Fellilücke - der Anfang vom Ende


Publiziert von Zoraya , 3. Dezember 2017 um 20:59.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 3 Dezember 2017
Ski Schwierigkeit: WS-
Zeitbedarf: 2:00
Aufstieg: 450 m
Abstieg: 450 m

Die erste Skitour in dieser Saison beginnt gleichzeitig mit einem Ende. Obwohl bereits von mir einen Bericht existiert, möchte ich diesen Tag gerne festhalten. Vielleicht sind einige froh zu lesen wie die Verhältnisse momentan sind und sich eine Tour zur Fellilücke lohnt. Ich sage, ja es lohnt sich. Ich appelliere sogar baldmöglichst eine Skitour zu planen. Denn das Ende und die Ruhe in diesem Gebiet sind leider sehr Nahe. 

Ich bin Fan von Andermatt. Ich war von Anfang an überzeugt vom "Sawiris-Projekt". Obwohl ich meine Heimat liebe aber das Dorf wäre eingeschlafen. Durch dieses Projekt steht Andermatt oft in den Medien. Ob sie nun gut sind oder nicht spielt nicht mal so eine grosse Rolle. Es wird darüber berichtet und das ist nun mal ausschlaggebend. Die Erweiterung der Seilbahnen am Oberalppass begrüsse ich allerdings überhaupt nicht. Ich weiss, dass das Skigebiet in Andermatt bisher sehr begrenzt war. Trotzdem finde ich es Schade, dass in einem unberührten Gebiet, wie die Fellilücke/Schneehüehnerstock, eine Seilbahn gebaut wird. Diese steht bereits dort, ist aber noch nicht in Betrieb. Deshalb war das für mich wahrscheinlich die letzte Skitour auf den schönen Pass. 

Zu den Verhältnissen kann ich folgendes sagen: Wenn man mal mit letztem Jahr vergleicht, war das heute ein Traum! Letztes Jahr konnte man um diese Zeit ja noch hinauf wandern. Schnee hat es auch jetzt nicht wahnsinnig viel. Im Aufstieg dachte ich mir, oh je die Abfahrt wird wohl eher "ä Chrampf" statt ein Genuss. Je höher wir stiegen desto besser wurde der Schnee. Einzig die Bise war sehr unangenehm. Sie begleitete uns den gesamten Weg über. Zügig und ohne Halt marschierten wir zur Fellilücke. Auf dem Pass verweilten wir auch nur kurz. Es war kalt. Meine Güte war das kalt! Mir fiel eine Szene im Film "The day after tomorrow" ein. Ein paar Forscher gerieten in das "Auge des Sturms" und erfroren innerhalb von Sekunden. Das war bei uns natürlich nicht so aber sobald ich meine Handschuhe für nur wenige Sekunden auszog, konnte ich meine Finger, aufgrund der Kälte, kaum mehr bewegen. Ich wäre ja stark genug gewesen, ich meine man will ja schöne Fotos schiessen. Aber mein I-Phone vertrug die Kälte nicht und schaltete sich aus. Merci, du armes Ding! Wenigstens konnte mein Mami einige Fotos schiessen, bevor auch ihr I-Phone den Geist aufgab. 

Die Abfahrt: Im oberen Teil grandios! Ja wirklich! Beständiger Untergrund und sanfter, unberührter Neuschnee. Powderfeeling vom Feinsten. Da die Schneemengen eben doch noch zu wünschen übrig lassen, wählten wir eine ähnliche Route wie im Aufstieg. Alles andere lohnt sich im Moment definitiv nicht. Wir erwischten, entgegen den Befürchtungen, wunderschöne Hänge mit Pulverschnee. Im unteren Teil muss man dann doch sehr aufpassen und damit hätte ich persönlich nicht gerechnet. Der deckelartige Schnee löste sich. Die Südhänge mutierten zur Gefahr. Eine Dreier-Gruppe geriet in einen Deckel, der sich löste. Passiert ist nichts, der Rutsch nur klein, trotzdem durfte die Person die Skier unter dem Rutsch suchen gehen. Ich habe grossen Respekt vor dieser Naturgewalt. Jedoch gebe ich zu, dass mich genau diese Gewalt so in den Bann zieht. Ich stürze mich nicht ins Ungewissene, plane keine Skitour, welche ich nicht kenne...trotzdem faszinieren mich Gewalten, welche ich nicht kontrolliere kann. Selbst in der Aufstiegsroute, welche wir ohne Probleme begingen, waren beim Hinunterfahren von kleinen Lawinen begraben worden. Sicher, nur kurze Stellen waren betroffen, halbwegs erfahrene Skitourengänger erkennen die Gefahr. Aber trotzdem muss man ein wachsames Auge haben. 

Na ja, ich hocke nun wieder im Aargau und bin sicher, dass ich zum letzten Mal als Skitourengänger in diesem Gebiet war. Fast sicher. Wenn ich mal wirklich, wirklich faul bin, werde ich vielleicht diese blöde Bahn nutzen und auf den Piz Tiarms flüchten. Ich hoffe einfach eins; dass das Fellital nicht plötzlich von eben diesen faulen Skifahrern überfahren wird!

Die Fellilücke bietet einen kurzen Aufstieg, mit wunderschöner Abfahrt zum Oberalppass. Auch für Skitourengänger mit nicht so viel Erfahrung. Das Fellital ist und bleibt hoffentlich traumhaft schön und wird nicht überfahren, trotz dieser Seilbahn. Denkt an die Tiere, das Wildschutzgebiet und fahrt nicht einfach wahllos drauflos, nur weil jetzt dort bequemer halber eine Bahn steht. Bitte. 

Ich wünsche euch allen eine traumhafte Saison, mit viel Spass und Abenteuer.  

Tourengänger: Zoraya

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Kommentare (1)


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Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 4. Dezember 2017 um 06:39
Hi Zoraya,

Dank dir, ich wünsch die auch eine super Powder-Ski-Saison. Und ja: Im Frühling schliessen irgandwann die Bahnen, dann ist der Berg auch wieder nur mit Muskelkraft zu erreichen. Also bist du wohl nicht das letzte Mal dort gewsesen :-)

Gruss, Sputnik


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