Oeschinensee-Runde mit Fründenschnuer und Zürcherschnyda


Publiziert von Dodovogel Pro , 3. Oktober 2017 um 20:01.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum: 1 Oktober 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:15.4 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Parkplatz bei Gondelbahn Kandersteg Oeschinensee. Mit Gondelbahn bis zur Bergstation.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Fründenhütte SAC
Kartennummer:map.geo.admin.ch

Eine beeindruckende und herausfordernde Wandertour rund um den Oeschinensee. 

Wetter:
- Tag 1:
 wechselnd neblig, bewölkt und sonnig. Angenehme Wandertemperaturen.
- Tag 2: am frühen Vormittag bewölkt mit leichtem Nieselregen. Gegen Mittag dann anhaltender sanfter Regen.

Bedingungen: 
Wege zum Teil nass (aufpassen auf den nassen Felsen!) aber schneefrei.

Ausrüstung 
Normale Wanderausrüstung (Sommer)

Optional:
- Die Fründenschnuer und die Kletterpassagen in der Zürcherschnyda könnte man mit einem Klettersteigset absichern.
- Die Zürcherschnyda ist nicht übermässig Steinschlaggefärded. Ein Helm ist aber nicht verkehrt. Es liegen lose Steine herum, die vor allem von anderen Berggängern losgetreten werden können.
- Die Zürcherschnyda-Route quert am Ende auf ca. 50m über einen Gletscher. Es hat Spalten. Gletscherausrüstung evtl. nötig. Wir konnten den Gletscher umgehen. Ich weiss aber nicht ob das im Frühsommer auch möglich ist.

Beschreibung
Zeiten sind als Gehzeiten zu verstehen aber grosszügig bemessen. Wir waren nicht sehr zügig unterwegs.

Bergstation – Heuberg – Oberbärgli (T3, 1h 30min)
Von der Bergstation folgt man dem direkten Weg zur Blüemlisalphütte. Zuerst auf breitem Weg ohne Schwierigkeiten. Unterwegs zweigt der Bergweg (T3) nach Heuberg ab. Der Weg steigt schnell an und folgt dann der Bergflanke. Er ist einfach und bietet keine besonderen Gefahren. Auf dem Heuberg hat es eine Aussichtskanzel mit Bänken. Leider hatten wir nur kurz für eine Minute freien Blick auf die imposante Bergarena und den Oeschinensee. Ansonsten waren wir im dichten Nebel unterwegs.

Vom Heuberg geht es weiter durch die Bergflanke, über einige Bachläufe bis man die Gebäude von Oberbärgli erreicht. Das Bergrestaurant hier war heute geschlossen.

Untere Fründenschnuer (T4, 1h 45min)
Von Oberbärgli steigen wir nach Unterbärgli ab. Noch oberhalb des Restaurants zweigen wir bei "Trummers Cher" auf Wegspuren in den Grashang zur Fründenschnuer ab. Vor dem Einstieg in die Fründenschnuer kommt man an einer Berghütte vorbei.

Die Fründenschnuer war heute sehr nass, man musste also etwas vorsichtig sein. Man bewegt sich fast immer exponiert durch die Felswand über dem Westufer des Oeschinensees; ein Sturz wäre fatal. Wer sich T4-Gelände gewohnt ist und genug Schwindelfreiheit mitbringt braucht keine Angst davor zu haben. Der Weg ist in gutem Zustand und immer breit genug um entspannt gehen zu können und fast durchgängig bestens mit Fixseilen und Stahlseilen abgesichert. Um die Sicherheit zu erhöhen könnte man mit einem Klettersteigset die Absturzgefahr praktisch ausschliessen.

Nach der Fründenschnuer gehen wir wieder in T3-Gelände auf einem deutlichen Weg durch Grashänge zum Normalweg auf die Fründenhütte. Unterwegs suche ich den Einstieg in den Weg zur Fründenhütte via Zürcherschnyda. Auf der 1:25000 Karte, welche ich dabei hatte, ist der Weg nicht eingezeichnet. Es gibt immer wieder Wegspuren in dem Bereich wo es sein könnte. Weil die Sicht aber schlecht war und ich keine eindeutigen Markierungen sehen konnte, sind wir bis zum grossen Stein auf dem Normalweg zur Fründenhütte gegangen. Resignierend beschliessen wir auf dem Normalweg zur Hütte zu steigen. Doch nach wenigen Kehren auf dem Normalweg ist eine Abzweigung zur Zürcherschnyda (Stein mit Markierung "ZS") vorhanden.     

Fründenhütte via Zürcherschnyda (T5, II, 2h 30min)
Vom Fründenhüttenweg kommend folgt man Wegspuren und deutlichen und regelmässigen roten Punktmarkierungen wieder in richtung Osten an einem Ausläufer eines Felsrückens vorbei in das Geröllfeld der Mittelschnyda hinein.

Hier überquert man einen Bachlauf (war heute weitgehend trocken) und muss etwas aufpassen um die Markierungen nicht zu verlieren. Der Weg dreht hier nach Norden auf die Felswand der Zürcherschnyda zu. Gegen Osten verengt sich das Geröllfeld der Mitterschnyda zwischen Felswänden und einer kleinen "Seitenmoräne". Dort will man nicht hin, sondern dort wo die Moräne noch nicht sehr hoch ist sollte man hochsteigen und dann auf die Felswand der Zürcherschnyda zuhalten. Auf ca. 2150m hat es einen breiten etwas grasigen Durchgang (hangabwärts) nach Norden zwischen den Felsen. Durch diesen steigt man kurz ca. 100m ab und hält sich nahe an der Felswand. Bald findet man erste Fixseile und die ersten Kletterpassagen. Man klettert zwischen verschiedenen Bändern jeweils mit kurzen Gehpassagen dazwischen bis man oben auf der Zürcherschnyda steht. Alle Kletterstellen sind mit Stahlseilen abgesichert und somit auch gut zu finden. 

Auf dem Rücken der Zürcherschnyda steigt man jetzt unschwierig über einen Geröllhang nach Süd-Osten bis auf ca. 2500m. Hier muss man zuerst ca. 20m mit Fixseilen gesichert eine Felswand absteigen und dann bis zum Fründengletscher durch diese Wand traversieren (sehr exponiert).

Der Weg überquert hier den Gletscher. Es hat zahlreiche Spalten aber der Gletscher war hier aper. Mangels Gletscherausrüstung und weil meine Begleitung keine hochalpine Erfahrung hat und die Tour nach den anspruchsvollen Kletterpassagen lieber ruhig ausklingen lassen wollte, haben wir den Gletscher mit kurzem Umweg nördlich Umgangen. Dies war heute unproblematisch. Das kurze Reststück auf die Moräne hinauf zur Fründenhütte bereitet dann keine Schwierigkeiten mehr.   

Hinweis zur Schwierigkeitsbewertung: Ich habe bisher keine richtige Erfahrung mit T5 Gelände. Die Zürcherschnyda ist hauptsächlich T4 Gelände. Die Schwierigkeiten gehen einher mit den Kletterstellen, welche ernsthaft sind. Zwar ist alles mit (Stahl-)Seilen gesichert aber wir hatten keine Sicherungsmöglichkeiten dabei und einige Stellen sind schon sehr exponiert und verlangen Mut und Kraft. Insgesamt stellte mich die Wanderung vor deutlich höhere Anforderungen als alle meine T4 Touren. Deshalb hab ich mich für T5 als Bewertung entschieden. Es kann auch sein, das ich diesen Gesamteindruck auch wegen den nicht optimalen Bedingungen hatte. Der Fels war oft sehr nass und rutschig und die Orientierung trotz deutlichen Markierungen im Nebel nicht immer leicht.

Fründenhütte – Bergstation via Normalweg (T3, 2h 45min)
Wir haben in der Hütte übernachtet und sind am nächsten Morgen über den exzellent ausgebauten  Normalweg bei leichtem Regen zur Bergstation Öschinen abgestiegen. Unterwegs haben wir lange eine Gruppe von 9 Steinböcken beobachtet, welche uns uns auch sehr nahe herangelassen hat.

Tourengänger: Dodovogel


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Kommentare (2)


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Alpin_Rise hat gesagt: Danke für den ersten...
Gesendet am 3. Oktober 2017 um 22:59
... Bericht über die Zürcherschnyda, bestimmt eine eindrückliche Tour.
In diesem Ambiente sicher umsomehr.

G, Rise

Dodovogel Pro hat gesagt: RE:Danke für den ersten...
Gesendet am 4. Oktober 2017 um 09:48
Danke Alpin_Rise!

Ich hatte am Vorabend der Tour auch mit Überraschung festgestellt, dass es hier zur Zürcherschnyda (woher der Name wohl stammt?) noch keine Berichte gibt. Eigentlich hatte ich ja gehofft, Hikr hilft mir die Ansprüche besser einzuschätzen.

Und ja, der Oeschinensee umringt von einer 'hochalpinen' Welt ist immer wieder beeindruckend schön. Trotz des leichten Zugangs findet man hier immer noch relativ einsame und anspruchsvolle Touren. Diese zählt definitiv dazu.


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