Pilatus, 2118m - die lange Kette hinauf


Publiziert von Linard03 Pro , 28. September 2017 um 09:14.

Region: Welt » Schweiz » Luzern
Tour Datum:22 September 2017
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Pilatusgebiet   CH-LU   CH-OW   CH-NW 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 900 m
Strecke:Gfellen - Blaue Toose - Tripolihütte - Rot Dossen - Widderfeld - Tomlishorn - Pilatus Kulm - Pilatus Esel (17.5 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Gfellen
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Alpnachstad

Der diesjährige September lässt uns etwas im Stich, auch wenn das Wetter in den letzten Tagen sehr schön war. Aber die Schneefälle bis weit hinunter liessen leider keine Touren mehr auf über 3000m zu. Somit konnte ich wieder mal ältere Projekte aus der Schublade hervorholen.
Eines davon ist die Tour auf dem Pilatus. Da war ich schon lange nicht mehr, bislang auch nur 2-3 Mal per Bahn; zudem gibt’s unzählige Wege, welche hinaufführen. Also genügend Gründe, den Pilatus endlich mal zu Fuss zu besteigen.
 
Eine der längsten Routen ist sicher die sog. Pilatus-Kette, wo man vom Entlebuch aus mehr oder weniger dem Kamm entlang folgt (je nach Ausgangs- bzw. Endpunkt natürlich beliebig ausbaubar). Zuletzt hat mich D!nu mit seinem Bericht wieder gluschtig gemacht und so war es beschlossene Sache.
 
Per ÖV ist es allerdings nicht leicht, nach Gfellen zu gelangen; zumindest nicht zu einem frühen Zeitpunkt (natürlich je nach Blickwinkel bzw. woher man anfährt). Das Postauto fährt ab Entlebuch nur alle 2 Std. und der 7-Uhr-Bus war für mich schlicht unmöglich zu erreichen.
 
Demzufolge war der Start um 9 Uhr, also eher spät. Wobei in der Nachbetrachtung die Zeit gut war, denn ein früherer Start hätte mir womöglich einige unangenehme Stellen (Schnee / Eis) beschert …
Ich lief also zügig los, wobei mich dann gleich zwei Jüngere überholten, welche ein ähnliches Vorhaben geplant hatten. Oberhalb der Mittlisthütten (1230m) überholten mich nochmals zwei Leute, welche ebenfalls die „Kette“ machen wollten – mehr waren heute nicht auf dieser Tour unterwegs.
 
Man traf sich dann immer wieder, zuerst auf dem ersten Gipfel, der Blaue Tosse (1802m), danach auf der Stäfeliflue (1921m) und schliesslich in der Tripolihütte (1763m), wo ich selbstredend als Letzter der „Gruppe“ eintraf.
 
Das heisse Wasser für den Kaffee kochte bereits, denn die Hütte war heute bewartet. Da ist Einkehr einfach ein Muss, denn auch ein feiner Schoggikuchen hat der Mann hinaufgeschleppt. Und dem „Birne Träsch“ konnte auch ohne Gruppenzwang niemand widerstehen … ;-)). Die Hütte hat einen unglaublich schönen Logenplatz, weshalb man gerne auf dem Bänkli verweilt.
 
Der anschliessende Aufstieg auf das Mittaggüpfi (1917m) war schweisstreibend, weshalb sich wohl auch der Träsch schnell verflüchtigt hatte …;-). Auf dem Gipfel wurde auch der weitere Routenverlauf sichtbar – da lag noch viel „Arbeit“ vor mir und ich verstand jetzt auch, was die beiden Einheimischen mit „Knochenarbeit“ gemeint hatten.
 
Der Abstieg vom Mittagsgüpfi war problemlos, der Wanderweg soweit klar, bis zum (eigentlich unmissverständlichen) rwr-Schild, das nach rechts hinunter wies. Ein Pfad führte allerdings geradeaus, weiter auf dem Kamm verlaufend. Das war irgendwie verlockend, weshalb ich diesem Pfad folgte. Bald wurde klar, dass er wenig begangen wird; z.T. war der Weg überwuchert. Heikel wurde es nur, wo es das etwas glitschige Wändchen abzukraxeln galt.
 
Wenig später erreichte ich den stattlichen Steinmann des Rottosse (1777m); da verirren sich wohl nicht viele hin … Idealerweise würde man von hier aus zur Ebene (Felli, 1701m) hinuntersteigen können; die Wand fällt hier aber beinahe senkrecht ab. Hätte ich D!nu’s Bericht genauer gelesen, hätte ich ev. eine Spur entdeckt, welche den Wald hinabführt. Ich sah aber nichts dergleichen und die steilen Hänge sahen wenig verlockend aus. Ich stieg deshalb wieder alles zurück bis zur Abzweigung.
 
Das hatte doch einiges an Energie gekostet, aber ich war nicht der Einzige mit einer „Zusatzschlaufe“: zwei unserer "5er-Gruppe" sind zwar den richtigen Weg abgestiegen, kamen jedoch wieder zurück, weil sie der Sache nicht trauten (zuviel Hm-Verlust!). Gemeinsam stiegen wir dann doch den offiziellen Pfad hinunter, welcher natürlich richtig war.
 
In der Ebene (P.1701) dann erst mal ein Blick zurück auf den von hier aus gesehen imposanten Rottosse. Der anschliessende Aufstieg zieht sich und müde Beine machten sich jetzt bemerkbar. Zuletzt wurde es ziemlich zäh, bis ich den Widderfeld (P.2075) erreicht hatte. Noch schnell zum Gipfelkreuz hinüber, dann ein wegloser und eher direkter Abstieg auf den Wanderweg, welcher nordseitig um den Widderfeld führt.
 
Der Weg ist abenteuerlich angelegt, jedoch gut mit Ketten gesichert (welche ich heute allerdings nicht benötigte). Die heutige Schlüsselstelle kam aber erst nach der Kettenpassage: die Querung unter der Nordwand des Widderfelds erwies sich als heikel, denn hier lag immer noch Schnee, welcher rutschig war; einzelne Abschnitte waren sogar immer noch vereist.
 
Mit der entsprechenden Vorsicht tastete ich mich vor, denn ausrutschen wäre hier eher ungesund. Der Aufstieg zum Gemsmättli war dann wieder problemlos. Via P.2054 wieder steil hinunter und die imposante Steilgrasflanke querend hinüber zum vorletzten Aufstieg des Tages. Zusammen mit einigen Touristen erreichte ich den Gipfel des Tomlishorn (2128m), von wo aus man einen herrlichen Rundblick geniesst.
 
Ich verweilte trotzdem nur kurz auf dem Gipfel, stieg ein paar Meter ab und folgte schliesslich dem schön angelegten Weg zum Pilatus Kulm (2067m), während man von neugierigen Steingeissen beobachtet wird. Bei diesem herrlichen Wetter war natürlich einiges los auf dem Pilatus. Trotzdem wollte ich bei dieser Gelegenheit auch noch dem Esel (2118m) einen Besuch abstatten und stieg die paar Treppenstufen hinauf. Auch hier lag noch einiges an Schnee und Eis, weshalb die Besucher mit Sandalen und Turnschuhen etwas Mühe mit der Unterlage bekundeten …
 
Nachdem ich mich satt gesehen hatte, stieg ich endgültig ab und nahm die Standseilbahn nach Alpnachstad hinunter. Immer wieder imposant, diese Bahnfahrt!
 
Fazit:
eine grossartige Tour; sehr abwechslungsreich (inkl. einigen Kraxel- und ausgesetzten Stellen), v.a. aber genuss- und aussichtsreich.
Die Route lässt sich natürlich noch weiter ausbauen (siehe z.B. Tobi); je nach Konditionsstärke …
 
Bedingungen:
am heutigen Tag doch noch ziemlich feucht, oft matschig-rutschige Unterlage, rund um den Widderfeld schneebedeckt und stellenweise eisig.
 
Zeiten:
Gfellen – Tripolihütte: ca. 2 ½ Std.
Tripolihütte – Rottosse: ca. 1 Std.
Rottosse – Widderfeld: ca. 1 Std. 10 Min.
Widderfeld – Pilatus Kulm: ca. 1 1/2 Std.

Tourengänger: Linard03


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