Mönch 4107 via Südwestgrat - Tour mit Überraschung


Publiziert von roger_h Pro , 1. September 2017 um 23:26. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:27 August 2017
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 650 m
Abstieg: 650 m
Strecke:Mönchsjochhütte - Mönch Südwestgrat - Mönch - Mönch Südostgrat

André (Schwager und Bergbuddy) und ich haben vor ca. 2 Jahren eine gemeinsame Projektliste erstellt und versuchen seither, ab und zu einen Haken hinter eine Tour zu setzen. Jedes Jahr sind wir als Familienväter aufs Neue überrascht, wie schnell die Tourensaison vorüber ist und wie spärlich die möglichen Termine. Nachdem wir im vergangenen Juli mit dem Willsgrätli auf das Wetterhorn bereits die erste Tour im 2017 von dieser Projektliste streichen konnten, fiel die Wahl für die nächste Unternehmung auf den Südwestgrat des Mönchs.

Der Südwestgrat verspricht eine interessante Tour mit moderaten, jedoch mit im Vergleich zum Normalweg leicht erhöhten Schwierigkeiten und weniger Leuten. Eigentlich kann man den Mönch auch gut als Tagestour besteigen, wir wollten aber in der Mönchsjochhütte übernachten und uns früh auf den Weg machen, was sich nachträglich aufgrund des Wetters als gute Entscheidung erwies.

Für uns überraschend machte sich am Morgen die Mehrheit der Berggänger auf den Weg Richtung Jungfrau. Der Mönch war an diesem Tag weniger überlaufen, als wir uns das im Vorfeld ausgemalt hatten.

Der Einstieg zum Südwestgrat ist einfach zu finden, er erstreckt sich von der Sphinx am Jungfraujoch direkt zum Gipfel des Mönch. Ziemlich am Anfang des Südwestgrats hat dieser einen sehr markanten Turm. Um zum Einstieg auf den Südwestgrat zu gelangen, quert man auf der rechten Seite unterhalb dieses Turms durch und gelangt gleich anschliessend zu einer ausgeprägten Rinne.
Auch in anderen Berichten zum Südwestgrat wurde es schon erwähnt, der Einstieg ist gar nicht sooo einfach, wir waren auf jeden Fall schon mal überrascht und vermutlich frühmorgens noch nicht auf unserem üblichen Kletterniveau angelangt. Pro-Tip: Wer nicht Grösse und Statur eines schlanken Kleinkinds aufweist und mit Rucksack unterwegs ist, wird es nicht schaffen, sich durch die verlockende Verengung zu zwängen. Optimistisch wie ich bin, habe ich es für euch erfolglos getestet. Etwas rechts der Verengung befindet sich der erfolgsversprechendere Einstieg zur Kletterei.
Auf dem Grat angekommen, geht es zuerst auf der linken Seite und unterhalb des Grats weiter, bis man bei nächster Gelegenheit wieder auf den Grat steigt. Nun recht einfach weiter, bis man an den plattigen Aufschwung gelangt, die sogenannte Schlüsselstelle.
Aufgrund von Tourenbeschreibungen hatte ich mir nie ernsthaft Sorgen um diese Stelle gemacht, die Tritte und Griffe wurden zwar als eher klein beschrieben, die Kletterei aber eigentlich als nicht allzu schwierig. Wir waren dann zum zweiten Mal etwas überrascht aufgrund der angetroffenen Situation und Schwierigkeiten. Wie André nach unserer Tour aufgrund von Recherchen herausgefunden hat, löste sich am 3. August 2017 der untere Teil des plattigen Aufschwungs und krachte auf den Gletscher. Der plattige Aufschwung hat nun ein veritables Dach und kann schwerlich direkt erklettert werden. Aus unserer Sicht gibt es zwei Varianten, links herum und ausgesetzt oder rechts auf einem mächtigen Riss hoch mit für uns an diesem Tag ungewisser Fortsetzung. Weil wir dem Riss bzw. der Stabilität des Fels drumherum nicht trauten, kletterten wir links über die Kante und von da schräg aufsteigend, bis wir wieder den Grat erreichten. Ich bin die Stelle zuvor nie geklettert, aber man darf davon ausgehen, dass sie zumindest in unserer Variante eher luftiger, schwieriger und weniger gut abzusichern geworden ist.
Danach erreicht man bald ein Schuttband, dem man folgt bis es einen Knick nach links macht, der einen wieder auf den Grat führt. Von da an ist der Weiterweg wohl individuell und abhängig von der Firnauflage, führt aber schlussendlich in Richtung der ausgeprägten Einkerbung ziemlich an der höchsten Stelle des Grats.
Bei der erwähnten Einkerbung wechselt man auf die andere Seite, wo ein Firngrat zum Gipfel führt. Den Berichten, die wir uns vor der Tour zu Gemüte gerführt haben, konnten wir entnehmen, dass der Firnteil oberhalb der Nollenroute steil ist und man sich aber nicht zu nahe an die Wechten wagen soll. Just in dem Moment, als wir diesen Teil begingen, umgab uns dichter Nebel und wir sahen praktisch nichts mehr. Dadurch konnten wir die Steilheit nicht recht einschätzen und sahen auch den Verlauf der Wechte nicht. Zum Glück hatte es eine gute Spur zum Gipfel, der wir aufgrund der Situation dann auch vertrauten.

Die Gipfelgrat vom Gipfel zum Abstieg über den Normalweg ist zwar äusserst schmal und ausgesetzt, hatte aber eine gute Spur und aufgrund des Nebels war die Ausgesetztheit für uns auch nicht direkt einsehbar.
Am Ende des Gipfelgrats führt ein steiler, mit Sicherungsstangen versehener Firngrat abwärts zum felsigen Teil des Abstiegs. Wir hatten es nun nicht mehr eilig und kreuzten noch einige Gipfelaspiranten, die am Morgen mit der Jungfraujochbahn hochgefahren sind und den Mönch als Tagestour absolvierten.

Einmal mehr eine von A-Z super Tour mit André, es macht einfach jedes Mal viel Spass. Die Tour ist sehr zu empfehlen, einerseits nicht allzu schwierig, gut erreichbar und trotzdem nicht überlaufen. Bei viel Blankeis in den Steilstellen erhöht sich die Ernsthaftigkeit der Tour unter Umständen wesentlich. Die Bergführer von Grindelwald wurden von uns betreffend des Felsausbruchs kontaktiert, waren jedoch bereits im Bilde und beraten momentan, ob etwas und falls ja was zu tun ist.

Tourengänger: roger_h, anho


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Kommentare (1)


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WoPo1961 Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. September 2017 um 23:46
Jungs, det hapta juut jemacht! Wobei ich auch keine Zweifel hatte, das ihr es vielleicht nicht schafft... (Ich war ja nicht dabei.). Und selbst mit überraschenden Schwierigkeiten seid ihr gut klar gekommen. DA ist der Moment des Schweizhut zückends gekommen. Also, Hut ab!


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