Le Pleureur (3704)


Publiziert von AS94 , 30. August 2017 um 15:03.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum:26 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 1 Tage 8:30
Aufstieg: 1880 m
Abstieg: 1880 m
Strecke:ca. 15 Km gesamt

Le Pleureur ist ein 3704m hoher Gipfel im westlichen Wallis, oberhalb des Stausees Lac de Mauvoisin.
Wir (ich und meine Begleitung) starteten gegen 6:15 Uhr in der Dämmerung beim Hotel Mauvoisin unterhalb der Staumauer. Über die für den öffentlichen Verkehr gesperrte Straße und einen beleuchteten Tunnel gelangt man auf die Staumauer hinauf, welche man überqueren muss. Auf der Ostseite des Sees geht man durch ein paar unbeleuchtete kurze Tunnel, bis links unvermittelt eine kurze Eisenleiter auftaucht. Hier beginnt der Aufstieg. Oberhalb der Leiter geht man kurz nach links bis eine zweite, höhere Leiter (ca. 10-12 Meter) auftaucht. Hier versteckt sich auch ein blaues Schild mit der Aufschrift "le pleureur". Auch diese Leiter muss man überwinden und einem gesicherten, über dem See ausgesetzten Steig bis zu einem großen Wiesenhang folgen (hier viel Edelweiß :)). Der ausgetretene Weg führt im Zick-Zack links von einer Schlucht mit Wasserfällen bis unter Felswände. Ketten helfen einem über eine feuchte, erdige Steilstufe hinweg. Bis dahin wird die Szenerie vom Stausee, dem Edelweiß und dem Donnern der Wasserfälle bestimmt. Nun wird das Gelände etwas flacher und erneut helfen Ketten über eine Stelle mit Felsplatten hinweg. Etwas überraschend taucht eine Art Blechhütte (geschlossen) mit einer hohen Leiter darüber auf. Diese muss zum Glück nicht bestiegen werden.
Hier hält man sich nämlich links und der nun etwas undeutlichere Pfad führt steil eine Art Seitenmoräne hinauf. Auf über 2900 Metern (oberhalb des Gletschers)  gibt es zwei Möglichkeiten. Der Pfad verliert sich ein wenig und Steigspuren führen geradeaus weiter, bevor man links einen leicht begrünten Rücken hinaufsteigen muss, oder man geht an der Stelle, wo der Pfad undeutlicher wird gleich im Schutt steil links hoch. Im weiteren Verlauf muss man sich bei zahlreichen Wegspuren eh den besten Weg selber suchen. Ziel muss auf jeden Fall ein auffälliger Felsturm auf dem SW-Grat sein. Diesen erreichten wir nach mühsamem Schuttaufstieg auf ca. 3100m Höhe.
Nun beginnt der Aufstieg entlang des SW-Grates. Immer wieder führen Spuren in die von Schutt und Geröll übersähte Süd-Flanke. Diese ist zwar nicht sonderlich steil, aber durch die Kombination aus Schutt und Felsplatten etwas heikel und mühsam. Wir versuchten deshalb immer wieder zum festeren Grat zurück zu gelangen, ein paar Stellen im 1.Grad nicht meidend. An einigen Stellen ist das Ausweichen in die Flanke aber unvermeidlich. Es bleibt einem nichts anderes übrig als immer wieder neu zu entscheiden wo die beste Route ist. Wegspuren finden sich immer wieder welche. Spätestens zum Gipfelaufbau muss man dann aber steil hinauf. Auch hier finden sich Pfadspuren in Schutt und Geröll. Ein paar Stellen im 1. Grad lassen sich kaum vermeiden, aber festen Fels zum Klettern als Alternative zum schuttigen Gipfelhang haben wir auch nicht gefunden. Somit gelangt man ohne große Schwierigkeiten, aber mit einer Menge Mühe in lockerem Schutt zum breiten Gipfelplateau.
Beim Abstieg kann man sich an der Aufstiegsroute orientieren, die schuttigen Passagen beim Verlassen des Grates am großen Felsturm bieten einen weichen Untergrund zum absteigen.
Die Aussicht vom Gipfel ist wirklich sehr schön, bei uns war es recht dunstig, aber auch die Tiefblicke ins Val de Bagnes sind beeindruckend. Den Gipfel erreichten wir gegen 12:45 Uhr. Die reine Gehzeit sollte für gut konditionierte, erfahrene, orientierungsstarke, mittelschnelle Bergwanderer im Bereich von 5 Stunden Aufstieg und 3 bis 3,5 Stunden Abstieg liegen. Daher (und auch wegen der Morgenstimmung) meinen wir, dass ein früher Aufbruch ratsam ist, wenn man noch Pausen machen möchte und nicht erst spät abends zurück sein will.
Beurteilung von Gefahren, Schwierigkeit und Ausrüstung:
Nicht nur für die Leitern sollte man schwindelfrei sein. Ansonsten herrscht in der Süd-Flanke leichte Steinschlaggefahr, auch wenn man sicher nicht viele Leute trifft. Ein Helm kann evtl. sinnvoll sein. Bei aperem Zustand (wie bei uns) braucht man keine Schnee- und Eisausrüstung. Sonst das übliche.
Man kann die Tour bei optimalen Bedingungen und gutem Orientierungssinn als Wanderung T5 einstufen. Aklimatisation und viel Erfahrung (Trittsicherheit!) sind aber auf jeden Fall nötig, sowie sehr gute Ausdauer. Ansonsten würde ich alternativ die Tour auch als WS Berg-/Hochtour bezeichnen.

Tourengänger: AS94

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