Rheinwaldhorn via Zapporthütte


Publiziert von N_Altitude , 16. Oktober 2017 um 22:58.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:15 Oktober 2017
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-TI   Gruppo Rheinwaldhorn   Gruppo Zapporthorn   Gruppo Cima Rossa 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Hinterrhein - Zapporthütte SAC - Ursprung - NO-Grat - Läntagletscher - Rheinwaldhorn
Zufahrt zum Ausgangspunkt:SBB bis Thusis, Bus bis Hinterrhein, Tunnel Nordportal oder mit Auto bis Parkplatz beim Tunnel Nordportal
Zufahrt zum Ankunftspunkt:SBB bis Thusis, Bus bis Hinterrhein, Tunnel Nordportal oder mit Auto bis Parkplatz beim Tunnel Nordportal
Unterkunftmöglichkeiten:Zapporthütte SAC

Nun war es endlich soweit - der Altweibersommer ist da und gibt Vollgas! Mit der Region um die Läntahütte liebäugle ich schon eine Weile. Unbedingt möchte ich einmal dem Plattenberg (3041m) einen Besuch abstatten. Bei dem super Wetterbericht für die ganze Woche war ich natürlich Feuer und Flamme für eine Wochenend-Tour, bei den super Tourenverhältnissen jedoch dachte ich mir: jetzt oder nie! Rheinwaldhorn, ahoi :) Also schnell Tourengspähndli suchen und siehe da, es haben sich 2 gefunden in meinem Freundeskreis.

So planten wir, in der Läntahütte zu übernachten und über den Gletscher von Norden her aufzusteigen. Aber halt! Der Hüttenwart sagte mir, er habe zwar schon noch 3 Plätze, aber da in der Läntahütte am 15.10. Schluss ist, feiern sie noch am 14.10. und da gäbe es also um 22 Uhr ganz sicher noch keine Nachtruhe. Einerseits war ich erfreut über die Ehrlichkeit und Direktheit des Hüttenwarts aber auch etwas traurig. Da sagte er, ich solle mich doch bei Martin in der Zapporthütte melden, der wäre auch noch auf der Hütte. Nun gut, fragen kann man ja mal. Aber zuerst mal gucken, wie die Route von dort aus aussieht. Gar nicht so schlecht! Vielleicht sogar noch mit etwas mehr Sonne, da südlicher ausgerichtet. Nach einem Anruf erfuhr ich, dass Martin noch da ist und am Samstag noch "leer" ... ich konnte das fast nicht glauben und sagte ihm folgetags zu. Letztendlich waren wir 3 und noch 2 einzelne Gäste vor Ort. Also viel Platz und angenehm gemütlich-familiär. Es war wirklich ein schöner Hüttenabend. Der Martin ist ein ganz netter und kann sehr gut kochen!!! Ich kann die Zapporthütte wirklich nur empfehlen... ich muss nach wie vor den Kopf schütteln, warum nicht mehr sonnenhungrige Berggemsi bei ihm waren dieses Wochenende...

Am Sonntag sind wir zeitig gestartet, aber da wir den ganzen Tag Zeit hatten und das Wetter ja durchgehend gut, haben wir uns für den Aufbruch um 06:30 Uhr entschieden, um nicht so lange im Dunkeln herumstolpern zu müssen ;) Der Weg von der Hütte bis in den Ursprung dauert etwa eine Stunde und ist relativ flach. Im Ursprung angekommen, haben wir  uns einen Weg in Richtung Läntalücke gesucht - schlussendlich sind wir ganz nah am Ende des NO-Grat des Rheinwaldhorns direkt auf den Grat hinauf. Das ging recht gut, es gab harten Schnee und die Steigeisen und Pickel gaben guten Halt. Auf dem Grat angekommen, ist dieser zuerst recht breit und zahm. Dann spitzt sich der Grat etwas zu und es ist etwas kraxeln angesagt, aber absolut harmlos. Der Grat war schneebedeckt und wir waren froh, dass dieser relativ hart war.

Nach dem Grat haben wir angeseilt und uns auf den Läntagletscher gestürzt - ausser 2 kleinen Ritzen waren an dieser Stelle keine nennenswerte Spalten vorhanden. Auch der Bergschrund war kein Problem - man konnte diesen gut erkennen, aber wir sind einfach "drübergloffe" - vermutlich dank der heftigen Schneefälle im September war dieser sehr gut zugeschneit. Weiter unten (nördlich) auf dem Läntagletscher gähnen aber riesige Spalten, ein Aufstieg von der Läntahütte ist sicher mit etwas Zick-Zack und Wegsucherei verbunden, sofern nicht gespurt. Der Gipfelhang weiste pulvrigen Schnee auf und war angenehm zu begehen.

Der Rückweg war genau so tiptop wie der Aufstieg, der Schnee natürlich etwas 'weicher', aber noch nicht durchnässt, eigentlich gerade 'al dente' und gut für den Abstieg. Auch beim Abstieg nahmen wir den direkten Weg dem "Gratende" entlang steil hinab und dann weglos hinunter in den Ursprung. Es gibt unzählige Steinmännchen, immer wieder befindet man sich auf einem "Pfädli", aber diese verlieren sich genau so rasch, wie man diese wieder auffindet... ich denke, es gibt keinen "perfekten" Weg durch dieses Gelände, man geht am besten so, wie's einem grat dünkt - natürlich sollte man den etwas steileren Abbrüchen ausweichen. Ein Blick auf die Karte (insbesondere die Höhenlinien) lässt erahnen, wo man etwa durch sollte, und vor Ort geht das ruck-zuck ("jetzt gömmär links um de Nollä ume, denn ehnder rächts haltend gell det bi dem Felsli, und denn luegemer wiiter" ... usw.)

Auf dem Hinunterweg noch rasch bei Martin eingekehrt und die Flaschen aufgefüllt und dann abgestiegen.

Fazit:
- Die Route von Hinterrhein über die Zapporthütte auf das Rheinwaldhorn ist wohl sehr selten begangen (ich verstehe aber nicht, warum, es ist eine sehr schöne Route und wohlbemerkt die Route der Erstbesteiger. Es ist alles dabei; Schlucht, wandern, Geröllhalde, ein spannender Grat, Gletscher und ein hübscher Gipfelhang...)
- Die Zapporthütte ist super gemütlich und urchig-heimelig. Es gibt nur 28 bzw. 24 Schlafplätze - wenn es da voll ist, ist es sicher nicht mehr sooo gemütlich, aber ich bin mir sicher, Martin macht das wieder wett mit seiner Gastfreundschaft
- Die Route ist geeignet für Einsteiger wie uns, die noch nicht so routiniert sind. Selbstverständlich ist aber auf die alpinen Gefahren genau so zu achten, wie bei allen anderen Gletscher-Hochtouren
- Jetzt im Herbst war diese Route sehr angenehm, da meist an der Sonne

Wichtig: Der Zustieg zur Zapporthütte führt über den Militärschiessplatz Hinterrhein. Unbedingt auf der Hüttenwebsite schauen nach der Telefonnummer, wo man die Schiesszeiten erfragen kann, und wann es möglich ist, durch  zu gehen. Am Samstag/Sonntag ist wohl meist kein Schiessbetrieb.

Ich wünsche Euch allen noch tolle Herbsttage.

Tourengänger: N_Altitude


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