Die beiden Salzachgeier (2469m) auf dem Heimweg


Publiziert von alpensucht , 26. November 2017 um 12:45.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Kitzbüheler Alpen
Tour Datum: 4 Oktober 2017
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:Bamberger - Salzachgeier - Salzachtal Parkplatz

Am letzten unserer Tage in den Kitzbühelern wollen wir auf dem Weg ins Tal noch den häufig begangenen Östlichen Salzachgeier mitnehmen. Der Vorabend hinterließ eine dünne Schicht Neuschnee ab 2000m. Das Wetter zeigt sich heute windig aber stabil.


Östlicher Salzachgeier Normalweg   T2, 2h

Nach knappem Frühstück und Packen der Rucksäcke verlassen wir kurz nach 7 Uhr die schöne Bamberger Hütte. In gemütlichem Aufstiegstempo geraten wir in allerlei angeregte Gespräche. Aufarbeitung privater Angelegenheiten und interessierter Meinungsaustausch bilden nicht selten deren Inhalt bei gemütlichen Abschnitten auf Wanderungen.

 

Gegen 8 Uhr erreichen wir das Salzachjoch. Dahinter geht’s nochmal kurz hinab, um an die Flanken des Aasfressers aus Fels zu gelangen. Gefrorenen Boden finden wir ab 1900m vor, darüber das erwähnte bisschen Neuschnee. Der Steig steilt langsam auf, die Sonne kommt hervor. Warten auf den Tourenpartner. Bei der Aussicht und Stille keine Zumutung! Gämsen bekommen wir wieder nur von weitem zu Gesicht.

 

Als ich gegen 9 Uhr am windigen Gipfel ankomme, kann ich Ironman Frank (nicht mein Tourenpartner), den wir am letzten Hüttenabend getroffen haben, am Gipfel der Aleitenspitze erkennen. Er nimmt danach unsere Route von vor zwei Tagen und besucht auch noch unseren heutigen Gipfel. Doch zunächst kommt der andere Frank am Gipfel an, während ich schon den ausgesetzten Beginn der Überschreitung zum Westlichen Salzachgeier erkunde.


Direkte Überschreitung zum Westlichen Salzachgeier und zurück 
(T6, II eine Stelle III, 50min)

Es hat da Schnee und Eis und diesen unangenehm luftigen Absatz. Nach wenigen Schritten im schneebedeckten Steilgras kehre ich zum Gipfel zurück. Steigeisen, Pickel, Reepschnur nehme ich besser mit! Wir vereinbaren noch, dass Frank gemütlich den Abstieg erst dann angeht, wenn ich drüben am letzten Aufschwung zum Gipfel ankomme.

 

Mit Steigeisen und Pickel fühle ich mich gleich deutlich sicherer beim Absteigen bis zum Absatz. Dort lege ich die Reepschnur um einen stabilen Felskopf um mich dran festhalten zu können, falls ich beim Abklettern mit den Frontzacken am Fels abrutschen sollte. Den Pickel werfe ich unten in den Schnee und klettere vorsichtig die wenigen anstrengenden Züge hinab (III). Die Reepschnur halte ich dabei mit einer Hand umschlungen, um das Körpergewicht vorsichtiger auf die winzigen Tritte zu übertragen. Danach gibt’s kombiniertes Gelände im Fels (teils plattig, mit Steilgras oder Gehgelände) mit labyrinthartiger Kraxelei zwischen riesigen Felsblöcken.

 

Ohne Rucksack lässt sich der Pickel bei der Kraxelei nicht verstauen. An einem schmalen Durchschlupf gleitet er mir aus der Hand und rutscht in ein 3m tiefes Loch. Zum Glück passe ich da hinein und kann das mir ans Herz gewachsene Gerät ohne weitere Schlinge hinaus holen. Kurz danach kommt nochmal ein sehr steiler Absatz (II) abwärts.

 

Die restlichen Meter zum Westgipfel sind genussreich aber mit Vorsicht zu begehen. Frank ist längst im Abstieg. Nach einigen Fotos versuche ich etwa die gleiche Route anhand meiner Steigeisenspuren im Schnee und Eis zurück zu gehen. Am Absatz klettere ich mit Hilfe des Pickels hinauf und kehre kurz danach wegen der steilen und vereisten Platten um. Die Stelle umgehe ich etwas heikel im tieferen Schnee und um einige Felspassagen nördlich (links) unterhalb (Felsstellen I-II und Gehgelände). Später finde ich meine Spuren wieder. Mit großer Freude gelingt mir der Absatz auch ohne technische Hilfsmittel hinauf zurück zum Gipfel. 11 Uhr

Abstieg ins Salzachtal   T2, 3h

Noch einige Zeit versuche ich eine andere Umgehung des obersten Absatzes zu finden. Eventuell kann man zunächst östlich, dann nördlich auf einem abschüssigen Band etwa 20-30m unter dem Gipfel queren. Mein Handy lege ich kurz am Boden ab, während es viele Grußnachrichten verschickt.
Der Ironman-Frank läuft mir gerade entgegen, als ich den Abstieg begonnen habe. Ich laufe sehr zügig hinab bis mir auffällt, dass mein Handy noch oben liegt. Rucksack ab, zurück laufen, keuchen.
Frank ruft vom Gipfel aus, er habe mein Handy gefunden. Nach wenigen Minuten und vielleicht 100 Extrahöhenmetern nehme ich das unverzichtbare Ding dankend entgegen. Zwei Wanderer bitten um ein Gipfelbild. Dann geht’s unter fröhlichem Abschied wieder rasant hinab. Der Boden ist nun aufgeweicht. Frank geht in meinem Tempo mit. Wir geraten in einen guten Austausch über unsere Herangehensweise beim Bergsteigen.

 

Kurze Zeit später treffen wir auf den anderen Frank, der schon an der Weggabelung sitzt, die zum Salzachjoch hinauf leitet. Wir jedoch steigen nach rechts in Richtung Tal ab.

Diesen Abstieg genießen wir nun besonders. Der blaue Herbsthimmel kontrastiert die golden-bunte Laubfärbung noch besser.

 

An der Salzachalm (?) lassen wir unsere gelungene Tour bei Radler und Kuchen ausklingen und nehmen danach die restlichen Meter unter die Hufen. Gegen 15:30 Uhr erreichen wir entspannt und vergnügt das Auto, essen ausgiebig und fahren in die Hauptstadt der Ostalpen.

 

In diesen wenigen Tagen haben wir das Gebiet bereits in unser Herz geschlossen. Ich bin ziemlich sicher in nicht so ferner Zeit mit Schneeschuhe und Snowboard zurück zu kehren zu den weiten seichten Hängen im Herzen der Kitzbüheler Alpen.


Tourengänger: alpensucht

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Kommentare (5)


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sven86 hat gesagt:
Gesendet am 26. November 2017 um 13:23
Schöne Eindrücke von diesem doch relativ wilden Übergang hast Du da mitgebracht! Du hattest ja schwierige Verhältnisse - aber selbst bei guten Verhältnissen scheinen mir zumindest Zweier-Stellen hier doch zwingend, und Umgehungen, sofern überhaupt sinnig, gingen dann auch eher ins T5er-Gelände?
VG Sven

alpensucht hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. November 2017 um 14:03
Durch den Frost haben wenigstens die Steine gut zusammen gehalten. Durch das Eis wird es irgendwie noch schöner - hochtourenähnlich. Ja IIer sind obligatorisch und zur Umgehung habe ich meine Einschätzung ja beschrieben: visuelle Einschätzung T5.

83_Stefan hat gesagt:
Gesendet am 26. November 2017 um 13:28
Hallo! Deine Geschichte ist nett zu lesen. Vor vielen Jahren habe ich den Übergang auch mal gemacht - bei noch vorhandenen Altschneefeldern, im Gewitter, mit vollem 60-Liter-Rucksack und Turnschuhen an den Füßen. Dabei habe ich die Schwierigkeit allerdings völlig anders empfunden als du. Bei T6, III denke ich eher an andere Touren als an die beiden Salzachgeier. Aber es empfindet halt nicht jeder gleich. Ich erinnere mich jedenfalls noch, dass ich mich am Rückweg dann in einer Felsnische verkriechen musste, weil ringsherum die Blitze eingeschlagen haben. Und an die rutschigen Flechten. Viele Grüße!

alpensucht hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. November 2017 um 13:58
Ja musste auch schon an andere Touren denken, die im Vergleich deutlich schwieriger sind (Ostwand oder Teufelsgrat). So viel T6 habe ich ja auch noch nicht gemacht. Sicher würden manche hier auch ein T5+ oder auch T6- vergeben. Angesichts der Verhältnisse bleibe ich bei der Bewertung. Jeder kann ja in den Abschnitten lesen, dass es insgesamt nur kurze Passagen sind. Klingt so, als seist du damals noch wilder drauf als heute gewesen :D

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. November 2017 um 14:09
>Klingt so, als seist du damals noch wilder drauf als heute gewesen :D

Naja, zur Zeit publiziere ich ja hauptsächlich T2-Wanderungen auf HIKR und komme selbst damit kaum hinterher ;-) . Ich muss auch sagen, dass mir die Tendenz mancher HIKR nach "immer mehr und immer wilder" Sorgen bereitet. Insofern halte ich mich hier auch bewusst zurück. An diesem Trend habe ich bestimmt meinen Anteil. Ich war aber schon immer der Ansicht, dass der Spaß an einer Tour nicht in Relation zu deren Schwierigkeit steht und erfreue mich derzeit bewusst an eher einfachen Touren. Die kann ich dann auch ohne ungutes Gefühl hier publizieren (wenn ich mal wieder dazu komme). Winterliche Grüße!


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