Midžor (2169m) - Höchster Berg Serbiens*


Publiziert von pame , 3. Oktober 2017 um 09:22.

Region: Welt » Serbien
Tour Datum:11 September 2017
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: BG   SRB 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 650 m
Abstieg: 650 m
Strecke:s. Wegpunkte und GPS-Track (ca. 16km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Belgrad über Nis nach Inovo (ca. 4h), von dort in ca. 45min. nach Babin Zub (Hotel und Skigebiet Stara Planina)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:s.o.
Unterkunftmöglichkeiten:In der direkten Umgebung wenige (Hotel Babin Zub im Sommer geschlossen). Evtl. Hotel Stara Planina (teuer). Ich habe im Hotelkomplex Alexej übernachtet (www.etnoselosrna.rs/ RSD 3600 = €30 pro Nacht).

Mein ursprünglicher Plan war es, innerhalb von drei Wochen alle höchsten Gipfel der Balkanländer** zu besteigen. Aus verschiedenen Gründen, u.a. wetterbedingt, hab ich diesen Plan dann schnell fallenlassen. Außerdem kam ich mir nach dem dritten Gipfel vor, als ob ich nur noch eine Projektliste abhaken würde. Das wäre dann doch zu sehr in Stress und endloser Fahrerei ausgeartet. Ich will ja auch noch ein bisschen was von der Gegend sehen und Urlaub machen.

Hier also Bericht Nummer 1 von 3: Midzor (2169m)/SRB.

Startpunkt war Belgrad, da es so schön zentral liegt und gut zu erreichen ist. Dort einen Mietwagen*** abholen und einmal die große Runde drehen. Das war der Plan.

Anreise nach Belgrad war mit dem Zug von Budapest (8h, €15 Belgrade-Special der ungar. Bahn), da ich es irgendwie nicht geschafft hatte, einen einigermaßen bezahlbaren Flug zu finden, und es zeitlich keinen großen Unterschied gemacht hätte. Aus taktischen Gründen (Wetter, möglicher Schneefall bei frühem Wintereinbruch, technische Schwierigkeiten, Hüttenöffnungszeiten) wollte ich die beiden höchsten Gipfel (Musala/BG, Olymp/GR), bzw. den technisch anspruchvollsten (Olymp/GR), zuerst machen, was auch geklappt hat. Da Midzor/SRB aber sowieso auf dem Weg nach Bulgarien liegt, war dieser eher einfache Gipfel also zuerst dran.

Da durch die lange Anfahrt von Belgrad eine Tour am selben Tag etwas stressig wäre, habe ich zuerst noch einen Abstecher zum Eisernen Tor gemacht. Hier bricht die Donau in einer spektakulären Schlucht durch die Karparten - eigentlich schon ein Reiseziel an sich, das seltsamerweise in Mitteleuropa kaum bekannt zu sein scheint.

Am frühen Abend kam ich dann in meiner Pension in Inovo an, das knapp 30km vom Ausgangspunkt der Wanderung, dem Parkplatz des Hotel Babin Zub (1569m), entfernt liegt. In der Pension sprach niemand englisch, geschweige denn deutsch (wobei es gar nicht so abwegig ist, letzteres gerade mit älteren Leuten einmal zu versuchen), und mein serbisch lässt eher zu wünschen übrig. Trotzdem war mit Händen und Füßen eine rudimentäre Verständigung mit dem freundlichen Hausherrn möglich. Zumindest kenne ich die entscheidenden Wörter in den slawischen Sprachen (Pivo!). Etwas mehr Probleme machte die rein serbische Speisekarte am Abend (natürlich in kyrillischer Schrift, aber da kam mir mein Russischunterricht von vor vielen Jahren zuhilfe). Die Wirtin hat anscheinend mein Problem schon geahnt, und ein eilends herbeigerufener Nachbarssohn hat mir fast die gesamte Karte ins Englische übersetzt.    

Am nächsten Morgen, mit strahlendblauem Himmel und recht hohen Temperaturen, machte ich mich mit dem Auto dann auf den Weg zum Hotel Babin Zub (1569m). Die Gegend ist ein Wintersportgebiet und dementsprechend gut ausgeschildert. Der kleine Parkplatz vor dem (geschlossenen) Hotel war noch völlig leer, und die gesamte Route zum Gipfel war von hier schon klar sichtbar.

Zur Route selbst gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Sie verläuft fast durchgehend in sanfter Steigung auf Feldwegen, die man auch mit einem Geländewagen oder Mountainbike befahren könnte. Alles T1 bis maximal T2 (stellenweise kurz vor dem Gipfel). Ich hatte recht starken Seitenwind, der das Gehen in dem offenen Gelände zeitweise etwas mühsam machte, dafür aber die hohen Temperaturen etwas abgemildert hatte.

Nach etwa 2h kam ich - ohne eine einzige Menschenseele gesehen zu haben - am Gipfelgrat an, wo sich zum erstenmal der tolle Blick auf die bulgarische NO-Seite öffnet, und die völlig unterschiedlichen Hälften des Berges offenbart: Sanfte Grashänge auf der serbischen SW-Seite, steile Abbrüche auf der bulgarischen NO-Seite.  

Auf der breiten Gipfelkuppe des Midzor (2169m) war es - wie so oft bei eigentlich windigem Wetter - erstaunlich windstill. Also hab ich mich hier recht lange aufgehalten, da ich ja noch jede Menge Zeit hatte, und hab den Blick nach Bulgarien und die umliegenden Berge des Balkangebirges, das ja der ganzen Region ihren Namen gegeben hat, genossen.

Beim Abstieg traf ich dann den einzigen anderen Wanderer, einen älteren Einheimischen, der sehr gut deutsch sprach, und die viel längere Route von Topli Do (s. *Midžor / Midžur 2169m) gemacht hatte. Der weitere Abstieg auf der Aufstiegsroute ging sehr zügig, und gegen 16 Uhr war ich schon wieder am Auto sowie etwas später in meiner freundlichen Pension.

Am nächsten Morgen stand dann die Fahrt zum nächsten Ziel, Bulgarien, an (Fortsetzung folgt...).

Fazit:
 
  • Sehr leichte Wanderung, gut zur "Einstimmung". Orientierung könnte bei Nebel etwas problematisch sein, da das Gelände recht eintönig ist.
  • Es gibt nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Umgebung, zumindest im Sommer.
     
* = Nicht wenn man die Unabhängigkeit der Republik Kosovo nicht anerkennt, also nach offiziell serbischer Sicht, sowie weiterer Länder wie Russland, Spanien, Griechenland, usw., sowie praktisch aller Balkanländer. In diesem Fall wäre *Rudoka - Рудока - neuer Höhepunkt im Kosovo, der höchste Punkt Serbiens. 

** = Wobei das natürlich von der Definition des Balkans abhängt. Auf meiner Liste sind: Serbien, Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Kosovo*, Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Kroatien. Das wären dann 8 Gipfel (Albanien und Mazedonien teilen sich den höchsten Punkt)
, bzw. 7*. Länder wie Kroatien reichen zwar über den Balkan hinaus, der höchste Berg (*Dinara / Sinjal 1831m) liegt aber auf der Balkanhalbinsel. Die Türkei wiederum hat auch Anteil am Balkan, deren höchster Punkt (*Ararat (5.137 m)) liegt aber weit außerhalb der Region, sogar außerhalb Europas.  

*** = Mietwagen: 1. Darauf achten, dass man die Erlaubnis hat, möglichst viele Länder zu befahren! Bei den meisten Mietwagenfirmen sind Kosovo und Albanien ausgeschlossen (evtl. mal bei Sixt versuchen). Für alle anderen Länder braucht man üblicherweise die grüne Versicherungskarte. Sie kostet meistens ca. €60-€70 extra (pro Anmietung). 2. Bei Anmietung in Serbien unbedingt eine zusätzl. Haftpflichtversicherung abschließen, da die gesetzl. Deckungssumme in Serbien nur ca. €100000 beträgt. Das ist m.E. viel zu wenig! Ich habe die sog. "Mallorca-Police" (€18.50/Monat, Arisa/Luxemburg) genommen, die man ohne Probleme im Voraus online abschließen kann. 
 

Tourengänger: pame


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