Damāvand 5671m


Publiziert von Sputnik Pro , 31. August 2006 um 14:33.

Region: Welt » Iran
Tour Datum:25 August 2006
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: IR 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2680 m
Abstieg: 2680 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Tehran (Busbahnhof Ost / Terminal-e Sharq) mit dem Bus in Richtung Amol. In Polur (etwa 85km) aussteigen und auf Mitfahrgelegenheit warten bis Rineh (nochmals 20km). In Rineh ist das Basislager.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Im Basislager ist das Bergsteigerzentrum des Iranischen Bersteigervereinigung (Reza Faramarzpur; Tel. 0098-122325-2480). Schlafsack und Zelt fürs Lager 1 und das (Hoch-)Lager 2.

HÖCHSTER GIPFEL IRANS - دﻤﺎﻮﻨﺩ (DAMĀVAND) 5671m.

Allgemein:  Der Damāvand (sprich Dämaa-wänd) ist der höchste Berg des Irans, ja sogar der höchste Berg in Asien westlich vom Hindukusch in Afghanistan. Ausserdem ist er der höchste Vulkan ganz Asiens; seine Prominenz* beträgt 4667m, womit er an Selbstständigkeit an der 12. Stelle aller Berge der Welt steht. Der freistehende Stratovulkan liegt zentral im Ālborz-Gebirge (البرز ), das etwa so gross wie die die Alpen ist und im Norden des Irans liegt. Der Ālborz bildet eine oft über 4000m hohe Barriere zwischen dem Kaspischen Meer (دریای مازندران; Daryā-ye Māzanderān) und dem Iranischen Hochland. Der einzige Berg über 5000m im geologisch sehr aktiven Gebiet (Erdbeben!) ist der Damāvand 66km nordöstlich von Tehrān ( تهران ). Der Damāvand gilt als post-aktiver Vulkan, sein letzter Ausbruch mit einem Lavastrom liegt schon 38500 Jahre zurück. Dennoch treten oberhalb 5200m immer noch Schwefelgase (Schwefel elementar, Schwefeldioxid SO2 und Schwefelwasserstoff H2S) aus. Die erste gesicherte Besteigung des Damāvand gelang dem Engländer  H. Taylor Thomson im Jahre 1837.

Bergsteigerisches:  Die besten und wettersichersten Monate sind Juli bis September. Die technischen Schwierigkeiten stellen eigentlich kein Problem auf allen Routen dar, meist muss man nur kurze Stellen im Grad I überwinden. Dennoch ist der Berg wegen seiner Höhe und freistehenden Lage nicht zu unterschätzen. Im Gipfelbereich ist die Temperatur tagsüber auch im Sommer meist unter -5°C und es ist oft stark windig. Zudem kann man auch im Sommer (auch wenn es selten zutrifft) durch einen Wetterumsturz mit Schneefall oberhalb 5000m schnell in eine missliche Lage geraten wenn man zu wenig gut ausgerüstet ist. Im Winter und Frühling bietet sich der Berg für Skitouren an, dann kann es aber auf dem Gipfel trotz Windstille bis -40°C kalt werden! 1970 war wegen widrigen Wetterverhältnissen sogar der berühmte Reinhold Messner gescheitert. Ein anderes Problem des Berges ist seine Höhe, man sollte sich zuvor bei weniger hohen Bergen akklimatisieren oder  dementsprchend langsam Aufsteigen und sich dann drei oder vier Tage Zeit für die Besteigung nehmen. Ich traf einige Bergsteiger die klar Überfordert und am Ende ihrer Kräfte waren, sie erreichten gen Gipfel nicht. Die Normalroute ab Guwsfandsarā ( ﮔﻮﺳﻔﻨﺪﺳﺮﺍ ) verläuft auf der Südseite des Berges; auch die anderen Routen sind nicht schwieriger, man muss nur von weiter unten starten und braucht dann eher drei Tage bis zum Gipfel.

Route: Ich wählte die Normalroute ab Guwsfandsarā im Süden. Da ich mich schon anfangs Monat im Wallis und zwei Tage zuvor am Towchāl ( 3964m; ﺘﻮﭽﺎل ) nördlich von Tehrān ( تهران ) akklimatisiert hatte, nahm ich mir zwei Tage Zeit für die Besteigung. TAG 1: Zusammen mit einigen iranischen Bergsteiger fuhren wir in einem Geländewagen von Rīneh ( رﭕﻨﻪ ) nach Guwsfandsarā  (3000m) hoch, hier liegt auch das Lager 1 bei einer Moschee wo man nochmals übernachten könnte (50 Plätze). Leider kommt man bei der Besteigung über Normalroute nicht herum das Permit (50 US-Dollar) hier zu lösen, dieses wird bei der Ankunft im Lager 2 später kontrolliert! Wer sein Gepäck nicht selbst tragen möchte kann es hier von eimem Esel und Hirten ins Lager 2 hochschleppen lassen, ich verzichtete jedoch auf dieses Angebot (wieviel es gekostst hätte weiss ich nicht). Gleich hinter der Moschee beginnt der nicht allzu steile Bergpfad über alpine Weiden zum Lager 2. Man überquert einige mit Pflanzen überwachsene, uralte Lavaströme und kürzere Steilstufen bis man nach etwa 3-4 Stunden im Lager 2 auf einer Felsterrasse ankommt. Das Lager 2 auf 4150m ist das eingentliche Hochlager, hier leigt auch die Schutzhütte Bārgāh-e Sevvom ( ﺒﺎرﮔﺎه ﺳﻮم ). Die Hütte hat 30 Plätze und ist meist vollends überfüllt, man kann sich hier jedoch für zusätzliche 10 US-Dollar ein gemütliches Zelt mieten (Schlafsack und Gaskocher müssen aber selbst mitgenommen werden). Zur Zeit wird eine neue Hütte gebaut, nächstes Jahr (2007) sollte sie fertig sein und man sollte dann mit Halbpension übernachten können. Zur besseren Akklimatisation stieg ich am Nachmittag noch bis auf 4500m hoch um anschliessend zum Zelt zurückzukehren. TAG 2: Da die die Gefahr der Wolkenbildung am späteren Vormittag besteht startete schon kurz nach halb 2 zum Gipfel; es geht oft über Pfadspuren hoch, manchmal muss man jedoch einfach über kleinere Lavafelsen klettern. Langsames Gehen in kleinen Schritten ist gefragt, so stieg ich kontinuierlich höher bis zwischen 5100m und 5200m die Sonne aufging. Ab 5200m machen sich die ersten Schwefelgerüche bemerkbar. Die Landschaft ändert sich ebenfalls, gelbe Schwefelablagerungen und fast weisse Felsen beherrschen nun die Landschaft. Ausserdem lagen hier bei meiner Besteigung einige Zentimeter Neuschnee. Etwas weiter oben beginnen dann die Löcher aus denen Schwefeldämpfe austreten. Trotz der Höhe sollte man die Stellen schnell passieren, dies gilt besonders für die grossen Ausbrüchre kurz unter dem Kraterrand. Man kann eigentlich über die Schwefelfelder die Route zum Gipfel wählen wie man will, nur muss man schauen von wo dass der Wind kommt um nicht gerade in die dicksten Schwefelgaswolken zu geraten. Vom Kraterrand erreicht man in wenigen Minuten den höchsten Punkt mit 5671m, der Gipfelfelsen kann problemlos über wenige Meter erklettert werden. Lohnenswet ist auch die Umrundung des Kraters von 300m Durchmesser.

Basislager: Das Berggasthaus des Iranischen Bersteigerverbandes in Rīneh bietet den besten Basisort zur Damāvandbesteigung. Für 40 US-Dollar wird man von Rezā mit Frühstück und Nachtessen versorgt, während der Damāvandbesteigung sind die privaten Sachen hier sicher versorgt. Die Zimmer sind sauber und gemütlich, ausserdem kann auch selbst gekocht werden. Im Preis inbegriffen ist auch der Hin- und Rücktransport nach Guwsfandsarā.

Tour im Alleingang.

Links: Aktuelles Wetter Damāvand: http://www.snow-forecast.com/resorts/Damavand.0to3top.php ; Iranischer Alpenclub: http://www.mountainzone.ir ; Damāvand bei Summitpost: http://www.summitpost.org/mountain/rock/150400/damavand.html

* = Tiefster Taleinschnitt bis zum nächsthöheren Berg.


Tourengänger: Sputnik

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Kommentare (11)


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Stani™ hat gesagt: Gratuliert!
Gesendet am 31. August 2006 um 15:16
Salü Andi! Congratulations!
Another "HÖCHSTER GIPFEL" in Sputnik's collection!!!

PS: we didn't yet added support for arabic, but it's coming soon.
a+

Sputnik Pro hat gesagt: THANK YOU !
Gesendet am 31. August 2006 um 16:16
First i will write the Text in German an later i'll insert the original persic names of the geographic places.

Delta Pro hat gesagt: Hammer!
Gesendet am 31. August 2006 um 18:26
Gratulation dem Höhenbergsteiger!!!
Gruss Delta

AndiR hat gesagt: Gratluiere!
Gesendet am 4. September 2006 um 23:24
Danke für den schönen Bericht! Ich war heuer im April mit Ski auf dem Damavand, weshalb mich Deine Erfahrungen im Sommer besonders interessieren. Wir mussten kein oermit bezahlen, ist das neu oder nur im Sommer?
Einen Bericht unserer Iran-Reise findest Du unter http://www.riesner.at/Touren/Reisen/Iran/index.html

Grüße aus Salzburg,
Andi

www.riesner.at

Sputnik Pro hat gesagt: Damavand im Winter :-)
Gesendet am 6. September 2006 um 21:44
Dein Bericht über die Winterbesteigung habe ich mit grossem Intresse gelesen, der Iran ist sicherich immer eine Reise wert. Leider habe ich sonst nicht sehr viel von dem schönen Land gesehen, dafür bräuchte man mindestens einen Monat! Das mit dem Permit ist neu, aber immerhin ist es noch billiger als auf vielen anderen Bergen.

Viele Grüsse aus Liestal (bei Basel)

Andi

Stani™ hat gesagt: ممتاز!
Gesendet am 9. September 2006 um 15:15
جميل!

Sputnik Pro hat gesagt: Hej Stani !
Gesendet am 9. September 2006 um 15:44
Thank you for the new software! Have a nice day and many nice tours! :-)

Fenek hat gesagt: Damavand
Gesendet am 24. Januar 2007 um 20:38
As salam Sputnik
mein Damavand Projekt wird immer konkreter und wenn alles rund läuft kann ich im Sommer deine Spuren aufnehmen.
Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht!

Viele Grüsse aus dem Emmental

Ehssan hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 21. August 2007 um 23:00
Hi, ich möchte mich bei dir wegen des ausführlichen Berichtes der Damawandbesteigung bedanken, er hat mir sehr geholfen.
Ich war am 12.08.2007 auf dem Damawand, es war sehr schön. Falls es dich interessiert: Die neue Hütte ist immernoch nicht fertig!!!
Grüße,Ehssan!

Gelöschter Kommentar

Sputnik Pro hat gesagt: IRAN
Gesendet am 19. März 2013 um 20:43
Danke, Der Berg und das Land ist wunderschön. Als nächstes werde ich bald das Nachbarland Armenien erkunden :-)

Viele Grüsse,

Sputnik


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