Schneeschuhtour auf die Äbeni Flue, 3962 m


Publiziert von Sibille , 19. April 2009 um 00:20.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:10 April 2009
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT5 - Alpine Schneeschuhtour
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 4 Tage

Tag 1: Am Karfreitag ging’s nach einigen Wochen voller Vorfreude los Richtung Berner Oberland. Es sollte zugleich der erste Ausflug überhaupt für mich auf’s Jungfraujoch werden. Die Fahrt von Lauterbrunnen auf die kleine Scheidegg war wegen dem strahlenden Sonnenschein, dem tief blauen Himmel und der herrlichen Aussicht ein Genuss. Doch mit dem Gedränge beim Umsteigen zogen auch gleich erste Wolken übers Jungfraujoch. Oben angekommen waren wir sogleich von dichtem Nebel umgeben, sodass kein einziges Postkartensujet-Photo zu schiessen war. Naja, der Tag war ja noch jung…
Nachdem unser Bergführer von Grindelwaldsports (Organisator der Tour) unsere Ausrüstung überprüft hatte ging’s via Sphinxstollen nach draussen, wo wir unsere Schneeschuhe anlegten und angeseilt wurden. Da der Nebel noch von Schneegestöber untermalt wurde, war der Einsatz des Kompasses selbst für unseren Bergführer unabdingbar. So liefen wir um ca. 11 Uhr los über den Aletschfirn Richtung Konkordiaplatz. Den Beginn dieses Platzes erreichten wir recht schnell, waren die Verhältnisse doch nach wie vor nicht wirklich einladend, um bei einer Pause länger zu verweilen. Den Platz zu überqueren beanspruchte eine gute Stunde, sodass wir schliesslich gegen 14 Uhr bei der Treppe angelangten, welche steil fast 150 Meter hoch zur Konkordiahütte (2800 M.ü.M.) führt.
Positiv überrascht von der Gemütlichkeit der Hütte und der Küche verdrängten wir die Inhalte der sms, welche uns von den Daheimgebliebenen aus verschiedenen Teilen der Schweiz erreichten („Geniesst das tolle Wetter!“, „Super, dass es ausgerechnet jetzt so schön ist!“…).
 
Tag 2: Die Nacht war kurz und die Oropax überlebenswichtig ;-) (ob Männer aus lauter Solidarität mitschnarchen, wenn einer damit beginnt?). Das Frühstück war ein angenehmer Start in den Tag, zumal schnell klar wurde, dass wir aufgrund des schlechten Wetters erst später starten würden. So studierten wir mit unserem Bergführer die bevorstehende Route mit den Berggipfeln, die (theoretisch) zu sehen wären.
Gegen 10 Uhr marschierten wir wiederum bei dichtem Nebel und leichtem Schneefall los: zuerst über die Stahltreppe auf den Konkordiaplatz, welchen wir traversierten, dann bei leichter Steigung Richtung Lötschenlücke. Die Pausen fielen erneut kurz aus, da es sowieso nichts zu sehen gab. Immerhin fiel das Laufen am Seil leichter, nachdem am ersten Tag unsere Seilschaft sich im Handorgeln übte ;-). Da der letzte Anstieg zur Hollandiahütte (3240 M.ü.M) recht steil und wegen dem Neuschnee sowie dem böigen Wind kein Sonntagsspaziergang war, waren wir alle froh, als wir gegen 15 Uhr die gemütliche Hütte erreichten.
Das Gefühl etwas ganz besonderes zu erleben wurde nach wie vor nicht getrübt durch das schlechte Wetter, es wäre allerdings schon hübsch gewesen, wenn wenigstens einen (!) Gipfel hätten sehen können.
 
Tag 3: Erneu t wurden wir am Morgen von dichtem Nebel und Schneetreiben geweckt (wenn man denn hätte schlafen können – immerhin verfügte der Schnarchchor diesmal nicht über virtuose Solisten ;-). Dennoch war der Optimismus ungebrochen, dass wir am dritten Tag endlich blauen Himmel und Gipfel sehen würden. Wir liefen gegen 10 Uhr los Richtung Äbeni Fluh. Tatsächlich konnten wir nach etwa zwei Stunden unser angestrebtes Ziel sehen, es dauerte dann allerdings noch einige Zeit (Distanzen lassen sich kaum abschätzen, wenn alles weiss ist!) bis wir ans letzte Steilstück machen konnten. Relativ steil stiegen wir die letzten 300 Höhenmeter hoch zu einem Sattel, von welchem wir ein etwa einer Viertelstunde über Eis und hartem Schnee zum Gipfel (3962 M.ü.M) gelangten. Die Steigeisen brauchten wir nicht, da die Schneeschuhe mit den Harscheisen genügend Halt boten.
Die Aussicht auf die umliegenden Gipfel (Eiger, Mönch, Jungfrau, Finsteraarhorn, Aletschhorn…) entschädigte für das schlechte Wetter und war einfach grossartig J!!!
Der Abstieg führte über ein breites Tiefschneefeld, was wir in einem Art Telemark-Stil hinab rutschten. Auf dem Weg zurück zur Hollandiahütte sahen wir endlich die eindrückliche Umgebung, sowie unsere am Tag davor gelegte Spur von der Konkordiahütte.
 
Tag 4: Nach einer letzten fast schlaflosen Nacht (sleepless in the Alpes…) brachen wir bei besten Bedingungen noch vor 8 Uhr zu unserer Schlussetappe auf. Via Lötschenlücke wanderten wir den Länggletscher hinunter, vorbei an imposanten Spalten, Gletschertore und schliesslich Seitenmoränen. Unterwegs sahen wir verschiedene Helikopter, welche bei diesem traumhaften Wetter Touristen auf die Äbeni Fluh bzw. den Petersgrat zum Heliskiing flogen…
Sobald wir den Gletscher verlassen hatten, ging’s in flottem Tempo zur Fafleralp und in einer weiteren Stunde (spätestens hier wären Tourenskis ganz angenehm gewesen!) nach Blatten, wo wir bei fast sommerlichen Temperaturen auf unsere Tour angestossen haben.

Tourengänger: Sibille

Galerie


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