Vallüla (2.813 m) - Versuch


Publiziert von marmotta , 29. März 2009 um 15:17.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Silvretta
Tour Datum:28 September 2008
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Aufstieg: 820 m
Abstieg: 820 m
Strecke:Bielerhöhe - Maißboden - P.2502 - Maißboden - Gr. Vallüla (umgekehrt auf ca. 2.730 m) - Maißboden - Bielerhöhe
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit PW über Bludenz, Schruns nach Partenen und auf der Silvrettahochalpenstrasse (Mautgebühr 11,50 Euro für PKW bis 5 Personen oder 3,00 Euro/Person bei Auffahrt mit Postbus) zur Bielerhöhe (Silvretta-Stausee)
Unterkunftmöglichkeiten:Berggasthof Piz Buin (Tel.:+43 5558 4231), Silvretta-Haus (Tel.:+43 5558 4246) oder Madlenerhaus DAV (Tel.:+43 5558 4234) oder Unterkünfte in Gaschurn und Partenen
Kartennummer:LK 1178 Gross Litzner (1:25.000)

Nachdem unser ursprüngliches Programm an diesem Silvretta-Tourenwochenende durch den unglücklichen Sturz unserer Tourenkameradin tags zuvor (siehe hier) völlig umgeworfen wurde, entschieden wir kurzfristig, die Grosse Vallüla (2.813 m) zu besteigen, eine Tour, die von der Bielerhöhe aus in wenigen Stunden absolviert werden kann, während unsere verletzte Tourenpartnerin die Zeit in der Sonne am Silvretta-Stausee verbringen wollte.

Gleich zu Beginn die erste unangenehme Überraschung: Am Wegweiser hinter dem Gasthof "Piz Buin" ein Warnhinweis, dass der Weg zur Vallüla unterhalb des Maißbodens durch einen Erdrutsch abgebrochen und nicht mehr begehbar ist. Auf Anfrage erhielten wir im Gasthof jedoch die Auskunft, dass ein Ausweichen über den Sattel unterhalb der Bieler Spitze mit anschliessendem Abstieg auf den Maißboden  möglich sei.

An der Einsattlung (P. 2506) des Grates, welcher sich von der Kleinen Vallüla zur Bieler Spitze herüberzieht, versuchten wir zunächst, über den Grat zur Grossen Vallüla zu gelangen, dies schien aber aufgrund des Schnees auf der Nordseite und nicht einschätzbarer Schwierigkeiten an der Kleinen Vallüla nicht machbar zu sein. Also mühsam den Steilhang auf der Südseite unterhalb des Grats gequert und über Blockgelände auf den markierten Pfad oberhalb des Maißbodens abgestiegen, den wir auf einer Höhe von ca. 2400 m erreichten. Von dort stiegen wir zum Sattel (P. 2515) zwischen Kleiner und Grosser Vallüla auf und erreichten so den beeindruckenden Felsaufbau der Grossen Vallüla, deren Besteigung nicht ganz trivial aussah. Bis hier dürften sich die Schwierigkeiten im T3-Bereich bewegen.

Auf der Südwestseite des Bergs durchzieht eine steile, schuttige Rinne den Fels. Durch diese erreicht man in leichter Kletterei mühsam die Scharte bei P. 2719. Im oberen Bereich der Rinne, wo diese schmaler wird und kaum mehr Halt bietet, sind einige Haken angebracht, an denen gesichert werden könnte. Vor dieser extrem steinschlaggefährdeten Rinne hatten mich sowohl andere Bergkameraden als auch die einschlägige Führerliteratur bereits gewarnt. Nicht zu Unrecht, wie sich später herausstellen sollte.

Nachdem Stephan die Sache bereits am Einstieg in die Rinne zu heikel geworden war, erreichten wir nun zu zweit problemlos die Scharte am Ausstieg der Rinne. Dort liess uns ein gewaltiger Tiefblick ins 1600 m tiefer gelegene Partenen das Herz schon etwas schneller schlagen. Es mussten nun einige Meter in hartem Firn auf der ausgesetzten Nordseite vorsichtig abgestiegen werden, um dann in einer Querung auf schmalem Band zum Einstieg in die Kletterei am Gipfelaufbau zu gelangen. Bei geschickter Routenwahl übersteigt die Schwierigkeit hier nirgends den II. Klettergrad, jedoch ist die Route nicht immer ganz einfach zu finden, vereinzelt helfen alte rote Markierungen, die aber wohl seit vielen Jahren nicht mehr erneuert wurden. Ich kletterte zunächst auf der Nordwestseite sehr ausgesetzt und in etwas abdrängendem Gelände auf einen Block und folgte dann einem von dort schräg rechts hinaufführenden Band, auf dem unschwierig zu einigen grösseren Blöcken aufgestiegen werden konnte, wo ich wieder einen blassen, roten Markierungspunkt erspähte. Andi probierte es etwas weiter südlich und kam nach einigen Metern nicht mehr weiter. Da Schneereste und Nässe die Sache nicht einfacher machten, beschlossen wir hier, umzukehren und vorsichtig zurückzuklettern. Bitter, hatten doch gerade noch rund 80 Meter zum Gipfel gefehlt! Aber wir wollten -den Unfall am Vortag im Hinterkopf- kein Risiko eingehen, zumal eben auch die Route nicht ganz klar und das Gelände zum Teil wirklich sehr ausgesetzt war.

Der Abstieg in der Rinne war dann deutlich unangenehmer als der Aufstieg, viel Schutt und loses oder brüchiges Gestein, das kaum Halt bot. Möglicherweise klettert oder seilt man hier besser über den Westgrat  zur Scharte zwischen Kleiner und Grosser Vallüla ab. Am unteren Ende der Rinne dann nochmal eine Schrecksekunde: Von weit oben regneten plöztlich über die Südwestabbrüche der Vallüla grosse Steine senkrecht auf uns herab. Instinktiv duckte ich mich und versuchte, meinen (unbehelmten!) Kopf zu schützen, in der Erwartung, jeden Moment von einem Stein getroffen zu werden. Wie durch ein Wunder traf mich jedoch keines der "Geschosse" - Andi befand sich glücklicherweise etwas ausserhalb der Falllinie. Ohne Helm würde ich diese Tour nicht mehr angehen!

Gemeinsam traten wir dann wieder den Rückweg über den Maißboden an. Kurz nach dem Sattel zwischen Kleiner und Grosser Vallüla trafen wir auf einen einzelnen Tourengänger, der sich noch zu einer Besteigung der Vallüla aufmachte. Auf meinen Warnhinweis hinsichtlich des Steinschlags meinte er nur lapidar, das sei dort völlig normal, meist würde Steinwild den Steinschlag bewusst auslösen, um sich unliebsame "Eindringlinge" in ihr Revier vom Leib zu halten -  Na prima!

An der Abzweigung, wo rechts der Weg über den Umweg Richtung Bieler Spitze und links der (angeblich nicht mehr begehbare) Pfad direkt zur Bielerhöhe hinabführt, konnte ich es dann nicht lassen, den Weg doch zu probieren. Notfalls könnte ich ja wieder umdrehen...

Zunächst war der Pfad problemlos zu begehen, unterhalb des Abbruchs des "Maißbodens" aber war das steile Gelände an mehreren Stellen komplett abgebrochen, so dass ich mich -nur an einigen Grasbüscheln festhaltend und praktisch ohne richtigen Halt für die Füsse- über den Abgrund hangeln musste (T6). Dies war sicherlich nicht vernünftig und ist wirklich nicht zur Nachahmung empfohlen!! Dank meiner "Abkürzung" war ich dann wenigstens 20 min vor meinen Begleitern an der Bielerhöhe, wo unsere verletzte Tourenkameradin bereits wartete.

Fazit:

Die Gr. Vallüla, die Herrscherin des Hochmontafons (steht sie doch wie ein Pfeiler zwischen zwei Tälern) ist sicher ein lohnendes Ziel mit wohl phänomenaler Aussicht, jedoch wird der Steinschlag in der Rinne immer eine objektive Gefahr bleiben, die nicht unterschätzt werden darf. Möglicherweise ist eine Begehung im Frühsommer einfacher, wenn die Rinne mit Trittfirn gefüllt ist. Jedenfalls plane ich einen erneuten Versuch Mitte Juni - Interessenten, die mich begleiten möchten, dürfen sich gerne bei mir melden! 

Als Ausrüstung empfehle ich neben festen Bergschuhen einen Helm, evtl. Klettergurt und Reepschnur, um in der Rinne zu sichern und im Frühsommer Steigeisen und Pickel.

Tour mit Stephan und Andi

   

Tourengänger: marmotta

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