Piz Tiarms (2918m)


Publiziert von Chrichen Pro , 15. Dezember 2017 um 07:48.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:22 November 2017
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT3 - Anspruchsvolle Schneeschuhwanderung
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-UR 
Zeitbedarf: 6:45
Aufstieg: 870 m
Abstieg: 870 m
Strecke:ca. 7.5 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem ÖV: Zug via Göschenen und Andermatt zum Oberalppass. Mehrmaliges Umsteigen sorgt für Abwechslung.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:(Gleicher Weg umgekehrt)

Der Piz Tiarms befindet sich auf der nördlichen Seite vom Oberalppass und ist von diesem aus recht gut zu erreichen. Der Zustieg bis zur Wyssenlücke führt meist durch wenig steiles Gelände mit einigen kurzen Steilstücken und ist nicht sonderlich weit. Ideale Bedingungen auch für Schneeschuhe also. Bis zum Gipfel wartet ein kleiner Grat, der am Schluss mit einigen Kraxeleien zum höchsten Punkt führt. Man bewegt sich dabei vorwiegend in der Westflanke. So bietet der Piz Tiarms nicht nur ein grandioses Panorama sondern auch einen spannenden Aufstieg. Ausserdem ist er recht gut per ÖV erreichbar.

Schon im letzten Jahr sind mir Berichte zum Piz Tiarms aufgefallen. Deshalb stand er recht hoch auf der persönlichen Wunschliste. Dank dem neuesten *Bericht von Bombo und der passenden Lawinensituation hat er es Ende November nun endlich auf Platz 1 geschafft für diese gemeinsame Tour mit Stevo47.


Oberalppass - Fellilücke (WT2)
Für einmal soll es eine gemeinsame ÖV-Tour sein. Mit der ersten Verbindung ab Zürich reisen wir zum Oberalppass, wo wir kurz vor 9 Uhr eintreffen. Nachdem wir uns im gemütlichen Bahnhofshäuschen vorbereitet haben, laufen wir über das teils gepistete Strässchen in Richtung Norden und ziehe die Schneeschuhe an. Noch liegt nicht viel Schnee im Gebiet. Der Piz Tiarms lässt sich gleich vom Startpunkt aus und später auch über weite Strecken der Route einsehen.

Eine Skispur und eine Schneeschuhspur führen gut sichtbar die erste Steilstufe hoch. Diese wird ab besten anhand des noch deutlich erkennbaren Natursträsschens überwunden. Später im Winter verschwindet das Strässchen vermutlich und es bleibt ein recht steiler Hang. Bald schon endet die Schneeschuhspur, und in freier Wegwahl erreichen wir wieder flacheres Gelände. Auch die Skispur verschwindet immer wieder, denn in den letzten Tagen hat der Wind ziemlich stark gewütet. Zu Beginn der Tour tummeln sich noch hohe Wolkenfelder am Himmel. Bis gegen den Nachmittag hin wird das Wetter aber immer schöner.

Die nächste Steilstufe beim P.2263 überwinden wir eher links haltend selber spurend. Uns scheint diese Routenwahl aufgrund des Geländes offensichtlich. Die Skispur hingegen führt auf der rechten Seite in einem sehr steilen Hang hoch. Nach dem kurzen Steilstück geht es nun recht gemütlich ins Tal hinein der Fellilücke entgegen. Die Skispur ist oft komplett verschwunden oder nur andeutungsweise sichtbar. Wir bewegen uns ca. in der Talmitte. Das Spuren ist an Stellen mit weichem Triebschnee zum Teil recht anstrengend. Dazwischen gibt es aber auch längere Abschnitte mit einer tragenden Schneedecke. Während ich noch an einer verschleppten Erkältung zehre, ist Stevo47 heute eine wahre Spurmaschine und ebnet grosse Teile des Weges vorangehend. Immer schöner wird der Rückblick hinüber zum Maighelsgebiet, wo ich schon mehrmals war und bereits einige Gipfel besuchen konnte.

Bei der windigen Fellilücke eröffnet sich ein schöner Ausblick ins Fellital und zum Bächenstock und Rienzenstock. Der Schneehüenderstock mit seiner unverkennbaren Antenne ist schon vor der Fellilücke sichtbar. Trotz des Windes machen wir eine kurze Trink- und Esspause.

Fellilücke - Wyssenlücke (WT3)
Von der Fellilücke aus sieht man schon den ersten steinigen Teil des weiteren Aufstiegs zur Wyssenlücke. Der Charakter der Landschaft wird nun zunehmend alpin. Ohne Höhenverlust geht es rechts einem Rücken folgend in die Höhe. Der Geländeabbruch nach Norden und Westen gibt die Route vor. Bald schon kann man sich in einem kleinen Tälchen bewegen, und der Aufstieg geht trotz einigen kurzen sehr steilen Stellen angenehm vonstatten. Teilweise liegen viele grosse Felsbrocken herum, so dass man aufgrund der eher dünnen Schneedecke den Weg im kleinen hie und da etwas suchen muss. Eine alte Skispur, die vielleicht noch von Bombo's Gruppe stammen könnte, hilft uns dabei. Die Schneedecke ist mittlerweile meist tragend, so dass wir energieschonend vorankommen.

Bald zeigt sich auch die steile Westflanke vom Piz Tiarms in ihrer ganzen Schönheit. Über diese könnte man etwas direkter aufsteigen und so den Grat in unmittelbarer Nähe vom Gipfel erreichen. Entgegen der Aussagen in einigen Hikr-Berichten wäre dies laut Landkarte eine offizielle Route im Wildschutzgebiet und somit eine Begehung erlaubt. Uns scheint aber der Weg via Wyssenlücke reizvoller und geeigneter für Schneeschuhe. Am heutigen Tag sind diese Gedanken sowieso nur graue Theorie, denn die Westflanken-Variante ist aufgrund des wenigen Schnees noch furchtbar steinig und nicht einmal für Schneeschuhe attraktiv.

Die letzten Meter zur Wyssenlücke sind wieder recht steil, dann aber eröffnet sich ein tolles Panorama zum Crispalt und zu den fernen Gipfeln jenseits von Tschamut. Vor uns liegt nun der grobblockige Nordgrat zum Piz Tiarms.

Wyssenlücke - Piz Tiarms (WS, II)
In der Wyssenlücke deponieren wir die Schneeschuhe und Stöcke, und nehmen stattdessen Pickel und Steigeisen hervor. Vielleicht zuviel des Guten, hinderlich waren die Gerätschaften aber auch nicht. Stevo47 ist schon ein gutes Stück vorangegangen, während ich noch am Tee trinken bin. Über grobe Blöcke und recht wenig Schnee geht es zuerst dem Grat entlang hoch. Sobald grosse Blöcke einen weiteren Aufstieg über die Gratschneide schwierig erscheinen lassen, weichen wir in die Westflanke aus. Dabei laufen wir stets so hoch wie möglich ohne grössere Kraxeleien einlegen zu müssen. Die Flanke ist weniger steil als erwartet, und es kommt kaum ein Gefühl von Ausgesetztheit auf. An einigen Stellen sinken wir in kleinräumig eingeblasenem Triebschnee tief ein. Oft können wir z.T. kaum mehr sichtbare Spuren ausmachen, die wir unweigerlich Bombo und seiner Gruppe zuordnen. Sie sind eine zusätzliche Orientierungshilfe.

Die Stelle, an der man den Grat wieder gewinnt, ist mehr oder weniger offensichtlich. Das Schneefeld der Westflanke reicht hier in zunehmender Steilheit fast bis zur Gratschneide, und die fehlenden Meter machen einen gut kraxelbaren Eindruck (II). Danach geht es an einer imposanten Rinne in der Ostflanke vorbei und noch einmal wieder kurz in die Westflanke hinein. Hier sind die wenigen vorhandenen Spuren hilfreich für die Routenfindung, wobei es vermutlich mehrere Möglichkeiten gibt. Eine kurze Kraxeleinlage (II) und nochmals wenige Meter über den Grat bringen uns schliesslich an den Gipfelkopf. Dieser muss im Angesicht der exponierten Ostflanke ein wenig trickreich erklommen werden (II-III). Es handelt sich nur um 1-2 Züge und gut zwei Höhenmeter, die sind aber nicht ganz ohne.

Auf dem Gipfel machen wir eine ausgedehnte Pause und bestaunen das herrliche Panorama. Es ist fast komplett windstill und die Sonne wärmt. Die Platzverhältnisse sind eher eng, für 2-3 Personen mit Rucksack passt es aber recht gut.

Piz Tiarms - Wyssenlücke (WS, II)
Die Frage, ob und wie wir wieder vom Gipfel herunterkommen, können wir schliesslich positiv beantworten. Mit etwas chnorzen und nach dem relevanten Tritt fischen geht es. Danach folgen wir unseren Spuren zurück bis zur Wyssenlücke. Alle Kraxelstellen sind auch im Abstieg gut machbar. Ca. beim Skidepot der Westflanken-Route begegnen wir einem Solisten, der vom Val Val her aufgestiegen ist. Eine Option, die wir uns bei der Planung für den Abstieg offen gehalten haben, schlussendlich aber verwerfen, da die Hänge z.T. doch sehr steil sind und ein kleiner Umweg in Kauf genommen werden muss. Ausserdem verspricht der Abstieg via Aufstiegsweg mehr Sonne. Die letzten Meter zur Wyssenlücke sind einfach und schnell gemacht.

Wyssenlücke - Fellilücke - Oberalppass
Bei der Wyssenlücke ziehen wir wieder die Schneeschuhe an und marschieren also auf bekanntem Weg zur Fellilücke hinab. Der Schnee ist mittlerweile stellenweise leicht feucht und rutschig. Bis auf 1-2 sehr steile Stellen wo man ein wenig aufpassen muss, geht es jedoch problemlos und zügig voran. Das Nachmittagslicht modelliert die Bergkette vom Titlis zum Krönten, und auch die Reihe vom Piz Fuorcla zum Piz Blas entzückt unentwegt. Bald schon erreichen wir die Fellilücke. Von dort aus geht es einfach und unspektakulär das Tal hinab dem Oberalppass entgegen. Die Schatten sind schon lang geworden, und am Schluss verabschiedet sich die Sonne ganz. Im warmen Warteraum warten wir noch gut 30 Minuten auf unseren Zug, während wir unsere Sachen richten.


Ein wunderbarer Tag im Oberalpgebiet. Der Zustieg zur Wyssenlücke lässt sich mit Schneeschuhen gut bewerkstelligen. Der Schlussaufstieg zum Gipfel hat ein bisschen Hochtourenfeeling und bietet viel Abwechslung. Bei unserer Begehung hatte es wenig Schnee, so dass noch viele Steine und einige Granitplatten das Vorankommen ein wenig erschwerten. Landschaftlich hat uns die steile Blocksteinflanke sehr gut gefallen. Seilsicherung sollte unter normalen Umständen nicht nötig sein.

Tourengänger: Chrichen, Stevo47


Galerie


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Kommentare (2)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 15. Dezember 2017 um 09:15
Gratuliere Euch zum Tiarms - wirklich eine schöne, abgelegene und in seinem Ursprung wilde Tour. Wenn mehr Schnee in der Westflanke liegt, dürfte sich auch der Aufstieg deutlich vereinfachen - aber mit dem Labyrinth, welches Ihr und auch wir angetroffen habt, braucht es seine Zeit, bis der Gipfelgruss gemacht werden kann.

Weiter so!

Gruess
Bombo

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 16. Dezember 2017 um 07:27
bravo - super schön!


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