Piz Cugnets 2739 m - Herbstliche Überschreitung in winterlicher Umgebung


Publiziert von Ivo66 Pro , 30. September 2017 um 19:30.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:30 September 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Marmorerasee - Alp Natons - P. 2042 m - Val da Natons - Alp Ses - Piz Cugnets Überschreitung P. 2739 m - P- 2741 m - Val Savriez - Pare Neira - Kanonensattel - Alp Natons - Marmorerasee
Kartennummer:1:25'000 Bivio

Der anfangs September gefallene und immer wieder erneuerte Schnee hält sich im Oberhalbstein ziemlich hartnäckig. Es scheint, als ist die Alpinwandersaison auf den anspruchsvolleren Bündner Dreitausendern bereits vorbei. Und für diese Nacht ist die nächste Ladung Neuschnee vorausgesagt. Mit etwas Fantasie können aber noch immer anspruchsvolle Bergtouren angegangen werden, solche mit steilen Südflanken sind zur Zeit klar vorzuziehen.

Genau diesem Anspruch wird der kaum je begangene Piz Cugnets gerecht, ein über einen Kilometer langen Grat, welcher den bekannteren Tschima da Flix und Piz d'Agnel vorgelagert ist. Wir wählten heute den Zustieg vom Marmorerasee aus und waren deshalb in einem wunderschönen Gebiet unterwegs, welches zwar nur 15 Autominuten vor unserer Haustüre liegt, aber von uns noch nie zuvor Besuch erhielt. Die tolle herbstliche Stimmung heute tat das Übrige, um diesen Tag unvergesslich werden zu lassen.

Zahlreiche Murmeltiere zeigten sich neugierig auf der Alp Ses - bald verschwinden sie für viele Monate in ihren Bauten zum Winterschlaf. In der winterlichen Nordflanke des Piz Cugnets erblickten wir einige Steingeissen und einen stattlichen Steinbock, der es sich dort gemütlich gemacht hatte. Die weglose und äusserst mühsame Querung unter den Felsen von Pare Neira am Fusse des Piz Cugnets wurde entschädigt durch die Begegnung mit einer jungen Kreuzotter, die erst etwa 30 cm lang war. Sie verharrte regungslos in der steilen Flanke und begann sich erst zu bewegen, als wir noch einen Meter von ihr entfernt waren. Etwas Stress fügten wir ihr sicher zu, doch ebenso sicher war dies wohl ihre erste und letzte Begegnung mit Menschen; zu unwegsam ist dort das Gelände, als dass sich das schöne Reptil in Zukunft um ungebetenen Besuch Sorgen machen müsste.

Zuvor bereitete die Überschreitung des Piz Cugnets Alpinwandern vom Feinsten: Ohne irgendwelche menschlichen Begehungsspuren versehen, geschweige den markiert, bietet der Grat abwechslungsreiche Kletterstellen und tolle Ausblicke in einer atemberaubend schönen Umgebung.

Was für ein Herbsttag war das wieder einmal! Die Lärchen beginnen sich allmählich goldgelb zu färben; in etwa zwei Wochen dürfte diesbezüglich der farbliche Höhepunkt dieser goldenen Jahreszeit erreicht sein. 

Routenbeschreibung:

Marmorerasee - Alp Natons - Alp Ses (T2)
Wir parkten in einer geräumigen Nische direkt an der Julierpassstrasse, von Norden herkomend etwa 400 m nach der Abzweigung zum Dorf Marmorera an der linken Strassenseite. Von dort stiegen wir weglos durch eine Lichtung ziemlich direkt in der Falllinie zur Alp Natons hoch und dann weiter auf dem markierten Bergewanderweg Richtung "Fuorcla digl Leget". 

Aufstieg zum westlichen Felskopf des Piz Cugnets (T3) 
Den Wanderweg verliessen wir auf einer Hochebene der Alp Ses noch vor der Brücke über den Bach und stiegen weglos dem Piz Cugnets entgegen. Man ist im Aufstieg ziemlich frei - man kreuzt bald den markierten Bergwanderweg, der zum Kanonensattel führt. 

Wir hielten uns allmählich zum felsigen Abschnitt zu und erreichten diesen zum Teil in einfacher, nicht ausgesetzter Kletterei.

Gratüberschreitung Piz Cugnets (T5)
Wir stiegen praktisch immer auf der Gratschneide auf, was ab und zu Kletterei im knapp 2. Schwierigkeitsgrad erfordert. Man könnte durch Umgehung der exponiertesten Stellen die Schwierigkeiten auf T4 drücken, doch ist der Fels am Grat selbst in den schiefrigen Bereichen recht kompakt und die Direktbegehung somit sehr empfehlenswert.

Kurz nach dem Gipfel wird der Grat bei der Überschreitung eines Felskopfs in einem Abschnitt exponiert und schmal. Der Fels ist dort aber bombenfest. Die Stelle könnte problemlos umgangen werden.

Der Abstieg von einem weiteren kleinen Felskopf erforderte dann nochmals volle Aufmerksamkeit und Konzentration im steilen Gelände. Anschliessend warten keine Schwierigkeiten mehr bis zu P. 2741 m, der Einsattelung unmittelbar vor dem Aufstieg zur Fuorcla da Flix.

P. 2741 m - Pare Neira - Kanonensattel (T4)
Durch die Nordflanke (zur Zeit und bis auf weiteres schneebedeckt, aber ohne Probleme begehbar) stiegen in die Nähe des kleinen Sees ab, folgten anfangs aber noch zuvor nach links einem oft nur schwach ausgeprägten Weglein am Fusse des Piz Cugnets im Val Savriez. Unterhalb der Felsen bei Pare Neira traversierten wir durch unangenehmes Gelände mit Buschwerk, Geröll und feuchtem Gras, bis wir in einigem Auf und Ab den Wanderweg zum Kanonensattel erreichten.

Es wäre sicher angenehmer und auch zeitsparender gewesen, bis ganz zum von der Alp Flix Richtung Kanonensattel führenden Wanderweg abzusteigen.

Kanonensattel - Marmorerasee (T2)
Auf dem markierten Bergweg gingen wir zur Alp Natons zurück und von dort auf der bereits bekannten Aufstiegsroute weglos zurück zur Julierpassstrasse am Marmorerasee.

Tourengänger: Ivo66, Lena


Galerie


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Kommentare (2)


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georgb Pro hat gesagt:
Gesendet am 30. September 2017 um 20:38
Wieder mal eine Bilderexplosion. Bravo Ivo

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. Oktober 2017 um 08:51
Vielen Dank Georg. Hoffen wir weiter auf goldene, klare Herbsttage!

Gruss Ivo


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