Hochkalter (2607 m)


Publiziert von gero Pro , 22. April 2009 um 22:12.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Berchtesgadener Alpen
Tour Datum:30 September 2000
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1810 m
Abstieg: 1810 m
Strecke:Ramsau (P Holzlagerplatz) - Schärtenalm - Blaueishütte - Rotpalfen - Kleinkalter - Hochkalter - Ofental - Hintersee - P Holzlagerplatz
Kartennummer:Bayer. Landesvermessungsamt UK 25-1 Nationalpark Berchtesgaden

Die Überschreitung des Hochkalter habe ich im Jahr 2000 durchgeführt - unmittelbar nach dem hier ebenfalls geschilderten Hochplattig. Und wie schon dort gilt zunächst: die Fotos haben nicht die Qualität der heutigen Digitalaufnahmen! Ich habe sie unkomprimiert und unbearbeitet gelassen - wer möchte, kann sie sich runterladen und selbst mit geeigneter Fotosoftware aufmotzen .....

Ich startete damals in aller Herrgottsfrüh nach dem üblichen Autobiwak gegen 6 Uhr vom Parkplatz "Holzlagerplatz", auf etwa 800m am Sträßchen in die Ramsau (westlich von Berchtesgaden) einige 100m vor dem Hintersee gelegen. Soweit ich in Erinnerung habe, steht hier ein Wegweiser Richtung Schärtenalm und Blaueishütte. Man folgt nun längere Zeit einer Forststraße bis zur Schärtenalm (1362m); danach führt der Steig ziemlich genau südwärts in das Blaueistal hinein, daß - je höher man kommt - zusehends den Charakter eines riesigen, eindrucksvollen Kessels hat, der im Westen vom Nordgrat des Hochkalters, im Osten vom Blaueiskamm begrenzt wird. Über diese Grate führt ja bekanntlich die anspruchsvolle, lange Blaueisumrahmung.

Knapp 3 Gehstunden nach Abmarsch hatte ich die Blaueishütte (1651m) erreicht; sie liegt am oberen Rand des Latschengürtels, in ungemein eindrucksvoller Lage im Angesicht des Blaueisgletscherchens (inzwischen muß man wahrscheinlich sagen: dessen kärgliche Reste), das den Talschluß direkt unterhalb des Hochkalter-Gipfels einnimmt; es stellt zusammen mit dem Höllentalferner an der Zugspitze den einzigen Gletscher Deutschlands dar.

Von der Blaueishütte folgt man zunächst dem gemeinsam beschilderten Weg Richtung Schärtenspitze, Blaueisgletscher und Hochkalter. Nach knapp 20 Minuten trennen sich die Wege allerdings an einem großen Steinblock (diese Stelle heißt Eisboden): nach links geht es östlich hinauf zur Schärtenspitze, nach rechts folgen wir dem Weg Nr. 482 westwärts zum Hochkalter. Es gilt nun, dessen Nordgrat zu erreichen; zu diesem Zweck kämpft man sich zunächst ein mächtiges Geröllfeld mühsamen und kräftezehrend wohl an die 200Hm hinauf: 2 Schritte aufwärts, einen Schritt zurück - wer kennt diese Momente nicht, wo es daheim auf der Terrasse bei mindestens einem Bier VIEL schöner wäre! Hier sollte man langsam gehen und sich die Kräfte gut einteilen: es ist dies das bei weitem anstrengendste Stück des Aufstiegs! Ich machte damals den Fehler, viel zu schnell zu gehen - heftiges Schnaufen war die Folge.
Hat man aber besagtes Geröllfeld hinter sich gelassen, dann folgt ein Stückchen totale Genußkraxelei an wenig schwierigen, mit einigen Fixseilen gut abgesicherten Felsplatten. Man erreicht schließlich den Grat am Schönen Fleck bei ca. 2050m, 1 Std. nach dem Passieren der Blaueishütte. Er macht seinem Namen alle Ehre: wieder mal so ein Plätzchen, wo man einfach rasten muß, die gewaltige Umgebung genießen: westlich gegenüber die Spitzen der Reiter Alpe, östlich und viel näher der Kamm der Schärten- und der Blaueisspitze - und dahinter schauen der Hohe Göll und das Watzmann-Hocheck herüber.

Die Rast sollte allerdings nicht zu üppig ausfallen, denn der Weiterweg ist noch sehr lang: man steigt nun, immer bestens markiert, den Hochkalter-Nordgrat zunächst ohne jegliche Schwierigkeiten aufwärts. Nach knapp einer weiteren Stunde kommt man an ein ca. 20m hohes Wandl, wo man entlang einiger roter Markierungsflecken hinaufklettert. Dies ist die "schwierigste" Stelle des Aufstiegs: sowohl nach meiner Einschätzung als auch gemäß DAV-Führer "Berchtesgadener Alpen" ein Zweier - aber harmlos, nicht heikel, und nicht ausgesetzt!

Danach steht man auf dem Rofpalfen (=Wasserwandkopf, 2367m) - und immer weiter geht es auf dem eindrucksvollen, aber nicht schwierigen Grat bis auf den Kleinkalter (2513m). Inzwischen ist der Hauptgipfel bereits in greifbare Nähe gerückt - nochmals heißt es Hand an legen, nicht schwierig, aber wieder recht alpin, man turnt kurze Zeit etwas ausgesetzter als bislang über den ostseitigen Felswänden umher. Und dann hatte ich es geschafft: kurz vor 12 Uhr stand ich auf dem Hochkalter (2607m). Zugegebenermaßen eine relativ lange Aufstiegszeit - aber es sind viele Foto-, Genuß- und Verschnaufpausen enthalten, zudem hatte mich das Geröllfeld nach der Blaueishütte gehörig Kraft gekostet!

Der Hochkalter ist ein grandioser Aussichtspunkt - nur nach Osten ist die Sicht durch den gut 100m höheren Watzman mit seiner sehr breiten Westflanke etwas eingeschränkt. Ich rastete damals sicher eine Stunde auf diesem Logenplatz des Berchtesgadender Landes, bis ich mich an den Abstieg ins südwestlich eingelagerte Ofental machte. Das Ofental empfehle ich ausdrücklich nur für den Absteig, wegen der schier endlosen Schuttströme, die es charakterisieren. Zunächst geht es vom Gipfel südseitig unschwierig und gut markiert, aber sehr schuttig bis zur Ofentalscharte hinunter, die den Hochkalter vom südlichen Nachbarn, dem Ofentalhörnl (2513m) trennt. Eindrucksvoll plattige Abstürze fallen hier ostseitig ins Wimbachtal ab! Dann geht es noch wesentlich schuttiger Richtung Westen durch das Ofental abwärts, bis bei rund 1500m in der Gegend der Ofental-Diensthütte die Waldgrenze erreicht wird. Ich stieg dann gar hinunter ins Klausbachtal, immer im Angesicht der Reiter Alpe; die bequeme Forststraße führte mich zum Hintersee und schließlich zum Auto am Parkplatz "Holzlagerplatz" zurück.

Anmerkung: die beschriebene Rundtour folgt im wesentlichen immer dem Weg Nr. 482 - bestens markiert und beschildert! Sie ist gekennzeichnet durch kaum vorhandene technische Schwierigkeiten, aber durch erhebliche Länge, verbunden mit nicht unerheblicher körperlicher Anstrengung. Weiterhin führt die Tour in außerordentlich eindrucksvolles, hochalpines Gelände - alpine Erfahrung mit allem Drum und Dran sind eine Selbstverständlichkeit! Dann aber heißt die Devise wieder einmal: Genuß pur .....

Tourengänger: gero

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (1)


Kommentar hinzufügen

alpensucht hat gesagt: Danke, Danke
Gesendet am 9. Februar 2011 um 19:44
Danke für diesen super genauen Bericht und die guten Fotobeschreibungen!! Da geht man ja schon mit den Augen fast die ganze Tour :) Hochalpiner Charakter in recht geringer Höhe, in Deutschland.
Jetzt steht es fest: Hochkalter, ich komme!

Gruß, alpensucht


Kommentar hinzufügen»