Üssers Barrhorn via Schölligletscher


Publiziert von N_Altitude , 6. September 2017 um 15:04.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:23 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2500 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:St. Niklaus - Topalihütte SAC - Schölligletscher - Schöllijoch - Üssers Barrhorn - Gässi - Turtmannhütte SAC - Gruben
Zufahrt zum Ausgangspunkt:SBB bis Visp, MGB bis St. Niklaus
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Seilbahn Turtmann-Oberems, SBB ab Turtmann bis Visp
Unterkunftmöglichkeiten:Topalihütte SAC, Turtmannhütte SAC

Nach jahrelangem "Nutzen" und Durchstöbern von Hikr.org habe ich mich entschlossen, damit zu beginnen, selber Berichte zu schreiben. Die vielen tollen Berichte auf Hikr.org bereiten mir schon jahrelang Freude. Nebst Inspiration, Tipps und Bildern zu Touren ist es schlussendlich auch einfach spannend, Erlebnisse von anderen Bergbegeisterten lesen zu dürfen. Es ist unglaublich, was für eine tolle Sammlung von Berichten, Erfahrungen, Hinweisen, Routentipps und Inspirationen zu neuen Abenteuern sich auf dieser Website finden. Aus diesem Grunde will ich ab nun auch dazu beitragen, denn, wenn alle nur "konsumieren" würden, und niemand mehr etwas beiträgt, dann wäre diese Community nicht mehr existent. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an all die vielen fleissigen Mitglieder!

Beginnen möchte ich mit einer süssen Tour, die wir am 22./23.7. unternommen haben. Eigentlich wollten wir uns an besagtem Wochenende die La Ruinette (3875m) vornehmen, aber das Wetter war nicht zu 100% nach unserem Geschmack. Bei dieser Tour wollen wir perfektes, stabiles Wetter haben. Also haben wir uns kurzerhand am Freitag Abend entschlossen, dem Barrhorn einen Besuch abzustatten. Da es sich hierbei um einen "Wandergipfel" handelt, versprachen wir uns bei einer Wetterverschlechterung einen problemlosen Abstieg via Turtmannhütte - die Region kannte ich bereits von einer Tour im Sommer 2016, wo wir via Gässi über den Turtmanngletscher in die Tracuithütte aufstiegen und so wusste ich, dass mir die Wegfindung "hinunter" vom Barrhorn keinerlei Sorgen bereiten würde.

Für den Aufstieg wählten wir die Variante über die Topalihütte und den Schölligletscher (oder was davon noch übrig ist). So starteten wir am Samstag morgen sehr früh, denn auch für Samstag waren ab dem Nachmittag Gewitter und Regen angesagt. Dem wollten wir nicht begegnen und so fuhren wir mit dem 07:02 Uhr Zug ab Zürich HB ab. In St. Niklaus marschierten wir dann so gegen 10 Uhr los. Zuerst der Strasse und den Gleisen entlang, bis zu einer kleinen Kapelle. Dort zweigte der steile Weg richtung Topalihütte ab. Der Weg ist sehr schön und schlängelt sich spannend über die Felsen hoch, teilweise sogar recht luftig. Auf halber Höhe hat man einen tollen Ausblick bis hin zum Aletschgletscher. Dieser Hüttenzustieg ist sehr lang und wir benötigten 5 Stunden hierfür (/zugegeben, wir haben es "gmüetlich gno" und haben bei schönen Aussichtsplätzen jeweils Pause gemacht). Der Duft des Waldes und die tolle Aussicht will genossen werden :)

Auf der Topalihütte war nicht so viel los, wie gedacht. Gut 40 Plätze bietet die Hütte, es waren etwa 25 Leute da. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und die grossen Aussichtsfenster im Aufenthaltsraum reichen bis zum Boden. Die Aussicht ist wirklich eine Wucht, gegenüber strahlen Dom und Täschhorn um die Wette. Das Hüttenteam ist sehr liebenswürdig und herzlich, man merkt, dass die Hüttenleute Freude an ihrer Arbeit haben. Das Znacht war super und erst recht das Dessert. Am Abend gab es noch etwas Regen und Gewitter, in der Nacht beruhigte sich die Situation aber wieder.

Am Morgen des 23. Juli hatten wir es nicht eilig, der Wetterbericht sagte für den frühen Morgen noch Restbewölkung an (was auch so war) und so machten wir uns gegen halb Acht auf den Weg. Der Weg zum Schölligletscher ist fast bis zur Hälfte mit blauen Reflektoren ausgestattet, also wäre auch ein Aufbruch in der Dunkelheit prima möglich. Allerdings nach etwa 1 Stunde weg sind die Reflektoren zu Ende, danach ist wbw-markiert. Die Sicht zum Brunegghorn ist atemberaubend, auch da will ich unbedingt einmal hinauf. Der Wegverlauf zum Schölligletscher ist klar und ordentlich markiert. Für den Aufstieg ins Schöllijoch hatte ich in der Hütte vorab nach den Verhältnissen gefragt. Man sagte mir, dass weder seil, Steigeisen, noch Pickel nötig sind. Dem stimme ich absolut zu, jedoch gibt es einen Bergschrund zu überwinden - das ging sehr "gäbig" aber ich möchte hier schon erwähnen, dass es also ein nicht zu verachtender Schrund ist. Wir hatten Helme dabei für die Kletterstelle, was sich auch als goldrichtig herausstellte, im Couloir linkerhand zum "Klettersteig" gab es Steinschlag und wir beobachteten einige Fussball-grosse Brocken, die herunterkullerten. Ansonsten gab es keine nennenswerte Schwierigkeiten, es ist ein sehr einfacher und kurzer "Klettersteig". Ein Klettersteigset würde hier nicht viel Sinn machen (aus meiner Sicht), da man nicht durchgehend sichern kann, und auch ist es nicht immer ein Draht sondern oft auch Seile, an denen man sich besser einfach festhält. Für geübte T4 bis T5 Berggänger stellt diese Passage kein Problem dar.

Auf dem Schöllijoch angekommen, blies uns ein stürmischer Wind um die Ohren. Auf dem üssere Barrhorn hat es zudem in der vergangenen Nacht etwas "Zucker" gegeben. Das sah echt schön aus. Der weitere Aufstieg ist klar, Markierungen sind selten aber auch absolut nicht notwendig, es ist ein gut ausgetretener Weg. Das innere Barrhorn liessen wir "rechts" liegen und stiegen direkt zum üssere auf. Es ist wirklich eine tolle Rundsicht, das Bishorn dominiert die Aussicht im Süden. Wir nahmen uns Zeit für eine ausgiebige Gipfelrast. Nach etwa einer halben Stunde zog es etwas zu, und so machten wir uns langsam an den Abstieg Richtung Turtmannhütte. Wir wählten dafür den "direkten" Weg, ohne nochmal über das Schöllijoch auszuholen, was prima ging. Der Abstieg bis zum Gässi zieht sich ziemlich, aber auch hier nahmen wir es einfach gemütlich. Das Gässi ist prima gesichert, die Stöcke muss man nicht versorgen, man kann sie einfach in die linke Hand nehmen. Vor der Turtmannhütte hatte es viele schöne Edelweiss - und in der Hütte können wir die Schwarzwäldertorte empfehlen ;)

Nach der Stärkung nahmen wir den weiteren Abstieg unter die Füsse, geplant war nach Gruben zum Postauto, jedoch liefen wir im Sänntum direkt dem Alpentaxifahrer in die Arme, welcher sagte, er hätte noch 2 Plätze frei. Da sagten wir nicht nein und durften mitfahren bis nach Oberems, wo wir dann mit der Seilbahn nach Turtmann hinunter fuhren.

Es war wirklich ein tolles Wochenende. Eine schöne, einfache Tour mit etwas alpinem Feeling und wunderschönen Ausblicken. Auch wenn das Barrhorn als "Wandergipfel" verschrien ist, lohnt sich die Route über den Schölligletscher, nebst einer kleinen Gruppe waren wir die einzigen an dem Tag, die von dieser Seite aufstiegen. Ich denke, von der Turtmannhütte aus sieht das etwas "überloffener" aus. Alles in allem kann es aber nur empfehlen, diesen Gipfel einmal besucht zu haben, ja, auch wenn man schon anspruchvolleres unternommen hat. Gerade bei nicht so optimalen Wetterverhältnissen bietet sich dieses Tüürli prima an, da der Abstieg in die Turtmannhütte gut markiert bzw. die Pfade gut ausgetreten sind und man auch bei Nebel sich echt Mühe geben müsste, um sich zu 'verlaufen'.

Ich hoffe, mein erster Bericht hat Euch gefallen :)  Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung und wünsche Euch allen weiterhin tolle Erlebnisse in den Bergen.


Tourengänger: N_Altitude


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Kommentare (2)


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Umumba hat gesagt:
Gesendet am 6. September 2017 um 18:10
Sehr schönes Berichtdebüt!

svj hat gesagt: Danke!
Gesendet am 8. September 2017 um 08:43
Ich studiere auch gerade an dieser Tour rum und mit deinem Bericht hast du mir sehr geholfen! Wirklich top geschrieben! Weiter so!


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