Gaichtspitze (1986 m) - nahe Gipfel abgebrochen


Publiziert von ju_wi , 22. April 2009 um 21:11.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:19 April 2009
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 920 m
Abstieg: 920 m
Strecke:8,3 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Parkmöglichkeit in oberster Kehre der Gaichtpassstraße
Unterkunftmöglichkeiten:Privatzimmer Hinterstein
Kartennummer:f&b WK352

Nach den Blicken auf die Gaichtspitze (1986 m) am Vortag und dem recht schneefreien Südhang der Krinnenspitze hatten wir heute eigentlich eher eine Sommerbergtour erwartet. Doch es kam anders...

Wer die schöne Gaichtspitze am Talschluss von Tannheimer Tal Richtung Lechtal kennt, wird sich fragen, wo es hier eine T5-Route gibt. Die gibt es auch nur dann, wenn man bei den momentan recht gemischten Schneeverhältnissen einen eigentlich für den Sommer gedachten Aufstieg nutzt und dann irgendwann mangels Orientierung einfach mal im Fels zum Grat steigt und diesem - den Gipfel in der Nähe vermutend - einfach folgt. Hätten wir wenigstens auf die Karte geschaut, die wir dabei hatten, dann wäre klar gewesen, dass der Weg ein gehöriges Stück tiefer und noch lange die Flanke quert. However - daher ohne Gipfel, aber eine spannende Tour, bei der wir wieder wichtige alpine Erfahrungen gesammelt haben und vor allem - ich bin stolz auf uns - im richtigen Moment umgekehrt sind !

Die Gaichtspitze (1986 m), den südlichsten Gipfel der Tannheimer Berge, hatten wir von der Krinnenspitze am Vortag bewundert und für den heutigen Sonntag ausgewählt. Von S ragt sie wie eine steile Pyramide aus dem Lechtal empor und bricht an der Felsspitze in einer langen Felsflanke nach N hin ab. Neben dem Zustieg vom Hahnenkamm-Grat von N gibt es 3 Wege in der S-Seite, von denen die beiden oberen recht schnell zusammenlaufen und sich von NW dem Gipfel nähern. Wir wählen hingegen die längste Variante, die etwas oberhalb von Weißenbach am Lech von der oberen Serpentine der Gaichtpassstraße startet.

Ich weiss nicht wieso - wohl von den freien Südseiten von Aggen- und Einstein beeindruckt - waren wir heute voll auf Sommerbergtour eingestellt. Natürlich trifft dies am Einstieg auf 950 m ü NN auch noch zu. Im Innenraum der Kehre parkend folgen wir einem Feldweg (merkwürdigerweise unbezeichnet) und stehen nach ein paar Serpentinen an einer Wildschonung - und in der Sackgasse. Hmm - Start verpatzt , wo sind wir falsch abgebogen? Wir gehen ein Stück zurück und sehen über einen Hang hinweg unten einen kleinen Trittpfad. Nach genauerem Hinsehen finden wir dort auch schwache rote Punktmarkierungen. Also über die Böschung und hinab zum Weg. Auflösung, was schieflief, finden wir erst bei der Rückkehr: Inzwischen ist der Start des Wanderwegs (46) nicht mehr - wie auf der Karte und in meinem AV-Führer vermerkt an der oberen der 3 Serpentinen, sondern an der untersten - dort finden wir später dann auch ein Hinweisschild.

Durch einen Taleinschnitt wandern wir auf Waldboden auf einen dicht bewaldeten Hang zu, der nach links Blicke auf Fels hoch oben schon zulässt. Das Wetter ist heute fantastisch - blauer Himmel und angenehm warm. Der Pfad biegt bald nach rechts und beginnt die steile Flanke im Wald zu erklimmen. Nach S ergeben sich immer wieder herrliche Blicke auf diesn schönen Abschnitt des Lechtal und die Roßzahngruppe sowie wenn man höher steigt auch die Hornbachkette. Im O bewundern wir - auch mit der sich beim Steigen stetig ändernden Perspektive - wia am Vortag die Lechtaler und den Thaneller.

Nach einer knappen Stunde und 400 trockene Hm erstiegen gelangen wir an 2 hölzerne Jagdhütten. In ihrer Nähe stoßen wir mehrfach auf Gemsen - die Jagdhütten sind wohl gut plaziert :-( Wir sind recht zügig unterwegs - ich sehe uns schon in knapp 1,5 Stunden am Gipfel stehen. Doch dann ändert sich das Terrain fast schlagartig. Plötzlich tauchen immer größere und tiefere Schneeflecken auf. Erst als die Schuhe nass sind habe ich es kapiert und ziehe meine Gamaschen an... Ganz schnell ist auf einmal der gesamte Waldboden weiss und schon brechen wir immer wieder bis zum Oberschenkel in dem z.T. von unten ausgehöhlten Schnee ein.

Dennoch ist es auch kein Schneeschuhgelände, denn es ist viel zu steil dafür. Also kämpfen wir uns in dem steilen Waldhang so durch den im Schatten meist noch recht vernünftig tragenden Schnee. Das größte Problem wird nun jedoch ganz schnell die Orientierung. Der Pfad zur Gaichtspitze ist im Sommer ein Traum, da er so selten begangen ist, dass er kaum zu sehen ist - und auch die Markierungen sind eher spärlich. Nun im dichten Wald bei mehr als 1 m Schneetiefe ist das für uns kein Spaß - denn die Flanke der Gaichtspitze ist recht ausgedehnt. Oft rätseln wir und versuchen einfach das Gelände zu lesen nach einem logischen Wegverlauf. Irgendwie gelingt es uns dabei auch immer wieder nach kürzeren Blindflugphasen eine Markierung zu entdecken. Das Tempo ist allerdings inzwischen auf weniger als die Hälfte herunter und das Spuren im völlig unberührten Steilgelände ist sehr anstrengend.

In diesem Stil machen wir in mehr als einer Stunde gerade mal 250 Hm gut und stoßen bei etwas oberhalb 1700 m schließlich auf offeneres und felsiges Gelände.   Hier machen wir den entscheidenden Fehler. Ein weiteres Folgen der Wegmarkierung erscheint uns in dem offenen schneebedeckten Flankengelände nun nicht mehr möglich. Dennoch, statt auf der Karte nachzuschauen, die uns sofort gesagt hätte, dass wir noch ca. 1 km nach W weit unter den Felsen queren müssten, wähnen wir uns beim Anblick einer schneefreien Aufstiegsmöglichkeit auf die Felsen in Nähe des Gipfels. Wir müssen doch nur da hinauf und dann vieleicht noch ein paar Quermeter zum Kreuz... vom Tannheimer Tal vom W ist der lange SO-Rücken verdeckt und der Gipfelbereich erscheint als schmale Pyramidenspitze !

Also bemühen wir uns gar nicht mehr um die Fortsetzung der richtigen Route sondern checken das Geröll und brüchige Felsgelände nach einer Aufstiegsmöglichkeit ab. Man sieht schon, dass es ein gutes Stück hinaufzuklettern gilt. Vorsichtig über die geröllreichen Schrofen (gerade jetzt nach dem Winter) steigen wir langsam einer Felsschulter entgegen. Diese ist so brüchig, wie ich es überhaupt noch nie erlebt habe. Alles bricht ab - egal ob klein, mittel oder groß. Schon in den ersten Minuten fällt mir - ein zum Glück recht kleiner Stein - durch und streift Margit hinter mir. OK - noch besser aufpassen - und nah zusammenbleiben! Nach einer Felsstufe queren wir vorsichtig eine recht steile rutschige Rinne und klettern dann eine weitere Stufe empor. Oben angekommen wird es zunächst etwas einfacher - das Gelände ist nicht ganz so steil. In Gehgelände in Schrofen steigen wir ganz empor zum Grat und müssen über ein kleines Schneefeld am Grat, das aber auch von ein paar Latschen gehalten wird, hinüber. Weiter in Gratnähe bleibend und mal steiler mal weniger steil steigen wir weiter im Fels empor. 45 Minuten nach Einstieg in den Fels zeigt mein Höhenmesser 1910 m - d.h. wir sind schon fast 200 Hm im Fels empor - und wir kommen an ein weiteres, etwas breiteres Schneefeld am Grat. Es ist vielleicht 20 Schritte breit aber sehr abschüssig und ausgesetzt mitten auf einer Gratmulde. Nach links wir die schon oben steile Neigung schnell noch steiler, so dass man ins Nichts blickt, während rechts der Grat abbricht - leider habe ich kein Foto gemacht. Wir überlegen, ob wir es auf dem Grat des Schneefeldes wagen sollen und entscheiden uns beide dagegen. Im Nachhinein betrachtet auf jeden Fall richtig. Die Belastung hätte das Ganze leicht ins Rutschen bringen können, selbst auf der Spitze hätte es nach links in den Abbruch rutschen können. Also Umkehren!

Mist - eigentlich dachte ich, der Rückzug durch dieses rutschige Gebrösel bliebe uns erspart. Konzentrieren und in 30 Minuten wieder langsam runter. Wieder einmal zeigt sich, wie schwer es im Fels ist, sich an die Route zu erinnern, die man die letzten 45 Minuten aufgestiegen ist. Man sollte sich echt zwingen, bewusst regelmäßig zurückzuschauen und sich das Relief für den Rückweg einzuprägen - oder fotografieren...

Aber es gelingt uns - mit ein paar Korrekturen - gut zum Ausgangspunkt zurückzufinden und durch den steilen Schnee im Wald kommen wir auch recht gut voran. Wir staunen nicht schlecht, als uns ein Stück im Wald eine Gruppe von 2 Frauen und 1 Mann entgegenkommt, die sich für das Spuren bedanken und weiter aufsteigen. Das hätte ich nicht erwartet, dass sich noch jemand hier hochkämpft. Wir geben ihnen ein paar Hinweise, aber verständlicherweise wollen sie ihr Glück selbst versuchen. Weiter unten treffen wir dann sogar nochmal auf einen Jäger aus Memmingen - im Vergleich zum Vortag viel los am Berg.

Auf gleichem Weg kehren wir schließlich zum Auto an der Passstraße zurück und fahren zur sentimentalen Abschiedseinkehr noch kurz nach Rauth ins "Klein-Meran", das witzigerweise von einem Inder geführt wird (wussten wir, wir waren schonmal dort). Es folgt der Heimweg nach sehr interessanter Tor ohne Gipfelerfolg.

PS: Interessant ist es, den beigefügten GPS-Track nach Google-Earth zu laden, so erkennt man gut wo wir her sind - das Gebiet ist dort sehr hochauflösend dargestellt.


Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
 481.gpx Gaichtspitze - bis 50 Hm unterm Gipfel

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