Vrenelisgärtli zum Zweiten


Publiziert von N_Altitude , 7. September 2017 um 16:37.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:31 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettersteig Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Glärnischgruppe 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:Klöntal Plätz - Chäseren - Glärnischhütte SAC - Glärnischfirn - Schwander Grat - Vrenelisgärtli
Zufahrt zum Ausgangspunkt:SBB bis Glarus, Postauto bis Klöntal Plätz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:SBB bis Glarus, Postauto bis Klöntal Plätz
Unterkunftmöglichkeiten:Glärnischhütte SAC

Nachdem wir mit unserer Hochtourengruppe im Juni diesen Jahres mit unserem lieben Bergführer Dani einen Aufbaukurs absolviert haben, hatten wir fest beschlossen, diesen Sommer einige Touren zu unternehmen. Es ist jedoch nicht immer ganz einfach, solch ein "Grüppli" zu mobilisieren. Jeder hat halt doch "sein Leben" nebst den Bergen und es ist terminlich nicht immer ganz einfach. Nachdem ein Teil unserer Gruppe im Juli bereits zusammentraf, um den Tiefenstock zu versuchen (leider nicht durchgeführt wegen grusigem Wetter, auf der Hütte waren wir aber), hatte ich vorgeschlagen, am So/Mo 30./31.7. einen Ausflug aufs Vrenelisgärtli zusammen zu unternehmen. 5 von 6 Personen aus unserer Gruppe hatten Zeit und so nahm ich noch mein neues Gspähnli mit, also waren wir dann doch auch zu sechst.

Die Tour aufs Vrenelisgärtli kannte ich schon, habe ich dieses doch im Herbst 2016 bereits mit einem anderen Kumpel zusammen mit einem Tessiner Bergführer besucht. Ich hatte daher noch in bester Erinnerung, wie die Route verläuft.  Ich möchte hier auch wirklich, nebst meiner obligaten Routen-Nachzeichnung, keine Worte zur Route verlieren. Eins sei aber gesagt: als "Organisator" unseres Unternehmens habe ich allen gesagt, sie sollen doch bitte ein Klettersteigset mitnehmen für den Ab- und Aufstieg am Schwandergrat. Ich hatte nämlich noch in bester Erinnerung, dass der Ab- sowie auch der Aufstieg durchgehend mit einer Kette mit Zwischenpunkten gesichert ist. Und das Vorgehen sollte sich dann auch als goldrichtig herausstellen.

Am Sonntag stiegen wir zeitig zur Glärnischhütte auf, da auf den Nachmittag Gewitter angesagt waren. Etwa eine Dreiviertelstunde vor der Hütte hat uns dieses dann auch erwischt :-/ Es ist wirklich immer wieder eindrücklich, wie schnell es in den Bergen gehen kann von "strahlend blauem Himmel" bis zu "Weltuntergangsstimmung" ... aber schlussendlich war es nur halb so wild, es war ein schwaches Ding und hatte ausser viel Getöse und Grollen nicht viel drauf. Wir kamen gut davon... An der Stelle möchte ich noch sagen, die Meitschi in der Glärnischhütte machen ihr Ding wirklich gut. Ich durfte ja zum zweiten Mal hier nächtigen und die Atmosphäre ist wirklich sympathisch und die Hüttenleute liebenswürdig.

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf und erreichen relativ rasch den Glärnischfirn. Das Wetter ist nicht so gut, wie angesagt, am Glärnischfirn angekommen, nehmen wir eine kleine unfreiwillige Dusche. Alles aber nur halb so wild, es tröpflät nur echli. Ich habe ein 30 und ein 40m Seil dabei, damit wir in 2 Dreiergruppen gehen können. Mein neues Gspähnli ist ein Naturtalent, braucht nicht mal viel Hilfe beim ersten Mal Steigeisen anziehen und drückt bereits bei der ersten kurzen etwas steileren Passage wie selbstverständlich alle Zacken schön ins Eis. Trotz dem aperen Gletscher (bis etwa 2/3), gehen wir angeseilt. Auf dem Gletscher sind wir alle eingespielt und verstehen uns, inkl. unserem Neuzugang, fast blind.

Wir gehen eher gegen den nördlichen Rand auf dem Glärnischfirn hoch, es hat praktisch keine nennenswerten Spalten. Weiter oben zielen wir etwa in die Mitte des kleinen, nicht steilen Felsriegels und stapfen in lockerem Firn bis zum Schwandergrat hoch. Die Wegfindung wäre aber sowieso kein Problem, sind wir 1. nicht die einzigen und 2. ist eine gute Spur vorhanden. Überloffen ist's an dem Tag aber nicht, es ist ja Montag vor dem 1. August, entsprechend war die Hütte nur etwa halb voll, und es gingen nicht alle zum Vreneli. Mit uns vielleicht etwa 5 Gruppen (eine Dreier, noch eine Dreier, eine Vierer und eine grössere Gruppe und wir).

Am Schwandergrat angekommen, entscheiden wir uns wie von mir vorgeschlagen, nebst den Pickeln, Stöcken und Steigeisen auch die Seile hier zu deponieren. Ein kurzer Blick hinüber zum Vreneli zeigte dass der ganze Grat schneefrei ist und nur ein klitzekleines Schneefeld im Schlussaufstieg vorhanden war. So montierten wir die Klettersteigsets und zogen alle einen Helm an. Wiederum hier ein gutes Beispiel für "es git keis richtig oder falsch"; die Dreierseilschaft vor uns seilte ab, andere gingen ganz ungesichert hinunter. Die einen hatten einen Helm auf wie wir, die anderen nicht. Es ist hier meines Erachtens Geschmackssache. Der Fels ist nicht wirklich stark brüchig hier, aber wenn sich viele Leute in den Steigen bewegen, tut es ja nicht weh, einen Helm zu tragen. Wir haben schliesslich alle nur einen Schädel. Da wir niemand über den Grat "zurückkommen" sahen, waren wir so frei, den "Aufstiegs-Steig" für den Abstieg zu benutzen. Es gibt bekanntlicherweise einen Abstiegs-steig und einen Aufstiegs-Steig. Am offiziellen "Abstiegs-steig" war die Dreierseilschaft jedoch derart langsam und lange mit Abseilen und sichern beschäftigt, dass wir uns eben für den "verbotenen Weg" entschieden, nämlich den für den Aufstieg gedachten Steig. Aber eben, wir waren uns einig, da kommt niemand über den Grat, und bis die ersten vom Gipfel kommen, sind wir mit unseren Klettersteigsets lange schon unten. Genau so war es dann auch. Die Entscheidung für die Klettersteigsets war goldrichtig - es ging wirklich zackig und rasant, denn alle hatten schon Erfahrung mit Klettersteigen. Einer unserer Gruppe hatte etwas kleine Karabiner, der ist hin und wieder an der Kette blockiert worden, aber ansonsten ging das prima.

Der Grat ist wirklich einfach zu begehen, wenn er aper ist. Es gibt immer gute Wegspuren - man sollte sich aber weder auf dem Hin-, noch auf dem Rückweg verleiten lassen, in eine der Flanken zu steigen. Sobald man zu weit vom Grat abkommt, ist man falsch. Als ich im vorigen Jahr mit meinem Kumpel und einem Bergführer dort war, führte uns der Bergführer beim Rückweg viel zu fest links in die Flanke - er kannte die Tour nicht und war sich sicher, dass die Spur etwa in der Mitte ziemlich fest in die Flanke führt. Das war eine brüchige Sache und heute erkannte ich an der Stelle, dass wir (auf dem Rückweg) schlichtweg mehr "auf" dem Grat hätten gehen müssen, da sind auch ganz klar Steigspuren ersichtlich und es ist laaange nicht so brenzlig. Dem Grat würde ich einfach eine "T4" geben, wenns um eine Bewertung nach 'meinem Geschmack' ginge.

Der Schlussaufstieg ist rasch erledigt, hie und da etwas geröllig/schuttig, aber wirklich nicht schwierig, und auch hier, für geübte T4-T5 Berggänger absolut kein Problem. Das Wetter verschlechterte sich leider zunehmends und unser Grüppli war auch nicht mehr so homogen unterwegs. Wir haben einen 'Sprinter' in der Gruppe, der halt einfach immer etwas vorprescht, und so zog es uns etwas auseinander. Auf dem Gipfel machten wir nur kurz Halt, da ganz schön dunkle Wolken aus Westen aufzogen. Es kam dann auch ein ganz fürchterlicher Wind hinzu, so dass wir dann alle froh waren, auf dem Schwander Grat zurück zu sein. Es zog wirklich ganz heftig, wir mussten uns alle konzentrieren beim Steigeisen montieren, so fest windete es. Der Rückweg dann war nur noch Formsache, unten am Firn angekommen wurde es dann auch wieder schöner Wetter, die dunklen Wolken waren nur "Blöff"... :-)

Alles in allem kann ich das Vrenelisgärtli gut als Einsteigertour empfehlen. Geübte T4-T5 Bergwanderer werden ihre Freude an der Tour haben. 


Tourengänger: N_Altitude


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