Munt Pers (3207m) über Diavolezza-Firn


Publiziert von petro4213 , 3. Oktober 2017 um 16:33.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Berninagebiet
Tour Datum:26 September 2017
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Bernina-Gruppe   Palü-Gruppe 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1171 m
Abstieg: 275 m
Strecke:10km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Auto zur Talstation der Diavolezza-Bergbahn (großer, kostenloser Parkplatz)

Noch bei Dunkelheit bin ich an der Talstation der Diavolezza-Gondelbahn aufgebrochen. Auf breitem Fahrweg geht es problemlos hinauf. Nach einer knappen Stunde war der Lej da Diavolezza auf knapp 2575m erreicht. Von hier zweigt links ein Weg über den Grat ab (weiß-rot-weiß markiert). Wegen der hier auf der Nordseite doch schon recht üppigen Schneeauflage hatte ich aber geplant, über das kleine Skigebiet am Diavolezza-Firn aufzusteigen.

Also ging ich rechts am See vorbei steil nach oben. Bald musste ich schon mühsam durch tiefen Schnee stapfen, erreichte aber relativ problemlos die Talstation der kleinen Sesselbahn. Dort war auch ein riesiger Eisblock zu sehen - einer der 3 Gletscher-Restchen des Diavolezza-Firn, die im Sommer immer mit Matten abgedeckt werden, um sie vor dem vollständigen Dahinschmelzen zu bewahren.

Ich legte hier meine Leichtsteigeisen an, da es von nun an ein Stück weglos gehen würde. Zunächst stieg ich direkt unterhalb der Felswand ein Stück bergauf, auf der Spur einer Pistenraupe. Zwischen zwei der Gletscherreste konnte ich nun unter der Sesselbahn durchqueren, hinüber zu einem kleinen See, der wohl auch als Speichersee für die Schneekanonen hier genutzt wird.

Ich folgte einer einsamen Trittspur am oberen Seeufer, die ich dann aber Richtung Hang verlassen musste. Es sah so aus, also ob an einer Stelle eine weitere Trittspur von oben herunterkam, aber beim Näherkommen entpuppte sich diese als Spur von Schneebällen, die hier heruntergerollt waren. Das hätte mich stutzig machen sollen, denn es weist doch - wie ich jetzt weiß - eindeutig darauf hin, dass es hier besonders steil ist. Weil es aber von unten "gut machbar" aussah, wühlte ich mich rechts der Schneeballspur durch den Schnee den Hang hinauf.

Als ich auf halber Höhe einen Blick nach unten warf merkte ich erst, wie steil es hier war. Also Ruhe bewahren, jeden Tritt konzentriert vorbereiten und langsam weiter. Es war wirklich schwierig hier hinauf, denn manchmal sank ich bis zum Oberschenkel ein, manchmal war aber wieder direkt der Fels unter der Schneeauflage. Weil aber der Schnee noch sehr fest war, traute ich mich weiter. Nach einer guten halben Stunde hatte ich die vielleicht 80 Höhenmeter bis zum letzten Stück des eingangs erwähnten Gratweges geschafft. Völlig durchgeschwitzt war erst mal eine Pause angesagt.

Nun ging es entlang des Weges weiter. Ein Mann musste hier vor kurzem aufgestiegen sein und ein Kind oder eine kleine Frau. Die musste aber sehr seltsame Schuhe getragen haben, denn man konnte in vielen Spuren ziemlich deutlich Zehen-Abdrücke (!) im Schnee erkennen. Seltsam - oder war hier der Yeti unterwegs gewesen ;-)

Das letzte Stück des Weges bis zur Bergstation des kleinen Sessellifts am Joch unterhalb des Sass Queder war von der Pistenraupe "verwüstet" worden. Hier war es nochmal steil und anstrengend, aber dank der Leichtsteigeisen problemlos.

Den Aufstieg zum Sass Queder durch weiterhin relativ tiefen Schnee verkniff ich mir; ich ging lieber direkt zur Bergstation der Gondelbahn weiter, querte die Aussichtsterrasse, ließ die lärmende Kinderschar rasch zurück und stieg weiter auf dem Weg zum Munt Pers.
Erst einmal steigt es kaum an, bevor sich der Weg um den Berg herumwindet und dann zum Gipfel hinaufgeht. Der Blick nach Süden zu den hohen Bergriesen und den beeindruckenden Gletscherzungen verleitet immer wieder zum Stehenbleiben, Staunen und Fotografieren, besonders wenn sich der Ausblick durch die Wolken ständig verändert, so wie heute.

Der letzte Anstieg zum Gipfel geht zwar durch Blockwerk, war aber wegen der Schneeauflage problemlos und leicht zu bewältigen. Wieder ganz alleine auf so einem Berg zu stehen, in völliger Stille und vor dem vielleicht schönsten Panorama, dem "Festsaal der Alpen", das war schon gigantisch.

Nach langer Pause und viel Staunen und Fotografieren ging's zurück und nach einen weiteren Schau- und Staunpause auf der Sonnenterrasse der Diavolezza-Bergbahn ging's bequem mit der Gondel zurück ins Tal.


Tourengänger: petro4213


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