht wegen Buddahs Zahn, sondern wegen Ausschreitungen zwischen Buddhisten und Muslimen für Schlagzeilen sorgt, nach Galle, beides ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe. Galle war ein wichtiger Handelsstützpunkt, erst der Portugiesen, dann der Holländer. Noch stehen Teile der von ihnen errichteten Festungsanlagen.

Unterwegs machten wir in Ratnapura Halt. Ratnapura ist das Zentrum für Schmuck- und Edelsteine, in der Region hat es jede Menge Minen. Ich habe da ein paar sehr schöne Steine zu sehr akzeptablen Preisen gekauft. Was mich sowohl hier wie schon in Brasilien verwunderte, war die Qualität nicht nur der Steine, sondern auch des Schliffs. Da muss vor Ort ein beträchtliches Wissen und Können vorhanden sein.

Vor dem Abflug kam ich auf dem Flughafen mit einem Beamten der Flugplatz-Security ins Gespräch. Er zeigte auf eine Gruppe Tamilen im Warteraum und sagte mir, das seien die Passagiere auf meinem Flug, die, kaum in der Schweiz angekommen, angeben würden, sie seien als politisch Verfolgte aus Sri Lanka geflohen. Der LTTE schleuste gezielt Leute als Asylbewerber nach Europa , wo sie als Waffen- und Geldbeschaffer tätig zu sein hatten: Was jetzt vor dem Bundesstrafgericht zu ersten Prozessen führt, hätte man schon vor 30 Jahren wissen können.
Doch das wollte bei uns, da politisch zu unkorrekt, keiner wahrhaben ..


-> Gescannte Papierfotos, darum die mediokre Qualität

Tourengänger: PStraub


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