Hocheisumrahmung


Publiziert von bula_f , 28. August 2017 um 00:41. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Berchtesgadener Alpen
Tour Datum:25 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   D 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1710 m
Abstieg: 1710 m
Strecke:Je 8 km (330 hm) radln und 13,2 km wandern
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über B305 nach Hintersee und östlich des Sees parken.

"Die Umrahmung des Hocheiskares ist eine der interessantesten, aber auch längsten geschlossenen Kammklettereien der Berchtesgadener Alpen. Landschaftlich großartig in meist einsamer Berglandschaft." 
 
- Rother Alpenvereinsführer Berchtesgadener Alpen (1990)
 
Heute ging es mit dem Joseph in die Berchtesgadener, um die Hocheisumrahmung in der Richtung vom Karkopf über Kammerlinghorn, Hochkammerlinghorn, Hocheisspitze, Hinterberghorn, Hocheishörndl und Vorderberghörndl anzugehen. Da bei der Überschreitung einiges an Strecke und somit Zeit zusammen kommt, sollte das Wetter passen. Nach dem durchwachsenen und von der Vorhersage abweichenden Wetter der Vortage erwischten wir zu unserem Glück "den besten Tag der Woche" (Sennerin der Bindalm) und so konnten wir die Überschreitung bei perfekten Verhältnissen genießen.  
 
Los gehts mit den Radln am P Holzlagerplatz am Hintersee hinter durchs morgendliche Klausbachtal zur Bindalm und von dort zu Fuß weiter zur Mittereisalm. Nach der flachen Querung der Almfläche geht es in den Kiefernwald und bald steiler durch eine Rinne hoch zu den Felsen der Mooswand. An diesen entlang führt der Steig auf den Westrücken des Hocheisstocks und hoch zum ersten Gipfel der Umrahmung, dem Karkopf, den wir nach 1,75 h von der Bindalm erreichen. Hier machen wir eine Frühstückspause und genießen den Ausblick. Gestärkt geht es die restlichen knapp 300 hm monoton auf dem breiten Rücken weiter zum Kammerlinghorn (30 Min. vom Karkopf). 
 
Am Gipfel treffen wir zwei Kameraden aus Österreich, die ebenfalls die Umrahmung machen wollen. Kurze Zeit später stößt noch ein Alleingänger zu unserer losen Gruppe. Wir werden uns den Tag über immer wieder an den schwierigeren Stellen, wo es etwas Zeit braucht, sehen.
 
Der erste Turm auf dem Weg zum Hochkammerlinghorn wird über ein Band auf der Nordseite gewonnen. Der Fels ist hier sehr gut und kompakt, so daß die Kraxelei (II) uneingeschränkt Laune macht. Ab dem ersten Turm geht es direkt am Grat weiter und dann plattig (II) aufs Hochkammerlinghorn. Von hier weiter am Grat, dann durch eine Rinne in der Nordflanke runter zur ersten kurzen IIIer-Stelle. Es hängt ein Seil in dem Wandl, das man aber nicht wirklich benötigt, da sich gute Griffe und Tritte anbieten.  
 
Aus der Scharte nach dem Wandl geht es in tollem Fels ca. 30 m hoch auf den nächsten Turm. In der Folge bleibt man wieder immer direkt am Grat in zunehmend brüchigerem Ramsaudolomit zum nächsten Turm, auf dessen Rückseite die nächste IIIer-Stelle wartet. Auch hier hängt wieder ein Seil.
 
Jetzt ist die Hocheisspitze nicht mehr weit, ein paar Türmchen wollen allerdings noch überklettert werden, bevor wir in ziemlichem Bruch den Gipfel erreichen (1,25 h ab Kammerlinghorn).
 
Nach einer Pause geht es unschwierig, aber brüchig am Grat weiter Richtung Hinterberghorn (die Kameraden querten im obersten Hocheiskar zur Scharte zwischen Hocheisspitze und Hinterberghorn, was genauso problemlos möglich ist). Vorbei am versicherten Abstieg aus der Scharte zwischen Hocheisspitze und Hinterberghorn runter zum Hochfeld zur Schlüsselstelle im Übergang zum Hinterberghorn. Man quert gutgriffig mit sehr viel Luft unter den Sohlen zunächst ein paar Meter in die Nordwand des Hinterberghorns raus, um dann einen plattigen Aufschwung in verlässlichem Fels zu ersteigen (III-; zwei Kameraden umgingen die Schlüsselstelle auf Querungsspuren im oberen Hocheiskar und stiegen dahinter unschwierig wieder auf den Grat). Danach geht es unkompliziert weiter zum Gipfel des Hinterberghorns (30 Min. von Hocheisspitze). 
 
 
Über den Vorgipfel des Hinterberghorns geht es direkt am Grat weiter bis einen Steinmandl auf schuttige Bänder in die Nordflanke weisen. Nach den Bändern wird ein Turm ausgesetzt überklettert. Der darauf folgende Turm wird einfach gewonnen und wieder entlang einem Band in der Nordflanke abgeschritten. Der letzte Turm vor dem Hocheishörndl wird in gutem Fels durch eine ca. 25 m lange Verschneidung (II+) auf der Nordseite gewonnen und auf der Südseite durch einen Riß in die Scharte vor dem Hocheishörndl abgeklettert (III+).
 
Aus der Scharte geht es fotogen an scharfer Kante hoch aufs Hocheishörndl (1,25 h vom Hinterberghorn). Hier verabschieden wir uns von den Kameraden, die nicht mehr aufs Vorderberghörndl steigen wollen und setzen nach einer Pause den Weg am Grat (Steinmänner weisen in die Nordflanke - beides ist möglich) zum letzten Gipfel des Tages, dem Vorderberghörndl, fort.
 
Über gelenkschonende Graspolster geht es an den schönen Aufschwung zum Vorderberghörndl (II+) und schnell hoch auf den Gipfel (30 Min vom Hocheishörndl). Von dort auf markierten Steigen über die Todtenlöcher, Hoch- und Mittereisalm in herrlich uriger Landschaft runter zu den Radln an der Bindalm (1,5 vom Vorderberghörndl).
 
Fazit
Die Hocheisumrahmung zeichnet sich vor allem durch ihre wunderschönen landschaftlichen Eindrücke und die Homogenität der Schwierigkeiten in den unteren Graden aus. Von Weitem mag man es kaum glauben, dass der III. Grad nur an wenigen Einzelstellen abgerufen wird - die Kraxelei löst sich stets wohlwollend auf. Der Fels (Dachsteinkalk) ist bis auf rund um die Hocheisspitze (Ramsaudolomit) durchaus brauchbar. Man sollte insbesondere in diesem Bereich auf brüchiges Gestein gefasst sein. Darüber hinaus haben wir die stets kurzweilige Kammkletterei mit sehr viel Freude genoßen und können diese klassische Bergfahrt nur absolut empfehlen. 

Tourengänger: Wagemut, bula_f

Galerie


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