Schlafsteine - Rässegg - Gitziturm - Schilt


Publiziert von Bergamotte Pro , 23. Oktober 2017 um 10:01.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:21 Oktober 2017
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Schilt-Mürtschengruppe 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Parkplatz Grossberg (P. 1201)
Kartennummer:1154 Spitzmeilen

Mit der Rässegg knacke ich heute ein weiteres Pièce de Résistance im Glarnerland, das ich jahrelang vor mir her geschoben habe. In der plattigen Schlüsselstelle erreicht man sehr kurz eine IV, was gerade im Abstieg über meinen Möglichkeiten liegt. Doch mit Seilhilfe kann ich das Hindernis sicher überwinden. Anschliessend setze ich die Tour fort mit dem eindrücklichen Aufstieg zum Schilt über die Gitziturm-Route. Für diese und weitere Varianten im Gebiet verweise ich gerne auf die Berichte von Lokalmatador justus.

Eher späte starte ich vom verwaisten Parkplatz Grossberg (P. 1201), damit sich die Wolken im Glarnerland noch etwas verziehen können. Bis zum oberen Heuboden folge ich der signalisierten Schilt-Route, quere dann über einen guten Alpweg (s. LK) auf etwa 1800m bis fast vor den "Kleinen Schlafstein" (P. 1810). Diese formidable Aussichtskanzel ob Glarus lässt sich mit zwei, drei kräftigen Zügen erkraxlen (T4).

Über den Gratrücken der Schlafegg steige ich weiter Richtung Schlafstein (2056m) (auch: Grosser Schlafstein), dessen Gipfelaufbau ich nordseitig umrunde bis zur Rinne mit dem markanten Klemmblock. Ich unterklettere den Felsblock (II+) und steige die steile, schlecht gestufte Grasrinne hoch (knapp T6-). Bald flacht das Gelände ab und Wegspuren führen in einem kleinen Bogen zum Gipfelkreuz. Gemäss Buch stand Clubkollege und Verfasser u.a. des Alpstein-Clubführers Manfred Hunziker erst gestern oben.

Das Felsriff der Rässegg liegt von hier bloss einen Steinwurf entfernt; die weglose Querung bietet keine Schwierigkeiten. Alternativ könnte vom Schlafstein über den harmlosen Westrücken direkt zum Schilt aufgestiegen werden. Über den Rücken der Rässegg steige ich auf Wegspuren zunehmend ausgesetzt - zuletzt kurz T6 bei der Umgehung einer Legföhre - bis zum Schlaghaken oberhalb der Scharte ab. Es sind nur wenige Meter, aber ungesichert für mich keine Option. Also montiere ich das Seil und kann so problemlos absteigen. Ohne Unterstützung erreicht man im untersten Bereich, einer Platte, kurz die IV. Von der Scharte verbleiben wenige Meter über den luftigen, aber gutgriffigen Grat (T6-) bis zum kleinen Kreuz der Rässegg (ohne Kote, ca. 1984m). Und selbstredend gibt's auch hier den obligaten Tiefblick. Der Wiederaufstieg aus der Scharte geht ganz passabel. Zwingend bräuchte ich das Halteseil nur für die ersten zwei, drei Züge.

Nach diesem Höhepunkt folgt bald schon ein weiterer Leckerbissen. Hierfür gilt es zunächst, bis an den südlichen Eckpfeiler des Schilt-Massivs zu queren, an den Fuss des Gitziturms. Das Fels-Gras-Gelände dorthin ist recht gut begehbar, man findet teilweise gar Wegspuren. Die T5 wird nicht überschritten bzw. nur dann, wenn man jeglichen Verlust an Höhenmetern vermeiden will... Ich steige in die zunächst breite Rinne unterhalb des Turms ein, welche sich gegen oben zunehmend verengt und in anregenden Kletterfels übergeht (II, nur wenig ausgesetzt). An der Schlüsselstelle im Felsspalt hängt mittlerweile ein Seil, ohne ist das ganz kurz ein IIIer. Anschliessend öffnet sich das Gelände und ich steige weiter über Schrofen oder Fels (T5), bis ich rechterhand in wenigen Schritten zum "Gitziturm" (P. 2082) queren kann.

Wieder zurück ist der Weiterweg mehr oder weniger offensichtlich: Er erfolgt über die immer breiter werdende Rampe aus Gras und Schutt halblinks. In Nähe der Felswand finden sich Trittspuren, aber diese Linie ist nicht zwingend. Oben läuft man an ein Felsband, welches durch den linken Kamin in schöner IIer Kletterei überwunden wird. Dann steht man bereits auf dem Gipfelplateau und Schilt (2299m) sowie Tristli (2286m) lassen sich in wenigen Minuten erreichen. Für einmal wird meine Mittagsrast nicht ganz so gemütlich und ausgiebig wie sonst, dafür bläst der SW-Wind zu kalt. Bei meinen bisherigen Besuchen war das jeweils nicht anders.

Für die Rückkehr nach Grossberg könnte man dem offiziellen Wanderweg entlang der Siwellen folgen. Deutlich schneller ist der Abstieg über den Westrücken in den Sattel zwischen Schlafstein und Tristli. Von dort durch eine schmale Rinne in die Risenen runter. Das ist übrigens die Normalroute auf den Schlafstein und dank Drahtseil sowie Wegspur nur knapp T4. Unten treffe ich wieder auf den Alpweg zum Heuboden und damit meine Aufstiegsroute. Somit verbleibt mir nach dem heutigen Tag ein allerletzter Gipfel in der Schilt-Mürtschen-Gruppe pendent, der Stock (Mürtschen)...


Zeiten
1:00  Kleiner Schlafstein
0:50  Rässegg
1:10  Schilt
1:00  PP Grossberg

Tourengänger: Bergamotte

Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (2)


Kommentar hinzufügen

Alpin_Rise hat gesagt: Tolle Routenkombination
Gesendet am 23. Oktober 2017 um 12:11
mit vielen interessanten Durchschlüpfen. Mal durch die Riseten Risen wärs schon ;-)

Muss jetzt wohl bis nächstes Jahr warten, bis hier in Wanderschuhen wieder was geht, mit Ski kenn ich das Gebiet bereits...

G, Rise

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:Tolle Routenkombination
Gesendet am 23. Oktober 2017 um 14:05
Besten Dank für die Blumen. Dir würde ich für den (ÖV-tauglichen) Zustieg zum Kleinen Schlafstein aber den Leist empfehlen, das gibt dann wirklich ein Best-of Schilt.

Mal schauen, wie es mit dem Herbst so weitergeht. Wenn ich da an 2015 und 2016 zurückdenke... Und die wilde Seite vom Schilt-Massiv ist ja südexponiert.


Kommentar hinzufügen»