Grabenkargrat


Publiziert von Wagemut , 12. Januar 2018 um 12:33.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum: 5 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T6+ - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Unterkunftmöglichkeiten:Karwendelhaus
Kartennummer:AV-Karte 5/1 Karwendelgebirge West und 5/2 Karwendelgebirge Mitte

(...)Und auch jene Bergsteiger, die dem Karwendel nicht viel abgewinnen können, werden mir zugeben müssen, daß, um ein Beispiel aufzuzählen, der Grabenkargrat zu den dankbarsten und anregensten Turen dieses Gebietes gehört, ist auch gerade das Karwendel als brüchig verrufen, so gibt es auch dort Fahrten, wo man herrlichen festen Fels in der Hand hat.(...)

Egon Hofmann, Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpnevereins, Band 66, 1935


Der Summer is scho lang umer. Die langen Winterabende geben mir jedoch ausreichend Gelegenheit den Bergsommer Revue passieren zu lassen und mich an eine fabelhafte Gratüberschreitung zu erinnern.

Der Grabenkargrat liegt in der Nördlichen Karwendelkette und verbindet die Grabenkarspitze mit der Östlichen Karwendelspitze. Im AV-Führer wird die Gehrichtung von Ost nach West empfohlen. So hat man die schwierigen Stellen im Aufstieg und kann außerdem am Ende der Tour über das Grabenkar absteigen.

Wir starten mit den Rädern in Hinterriß und radeln fleißig bis zum Hochalmsattel hinauf. Wie hier bereits beschrieben, geht es zur Grabenkarspitze. Der teils plattige Aufstieg bereitet schon erste Kletterfreuden. Nach einer ca. halbstündigen Rast auf dem Gipfel legen wir die Klettergurte an, um auf dem folgenden Gratübergang zur Östl. Karwendelspitze bei Bedarf sichern zu können.

Grabenkargrat III., eine Stelle IV im Gipfelaufschwung

Der "Gratspaziergang" kann beginnen. Mit verschiedenen Beschreibungen der Route, eine von den Erstbegehern, O. Ampferer H. v. Ficker (1899) und zwei "jüngeren" Datums (1956 und 1969), ausgerüstet, klettern wir unschwierig am Grat entlang abwärts bis zu einem Abbruch. Die Beschreibungen lassen anfangs viele Deutungsmöglichkeiten zu. Die Identifizierung des richtigen Abbruchs ist unsicher, sodass wir höchstwahrscheinlich zu früh in die Ostflanke (Beschreibung AVF von 1956 spricht von "Nordseite") ausweichen. Die Abkletterstelle in die ausgesetzte Flanke an kleinen Griffen (III., stark ausgesetzt) kostet mich einige Überwindung (und gefühlt 10 min), Georg, der alte Kletterfuchs, tut sich da sichtlich leichter. Es empfielht sich übrigens, schon ab der Grabenkarspitze Kletterschuhe anzuziehen.

Wir queren nun lange in der steilen Flanke über Graspolster und eine Rinne zu einer Scharte hinter der tiefsten Scharte im Gratverlauf. Ab hier sind wir wieder auf der richitgen Route. Es geht links über eine Geröllfeld abwärts.
Im weiteren Verlauf bis zum Gipfelaufschwung ist uns der AV-Führer (siehe hier) ein guter Leitfaden, weswegen ich bis zur Scharte vor dem Gipfelaufbau auf eine detailierte Beschreibung verzichte.
Wie es in obiger Einleitung schon angeklungen ist, ist der Fels in der Regel fest und ein Klettergenuss. Die kurze Verschneidung im Gipfelaufschwung jedoch stellt sich mit einem kurzen, brüchigen IV.er in den Weg. Sie zieht wenige Meter links unterhalb der Scharte schräg rechts hinauf zu einer Rippe, über die man im wieder besseren Fels in wenigen Zügen den Gipfel erreicht. Wir bringen erstmals das Seil zum Einsatz. Georg steigt voraus. Die Absicherung ist fraglich, da erst nach der Schlüsselstelle eine Schlinge zum Einsatz kommt, aber zumindest kann ich etwas komfortabler vom Gipfel aus nachgesichert werden. Georg sei Dank! Ein Notabstieg aus der Scharte ins Grabenkar ist wohl denkbar. Ich schätze, dass er bei guter Wegführung im I.-II.er Bereich liegt.

Nach diesem wunderbaren Grat mit seinem gerüttelt Maß an Abenteuer gönnen wir uns auf dem Ostgipfel der Östl. Karwendlespitze ein Rast und genießen den Blick auf die Hinterautalkette mit der allzeit imponierenden Kaltwasserkarspitze. Zügig geht es ins Grubenkar hinab, wo wir den Grabenkargrat nochmal in Ruhe betrachten und dessen Südwände bestaunen, durch die auch ein paar ältere Routen führen. Unten wandern wir über die blühenden Almwiesen zurück zu unseren Rädern.

Fazit: Traum-Gratüberschreitung mit fast durchwegs festem Fels im Herzen des Karwendels! Verglichen mit dem Übergang von der Schafkarspitze zum Hochglück klettertechnisch anspruchsvoller und in der Wegfindung aufwendiger, aber dafür fest!



Tourengänger: Wagemut


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Kommentare (4)


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ZvB hat gesagt: Alle Achtung und größter Respekt!
Gesendet am 12. Januar 2018 um 14:20
Das Seil habt ihr auf jeden Fall nicht zerschlissen!
Gibts auf der Route irgendwelche Haken?
Gruß
Zing

Wagemut hat gesagt: RE:Alle Achtung und größter Respekt!
Gesendet am 12. Januar 2018 um 16:43
Servus Zing,

und das ist ja Lebensziel, das Seil nicht zu verschleißen, weil wär ja schad. :-) Hakerl hats keine, auch keine zurückgelassenen Schlingen. Bei Bedarf könnte man aber durchaus ein paar Sicherungen legen. Vielleicht gibt's aufgrund dieses Berichts ein paar mehr Begehungen. Im Gipfelbuch (Ostgipfel Östl. Karwendelspitze) konnten wir keinen Eintrag zum Grabenkargrat finden.

Viele Grüße,

der Joseph

Westfale hat gesagt: Glückwunsch zur hikr Erstbegehung!
Gesendet am 14. Januar 2018 um 16:48
Saubere Tour,
ich habe es bislang nur auf den Anfang- und den Endpunkt der Tour geschafft. Ohne das wilde Zwischenstück. Daher um so mehr Respekt, dass Ihr euch nur mit historischen Berichten bewaffnet in so eine Unternehmung stürzt.
Weiterhin bin ich immer wieder erstaunt, dass es im Karwendel noch so viele Gratabschnitte gibt, die hier noch nicht beschrieben sind. Aber wenn du weiter so reinhaust, hat sich das bald auch erledigt ;-) Ich will mir unbedingt mal den Grat zwischen Tiefkar und Wörner vornehmen..
Beste Grüße,
Sebastian

Wagemut hat gesagt: RE: Glückwunsch zur hikr Erstbegehung!
Gesendet am 14. Januar 2018 um 22:35
Servus Sebastian,

danke Dir!
Wie ich inzwischen nachgelesen habe, gibt es zwischen dem aktuellen AVF und dem AVF von 1969 keinen textlichen Unterschied, die Beschreibung ist also weiterhin brandaktuell!:-) Vor Ort war ja auch festzustellen, dass sich die Routenführung gar nicht geändert hat. Insofern ist der AVF in diesem Fall in seiner knappen Form jeder noch so genauen Internet-Beschreibung vorzuziehen. Ein bissl selber erarbeiten, taugt mir auch mehr, als fertige Häppchen, sonst gleicht das ganze zu sehr einem verschulten Bachelor-Studium.:-)

Natürlich bin ich an dem Grat zum Wörner auch interessiert. Wenn'st magst, können wir den auch gemeinsam angehen. Ich glaub der geht auch unter 15 Stunden...:-)

Viele Grüße,

der Joseph



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