Kleine Bannalper Rundtour


Publiziert von Bergamotte Pro , 19. Februar 2018 um 16:08.

Region: Welt » Schweiz » Nidwalden
Tour Datum:18 Februar 2018
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: Chaiserstuelgruppe   CH-NW   CH-UR   Ruch- und Walenstockgruppe   Bauen - Brisen - Bürgenstock 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 2680 m
Unterkunftmöglichkeiten:Berggasthaus Gitschenen
Kartennummer:245S (R. 530a/c, 525a/b)

Möglichst hochgelegen und relativ lawinensicher, so lautete der Anforderungskatalog an die heutige Skitour. Aber offensichtliche Ziele wie Pizol oder Gemsfairenstock reizten mich irgendwie nicht. Stattdessen setzte ich auf die Bannalper Rundtour, nicht ganz so hoch, aber sicher durchgehend gespurt. So dachte ich zumindest. Tatsächlich wurde der Chaiserstuel regelrecht überrannt, die Fortsetzung ins Urner Grosstal schien sich beim Nebel aber niemand antun zu wollen. Auch deshalb hat der Blindflug in den Abfahrten ganz schön Nerven gekostet; umso grösser dafür die Belohnung auf den beiden Gipfeln.

Eher späte laufe ich um 9:40 von der Bergstation Bannalp los. Schliesslich soll die ganze Runde bereits angespurt sein... Zunächst geht mein Plan auf. Eine schön gelegte Spur führt mich effizient - ohne Umweg über Urnerstafel - südlich an den Bietstöck vorbei durchs dichte Nebelmeer. Auf dem Büelenboden erkenne ich zum ersten Mal die Umrisse von Ruch- und Lauchernstock, dann geht es Schlag auf Schlag. Die Nebeldecke habe ich bald hinter mir gelassen und ein paar höhere Wolkenfetzen lösen sich im wahrsten Sinn des Wortes in Luft auf. Was für ein Prachtstag! Erst jetzt bemerke ich, dass auf der Route bereits viel Volk unterwegs ist, wobei die meisten vom Urnerstafel aufsteigen. Von der Bannalper Schonegg folge ich dem prächtig verwechteten Südrücken bis zum Skidepot und stehe zwei Minuten später auf dem Plateau vom Chaiserstuel (2400m), wo bereits einige Türler pausieren.

Mein erster Blick gilt dem Maisander, welcher nur knapp aus der Nebelsuppe ragt. Und von der Sinsgäuer Schonegg keine Spur. "Ach, die Obergrenze kommt sicher noch runter", rede ich mir ein. Mehr Sorgen bereitet mir, dass keiner der Anwesenden irgendwelche Anstalten macht, ins Urnerland abzufahren. Im Gegenteil, es ist ein einziger Plausch. Es werden gigantische Sandwiches verdrückt, frische Kaffees aufgebrüht, Plaudereien ausgetauscht und verschwitzte Kleider gewechselt. Hmm, mir schwant schon eine GPS-Abfahrt, als ich eine Dreiergruppe im Aufstieg aus dem Grosstal entdecke. Wunderbar, also runter zu den Skiern und ab geht's. Der Gratrücken ist wie erwähnt stark verwechtet, etwas nördlich vom Pass finde ich aber eine gute Einfahrtsstelle. Bis Läger ist das traumhafter Pulver. Und dann verschluckt mich der Nebel und ich folge der Aufstiegsspur. Diese wurde trotz Whiteout hervorragend angelegt. Bei der Gossalp treffe ich auf den Fahrweg, welcher mich vorübergehend recht flach direkt zur Talstation in St. Jakob (977m) führt

Wie schon auf der Bannalp ist es auch im kleinen Skigebiet Gitschenen (1538m) gespenstisch ruhig. Die Bügel drehen einsam und irgendwie morbid ihre Runden. Nur ein paar vereinzelte Türeler schleichen ums Gebäude. Meine kleine Resthoffnung, jemand habe die Sinsgäuer Schonegg angespurt, zerschlägt sich wenig später. Zunächst quere ich durch lichten Wald ins Sulztal. Nach der Hütte verschluckt mich der Nebel definitiv und es stehen kaum Bäume, welche Kontrast bieten könnten. Also GPS-Navigation hoch in die Sinsgäuer Schonegg (1915m), zuletzt bis 35°. Hier immer noch keine Spur von Sonne. Meine Motivation erreicht einen Tiefpunkt, ich erwäge gar auf den Maisander zu verzichten. Doch zum Glück setzt sich der Dickschädel durch und ich folge dem Schonegggrat nach Norden. Skidepot etwas oberhalb von 2000m. Der steile Südgrat (bis 40°) ist häufig aper. Bei guter Sicht hätte ich die Skier hochgetragen, um später weiter westlich abzufahren, aber heute ist mir das zu heikel.

Was für ein Moment, als ich wenig später nach einer gefühlten Ewigkeit erneut die Nebeldecke durchstosse. Nach dem harmlosen Fussaufstieg zum Maisander (2151m) ist es höchste Zeit für die verspätete Mittagsrast, seit sechs Stunden habe ich nichts mehr gegessen. Der Gipfel wurde übrigens durch Swisstopo erst kürzlich neu kotiert, wobei im Winter der Besuch des früheren Haupt- und jetzigen Ostgipfels (P. 2138) ohnehin wenig Sinn ergäbe. Am gegenüberliegenden Glattigrat erkenne ich knapp zehn Türler, während auf dem Chaiserstuel mittlerweile Ruhe eingekehrt ist. Eigentlich könnte ich den Blick übers hohe Nebelmeer noch stundenlang geniessen. Aber irgendwann wird's Zeit, nach der Kür die Pflicht. Wie genau die Abfahrt im Blindflug verlief, darüber soll hier der Mantel des Schweigens gehüllt werden...


Zeiten
1:20  Chaiserstuel
1:00  St. Jakob
1:35  Maisander
1:00  Oberrickenbach

Tourengänger: Bergamotte


Galerie


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