Von Neukirchen am Großvenediger über den Freimöserkopf ins Windautal


Publiziert von Bergrebell Pro , 7. November 2017 um 09:07.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Kitzbüheler Alpen
Tour Datum: 5 November 2017
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:45
Aufstieg: 1150 m
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Per Anhalter vom Windautal nach Westendorf, Zug nach Kitzbühel, Zug nach Innsbruck, Zug nach Garmisch

Nachdem ich am Vortag unerwarteterweise mit Zügen nicht mehr von Zell am See nach Garmisch gelangen hatte können, hatte ich in Niedernsill in einer Pension übernachten müssen. Nach mehr als 2400hm im Anstieg am Vortag war ich am folgenden Sonntagmorgen schon etwas kaputt! Daher entschloss ich mich relativ spät, noch nach Neukirchen am Großvendiger zu fahren, um dort auf Kitzbüheler Zweitausender zu steigen, die ich erst vor kurzem auf der Karte entdeckt hatte. Ich hatte mir vorher vorgenommen, alle Kitzbüheler Zweitausender zu besteigen u. daher noch nach von mir unbestiegenen Gipfeln dieser Höhe auf den Karten geschaut.
Am günstigsten wäre eine Übernachtung in Neukirchen gewesen, ich hatte aber Angst, im Zustand meiner Erschöpfung bei Dunkelheit dort nach einer günstigen Unterkunft mit ungewissem Ausgang suchen zu müssen!

Am 05.11.17 fuhr ich dann um 09.28 Uhr mit dem Zug in Niedernsill in westliche Richtung los.
Ca. um 10.10 Uhr begann ich in Neukirchen meine Wanderung. Es war ein zeitraubender Marsch ins u. dann auf einem flachen Fahrweg durch das Trattenbachtal. Er teilt sich dann. Ich bog links ab Richtung Trattenbachalm. Der Fahrweg macht dann einen großen Bogen hinter einem Bach. Ich dachte mir, vielleicht kann ich am Bach entlanggehen, um abzukürzen. Zu meiner Freude sah ich dann, dass ein Steig an ihm entlang zur Alm hinauf führt!  Auf meiner Wanderkarte ist dieser nicht eingezeichnet.

Die Alm war um diese Zeit natürlich geschlossen. Während auf meiner Karte schwarze Punkte über den Bergkamm Richtung tiroler Windautal eingezeichnet sind, fand ich an der Alm einen Wegweiser u. einen markierten Steig dahin vor. Da kam ein kleiner Geländewagen von oben heruntergefahren. Sein Fahrer riet mir vom Begehen dieser Route mit der Begründung ab, auf der Nordseite würde man die Markierungen nicht mehr sehen können. Ich ließ mich nicht in eine Diskussion darüber ein, weil viele Einheimsche anscheinend sich nicht vorstellen können, dass Menschen ohne einen bayuwarischen Dialekt auch erfahrene Bergsteiger sein können! Ich wartete, bis das Auto talwärts verschwunden war u. bog dann auf diesen Weg ab. Sicherlich wäre es auf Skitour im Winter dort schöner, aber vom Talgrund des Oberpinzgaus aus ist es hierher (ohne Auto) sehr weit!  Ein mit Geländewagen befahrbarer breiter Almweg führte mich ein Stück hinauf. Dann wurde daraus ein schmaler Steig, dessen Markierungen im Schnee verschwanden. Also ging ich eben etwas abseits des Weges weiter. Weiter oben stieß ich wieder auf Markierungen. Ich veließ bald den Steig nach links, um über den Kamm auf den Freimöserkopf zu wandern. Wegen der Latschen musste ich mir eine geeignete Route suchen. Ich ließ den Rucksack an für den Beginn des späteren Abstiegs geeigneter Stelle liegen. Zum felsigen höchsten Punkt muss man zuletzt wenige Meter klettern (I+)
Erst kurz nach 14.30 Uhr erreichte ich den Gipfel des Freimöserkopfs. Ich war morgens davon ausgegangen, nach 3,5 h dort anzukommen.

Vom Gipfel aus sah ich den Nachbarberg bzw. den Kamm, der zum Mitterkopf führt, von dem hier noch kein Wegpunkt existiert. Wegen des beginnenen Schlechtwetters u. der Uhrzeit war eine Besteigung desselben nicht mehr möglich. Für einen Auf- u. Abstieg kalkulierte ich 1,5 h. Selbst wenn ich eine Stunde früher den Zug genommen hätte, wäre das Risiko, in Schwierigkeiten zu kommen (Regen, Dunkelheit, Zeitdruck), zu groß gewesen! An einem warmen Maitag wäre eine Tour dahin sicherlich angenehmer. Allerdings muss ich mit dem Radl anreisen, um von Westendorf die geschätzten 15km auf der Straße u. auf dem folgenden nicht asphaltierten Fahrweg durchs Windautal zum obersten Parkplatz zurückzulegen.

Ich stieg zu meinem Rucksack ab u. dann weiter den teilweise schneebedeckten Grashang hinunter zum markierten Steig, der teilweise schneebedeckt war. Ich kam auf dem Weg in den Talgrund an zwei Almen vorbei.

Schließlich fing es zu regnen an. An der Gamskogelhütte sah ich dann einige geparkte Autos. Ich trat in die Hütte ein u. fragte dort, ob jemand ins Tal fährt. Niemand wollte jedoch in nächster Zeit ins Tal fahren. Ich fragte zwei Wanderer vor der Hütte, ob sie mich mitnehmen könnten. Sie stimmten zu, wiesen mich aber darauf hin, dass sie zu ihrem Auto etwa eine Stunde gehen müssten. Ich ging dann viel schneller talwärts, sodass der Abstand zu ihnen sehr groß wurde. Einige Autofahrer fuhren an mir vorbei, obwohl ich meinen Daumen rausstreckte. Ich war froh, dass irgendwann doch ein Autofahrer hielt, um mich nach Westendorf mitzunehmen. Dort musste ich noch ca. 15min. im Regen zum Bahnhof gehen. Diesen fand ich trotz fehlenden Hinweisschildern, da ich noch 3 Leute traf, die ich nach dem Weg fragen konnte. (Die meisten Menschen, die in vorbeifahrenden Blechkisten am Lenkrad sitzen, würden bei Regenwetter u. Dunkelheit sicherlich nicht anhalten, um eine evtl. erforderliche Hilfeleistung zu erbringen!)

Da ich in Westendorf am Bahnhof keinen Aufenthaltsraum mit Sitzmöglichkeit vorfand, fuhr ich nach Wechsel der nassen Kleidung mit der nächsten S-Bahn nach Kitzbühel, um dort auf den später abfahrenden IC nach Innsbruck zu warten.

Statistik:
Es gibt in den Kitzbüheler Alpen etwas mehr als 150 Gipfel, die 2000m Höhe überschreiten. Ganz genau kann ich das nicht sagen, da ich einige Erhebungen betreten habe, die trotz Namens nicht den Eindruck eines Gipfels machen. 5-6 Gipfel tragen keine Namen.
5 Touren werde ich in den Kitzbühelern noch auf Zweitausener machen, um alle Gipfel u. Pseudogipfel betreten zu haben.

Anzahl der Hochgebirgstouren 2017: 88
Bestiegene Gipfel mit über 2000m Höhe: 215, davon 154 zum ersten mal

Tourengänger: Bergrebell


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