Zapporthorn 3152m


Publiziert von Bombo , 15. April 2009 um 00:01.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Misox
Tour Datum: 4 April 2009
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Zapporthorn   CH-GR 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:San Bernardino Zeltplatz - Kurve P. 1909 - La Leca - Ghiacciaio de Mucia - Skidepot - Gipfel - gleiche Strecke zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:von San Bernardino Richtung Passo del San Bernardino bis zum Zeltplatz
Unterkunftmöglichkeiten:z.B. Zeltplatz San Bernardino oder Capanna Genziana
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 267 S "San Bernardino"

Eine weitere Folge von "bombostische Schlumpfentouren", heute:


Schöner geht's kaum....
 
... natürlich geht es noch schöner, einen Multiplikator findet sich immer noch irgendwo. Doch rückblickend auf die Skitour auf das Zapporthorn 3152m fallen mir wirklich nur diese Worte ein - meine Gedanken beginnen beim einsamen schönen Aufstieg entlang der Bernardino-Passstrasse, sie schweifen weiter über die unendliche Weite bis an den Fuss des Gipfels, dann das spannende Couloir gefolgt vom nervenkitzelnden Grat und folglich noch das Schlussbouquet - die berühmte Gipfelwechte, welche man erst sieht, wenn man auch wirklich alle Mutproben bestanden hat.
 
Wir starten wenig oberhalb des Zeltplatzes bei der Passstrasse des San Bernardino (Südportal) und folgen dieser bis zur markanten Kurve bei P. 1909 - dort befinden sich übrigens auch zwei Gebäude (eines davon mit einem Nottelefon ausgestattet). Die Spur biegt links weg, führt über den Bach und zieht sich in westliche Richtung nach La Leca 2091m und dann immer weiter über die weisse Arena bis zum Ghiacciaio de Mucia. Dieser gemäss Führerliteratur nicht spaltenfreie Gletscher kann man jedoch problemlos ohne Gletscherausrüstung begehen, denn die Spalten lassen sich höchstens erahnen und diese befinden sich sowieso mehrheitlich mittig bzw. auf der anderen Gletscherseite.
 
Die Sonne brutzelt schon gewaltig auf uns nieder und nicht selten rutschen wir samt Schneeoberfläche aus der Spur - man spürt es überall, es ist Frühling. Schon von weitem haben wir 2 andere "Zapportisten" gesichtet, diese befinden sich gerade im Aufstieg durch das steile Schneecouloir, als wir uns noch immer in einer rutschigen Traverse abmühen. Still danken wir bereits jetzt schon für das Spuren im Couloir, dies wird uns schon bald den Aufstieg markant erleichtern. Zu unserer Überraschung bleiben die beiden jedoch auf dem höchsten Punkt oberhalb des Couloirs stehen, geniessen die Aussicht und steigen plötzlich wieder ab. Roger und ich schauen uns fragend an, weshalb sie nicht weiter gegangen sind, schliesslich müsste der Hauptgipfel doch erst weiter hinten sein - was da uns wohl erwartet, wenn wir selbst dort oben stehen?
 
Beim Skidepot, einem von Steinschlag und Nassschneelawinen geschützten Felsen am Beginn des Couloirs, treffen wir auf die Gipfelstürmer und fragen nach dem "warum" - was führte zum vorzeitigen Tourenende? Ein bisschen überrascht müssen wir feststellen, dass die beiden Allgäuer - wir machten uns bekannt - fest davon überzeugt sind, dass sie tatsächlich auf dem Gipfel waren und keineswegs eine Möglichkeit bestanden hätte, vom dortigen Punkt noch weiter zu gehen. Nun gut, Roger und ich sind anderer Meinung, wollen ihnen aber nicht ihr persönliches Gipfelglück rauben. Auf die gut gemeinten Ratschläge, dass wir doch Pickel und Steigeisen beim Skidepot zurücklassen sollen, verzichten wir und sind im Nachhinein auch froh, dass wir auf unsere eigene Stimme gehört haben.
 
Dank den Allgäuerspuren steigen wir unschwierig im Couloir hoch und stehen schon bald auf dem vermeintlichen Gipfel, welchen wir ab sofort den "Allgäuer-Gipfel" nennen. Dank Führerliteratur und Hikr-Berichten (danke!) ist jedoch klar, dass der Weg nun weiter geht und nur wenige Meter weiter hinten beginnt tatsächlich der in den Berichten dokumentierte Grat, welcher noch ungespurt zur noch immer nicht sichtbaren Gipfelwechte führt. Schlumpf sei Dank, dass er die Vorsteigerrolle übernommen hat und so eine sichere und saubere Spur über den ausgesetzten und super schönen Grat gelegt hat. Nicht lange dauert es und wir stehen zuerst vor und nachher schon fast auf der Gipfelwechte des Zapporthorns 3152m. Nebst der berauschenden Aussicht in alle 4 Himmelsrichtungen freuen wir uns vorallem aber auch über den soeben begangenen und gespurten Grat - manchmal vergessen wir beinahe, dass wir nicht im hochalpinen Wallis sondern eben noch immer im schönen Graubünden sind.
 
Die Sonne wird immer intensiver und es ist Zeit, den Abstieg unter die Füsse bzw. die Steigeisen zu nehmen. Jetzt, wo die Spuren über den Grat schön getreten sind, bildet dieser keine grosse Schwierigkeit mehr und auch der Abstieg über das stark aufgeweichte Couloir macht riesigen Spass - fast zu schnell sind wir wieder beim Skidepot, welches wir nach dem Verlassen der beiden Allgäuer nun alleine geniessen. Zu unserem grossen Erstaunen sichten wir weit weg von unserem Platz noch andere Skitourer, welche scheinbar die Physik- und Vernunftsgesetze ausser Betracht lassen. Noch bevor diese das Skidepot erreicht haben, begeben wir uns auf auf die traumhafte, unverspurte Abfahrt in Richtung Passstrasse. Selten haben wir derart perfekte Frühlingsverhältnisse angetroffen wie bei dieser Abfahrt - Skialpinismus, wie es im Bilderbuche steht.
 
Die wenigen Stockeinheiten auf der manchmal flachen Passstrasse begiessen wir schon bald mit einem kühlen Bier im urchigen Restaurant des Campingplatzes und stellen einmal mehr fest, dass in den Bergen auch vom Preisniveau her die Welt mehr als nur in Ordnung ist.
 
Merci Roger für die Gratspurerei - diese Tour wird wahrhaftig unvergesslich bleiben!


Tour mit Schlumpf. Hier sein wie immer detaillierter Bericht.


SLF: mässig, im Tagesverlauf  "erheblich"




Route Nr. 603 - Die schönsten Skitouren der Schweiz - Scanavino / Gansser / Auf der Maur
Route Nr. 334 - Skitouren Nordbünden, Prättigau, Surselva, Rheinwald - V. Eggenberger

Tourengänger: Bombo

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