Konditionstour vom Gaistal über Zugspitze, Reintal, Meilerhütte und Söllerpass zurück


Publiziert von Joesti , 30. November 2017 um 12:21.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Tour Datum:26 Juni 2017
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 21:00
Aufstieg: 3500 m
Abstieg: 3200 m
Strecke:ca. 52 km

Mit 6700 HM insgesamt und ca. 52 km beschreibe ich hier eine Tour, die in seinen einzelnen Abschnitten schon mehrfach beschrieben worden ist, aber als Tagestour noch nicht und die konditionell durchaus anspruchsvoll ist!
Die Wetterprognose war sehr gut und um genügend Zeit im „Köcher“ zu haben, ging ich bereits um 01:00 Uhr nachts vom Parkplatz Salzbach aus los, zunächst durchs Gaistal bis zur Tillfussalm, und hier dann rechts in den Wald Richtung Steinernes Hüttl. Da es noch stockfinster war und ich Probleme hatte, die Markierungen zu finden, entschied ich mich für den „short cut“ und stieg durch eine Schotterinne den Wald hinauf. Am Ende der Rinne kommt man zwangsläufig auf den Normalweg, der nun deutlich markiert und zum Teil abgezäunt ist. Durch die Latschen zum Teil am Berghang  führt ein nicht zu verfehlender Pfad. Sobald man einen Bach überquert, ist es zur Hütte nur noch ein kurzer Anstieg. Es war eine sternenklare Nacht ohne Mond – perfekt für Fotos vom Sternenhimmel! Ich war so mit den Einstellungen meiner Kamera beschäftigt, dass ich fast eine Stunde auf einer Bank hinter der Hütte mit Fotografieren verdaddelte. Der Plan, um 6 Uhr auf der Zugspitze zu stehen, war nicht mehr machbar, aber ein paar Bilder sind was geworden, also sei es drum!
Nach etwa einer halben Stunde weiteren Anstieg erreicht man einen Kamm, der weiter zum Gatterl führt. Der kleine Zaun und das Gartentor am Gatterl nach Deutschland mitten im nirgendwo hat schon etwas Groteskes! Ich war wieder in D und man wandert nahezu eben weiter zur Knorrhütte. Ab hier wurde es wieder steiler, ein paar Schneereste tauchten hier und da auf. Auf dem Zugspitzblatt hält man sich dann rechts und steigt durch einen Schuttfächer, der verdammt anstrengend ist, da man bei jedem Schritt aufwärts auch unweigerlich mit dem Geröll wieder etwas rutscht. Man ist richtig froh, den festen Fels zu erreichen. Der Aufstieg zur Zugspitze geht nun recht flott. Zum Ende hin musste ich etwas öfters pausieren und pumpen, insbesondere die letzte Treppe zur Zugspitzplattform! Kurz nach halb acht war ich oben bei bestem Wetter. Da der Trubel erst mit dem Seilbahnbetrieb los geht und die Bauarbeiter auch noch nicht arbeiteten, konnte man den Ausblick richtig genießen. Ein Besuch am Gipfelkreuz war natürlich Pflicht. Mit der ersten Bahn fuhr ich dann als einziger Gast zur Sonnalpin. Eigentlich meide ich Seilbahnen, aber angesichts des heutigen Restprogramms gönnte ich mir die 350 Hm.
Der Abstieg Richtung Knorrhütte war herrlich, bestes Wetter und da es noch früh war, war ich fast alleine! Beim Abstieg von der Knorrhütte gen Reintal wurde es allerdings immer voller, ganze Perlenketten an Menschen wanderten nun gen Zugspitze – Wahnsinn! Nach kurzer Rast an der Reintalangerhütte ging es weiter durchs Tal. Länge und Zeitaufwand hatte ich ganz anderes in Erinnerung – 2015 stieg ich schon einmal durchs Tal, allerdings in aller Früh und entgegengesetzter Richtung. Die aufkommende Hitze tat ihr übriges, mehrmals füllte ich meine Flaschen in der Partnach auf. 
An der Bockhütte überquert man eine Brücke (Wegweiser habe ich nicht gefunden!) und weiter geht’s Richtung Schachenhaus und Meilerhütte (im Wald dann wieder ausgeschildert). Die reingestürzte Schorle im Bockhaus hat mir wieder Auftrieb gegeben, der Zucker hat wohl gepusht und neu motiviert und zügig ging es in den Anstieg, der verdammt steil und stufig war. Nach einem fast ebenen Stück durch den Wald geht es dann wieder steil am Berghang weiter aufwärts. Die Serpentinen scheinen nicht enden zu wollen und die Höhemeter am GPS nehmen auch nur langsam zu. Kurz nach 15 Uhr war ich am Schachenhaus und machte eine Pause. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit und des Restweges fiel diese nur kurz aus.
Ab jetzt wurde es richtig hart, die Beine wollten nicht mehr so recht, in immer kürzeren Abständen hing ich in meinen Stöckern und verschnaufte. Der Anstieg zum Teil über Stufen war nach wie vor sehr steil. Ich motivierte mich damit, dass ich jeden Moment die Meilerhütte sehen musste. Als ich sie dann sah, war es eher kontraproduktiv. Sie war noch verdammt weit weg und 200 HM waren es auch noch. Die letzte halbe Stunde bis zur Meiler Hütte waren eine echte Qual und ich fing an, meinen Plan zu bereuen. Direkt an der Hütte verläuft die Grenze zu Österreich. In der Meiler Hütte gönnte ich mir eine weitere Schorle und hoffte sie pusht mich wie an der Bockhütte. Mittlerweile war es 17 Uhr, es war Zeit aufzubrechen. Die Wirtin war ganz erstaunt und fest davon ausgegangen, dass ich dort übernachte. Ich murmelte etwas davon, dass ich nur ein Tagesticket für mein Auto am Parkplatz hatte und weiter musste. Klang nicht überzeugend und alle Vernunft sprach auch dagegen, aber wer ist schon immer vernünftig!
Frohen Mutes, dass es ja nur noch bergab geht, ging ich den letzten Teil der Tour an. Der Abstieg von der Meilerhütte gen Söllerpass ist recht steil. Bei durchschreiten des Leutascher Platts geht es zum Söllerpass dann allerdings doch wieder etliche Höhenmeter  bergauf. Ich brauchte etliche Pausen, bis ich endlich am Söllerpass war. Der Einstieg am Söllerpass ist verdammt ausgesetzt. Da ich ihn nicht kannte und keine Ahnung hatte, was mich hier erwartet, zögerte ich. Aber was wäre die Alternative? Durchs Bergleintal und dann durch das ganze Leutaschtal zum Parkplatz – zu weit. Ich verpackte meine Stöcker gut und los ging es. Ein Vorteil hatte die Ausgesetztheit und der schmale Weg am Abhang, ich war wieder hellwach – die Müdigkeit war komplett weg und ich konzentrierte mich auf jeden Schritt! Nach den ersten Minuten am Abhang entlang sah ich dann den steilen Pfad ins Puittal und wurde entspannter. Der Pfad ist insgesamt sehr steil, aber nicht mehr so ausgesetzt wir der Beginn des Passes. Man muss schon mit Anlauf ausrutschen, um hier gefährlich abzustürzen (rein subjektive Einschätzung!). Am Ende des Passes an einer Felswand wurde es nochmal steiler, der unangenehmere Teil wartete aber unten beim Durchqueren eines Geröllfeldes und der Latschen bis zum Pfad des Puittales. Man musste genau aufpassen, wo man im losen Geröll hintritt. Im Puittal angekommen stehen kurz vor dem Abstieg in den Wald mehrere Bänke. Ich pausierte hier und schmiss meine Schuhe von mir. Nach dem Söllerpass hatte ich nun meinen toten Punkt erreicht!
Das Wasser war aufgebraucht, Hunger hatte ich schon lange nicht mehr. Also erstmal Pause, ich wusste, dass am Ende des Waldes ein Bach ist. Mittlerweile war es 20 Uhr und es wurde dunkel. Was ich als aufkommende Dämmerung interpretierte, entpuppte sich als aufkommendes Gewitter. Schon fing das Grollen an – war ja klar!
Also weiter – im Wald fing es leicht an zu regnen immer in Begleitung von kräftigem Grollen. Der Regen brachte Abkühlung, ich fühlte mich wieder frischer! Im Tal angekommen  trank ich erstmal ausgiebig am Bach und füllte meine Flaschen auf. Höhenmeter waren jetzt nicht mehr zu machen, aber noch 6 km bis zum Parkplatz. Der Regen wurde stärker und das Grollen „motivierte“  mich, das Stück zügig zu Ende zu bringen! Um 22 Uhr war ich wieder am Auto. 
Ich war komplett K.o., aber zufrieden, es durchgezogen zu haben! Erstaunlicherweise hatte ich nicht eine Blase am Fuß! Aber so eine lange Tour im Gebirge werde ich erstmal nicht mehr planen!

Tourengänger: Joesti

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Kommentare (2)


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alpensucht Pro hat gesagt: Nachvollziehbare
Gesendet am 1. Dezember 2017 um 20:07
Beschreibung, wie es dir geht bei den letzten Höhenmetern. Es gibt hier eine schöne Kategorie, in die diese monströse Tour super passt:

http://www.hikr.org/comm/monster/

Riesenrespekt und Glückwunsch zum überstandenen Abstieg. Gruß

Joesti hat gesagt: RE:Nachvollziehbare
Gesendet am 4. Dezember 2017 um 06:58
Vielen Dank! Die Tour würde tatsächlich gut in die Gruppe passen.

Beste Grüße....Jörg


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