Piz Salacina 2599 m - Zwischen Oberengadin und Bergell, eine Aussichtskanzel der Extraklasse


Publiziert von Ivo66 Pro , 20. August 2017 um 17:30.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum:20 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:45
Aufstieg: 850 m
Abstieg: 850 m
Strecke:Malojapass (Parkplatz südlich) - Lägh da Cavloc - Bosch da Cavloc - P. 2567 m - Südgrat - Piz Salacina
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Kommt man von Silvaplana, fährt man durch das Dorf Maloja hindurch und auch an der Passhöhe vorbei. Bei der ersten Rechtskurve zu Beginn der Abfahrt ins Bergell, zweigt ein Strässchen nach links ab (signalisiert mit "Parkplatz"). Grosser Gratisparkplatz.
Kartennummer:1:25'000 Val Bregaglia

Auf der Gratschneide westlich des Val Forno, welche das Bergell vom Oberengadin trennt, thront ganz im Norden der Piz Salacina, ein kecker Felskopf, der einem auf der Anfahrt von Silvaplana nach Maloja sofort ins Auge sticht. Obwohl er eine prächtige Aussicht über das ganze Bergell und das Oberengadin bietet, wird er wohl selten bestiegen. Dies, obwohl sein Zustieg gar nicht einmal so unbequem ist und lediglich der Schlussaufstieg über den Südgrat zwar etwas anspruchsvoller ist; aber im eher gemässigten T5-Bereich verläuft. Zu meinem Erstaunen war er bis heute selbst auf hikr.org ein weisser Fleck, der heute endlich seine Premiere verdient hatte.

Bei eiskalten Temperaturen starteten wir am grossen Parkplatz über dem Malojapass in zunächst schattigem Gelände. Bald aber, im Aufstieg durch den Wald, war es zunehmend windstill und wir kamen bald auf Betriebstemperatur. Am frühen Morgen herrschte noch Ruhe am wunderschön gelegenen Lägh da Cavloc, was sich aber bis zu unserer Rückkehr drastisch geändert haben sollte. Wir stiegen noch kurz dem Wanderweg entlang weiter hoch, verliessen ihn aber auf nicht markiertem, aber gutem Pfad und tauchten in eine einsame Bergwelt auf mit der typischen Engadiner Vegetation. 

Nun galt es, bald an geeigneter Stelle den Südgrat anzupeilen. Das Gelände präsentierte sich nicht besonders beeindruckend, wenn auch recht steil. Wir fanden aber eine optimale Aufstiegsroute in gut gestuftem Gras und ereichten den Grat südlich von P. 2567 m, den wir dann auf der Westseite in Geröll umgingen. Dort ragte nun der Piz Salacina auf eindrückliche Weise in die Höhe, wenn auch der Schlussaufstieg kaum 100 Höhenmeter beträgt.

Im Aufstieg über den Südgrat begegneten wir zu unserer grossen Überraschung einem anderen Berggänger, der den Piz Salacina über den bedeutend anspruchsvolleren Nordostgrat bestiegen hatte und sich bereits im Abstieg befand. Nach einem freundlichen Wortwechsel setzten wir den kurzen Schlussaufstieg fort, meist dem mit Edelweissen übersäten Grat entlang, ab und zu etwas nach Osten ausweichend.

Der Alpenhauptkamm hielt die meisten Wolken zurück, so dass die Südseite des Engadins einen sonnigen, wenn auch kühlen Tag erlebte. Wir genossen die tolle Aussicht von diesem einsamen Gipfel. Kaum zu glauben, was ein Berg zwischen Engadin und Bergell mit nicht einmal 2600 m. ü. M. für ein Panorama bieten kann, wenn er am richtigen Ort in die Höhe ragt. Zöge man eine gerade Linie vom Bergell ins Engadin über die südlich verlaufende Bergkette, so verliefe diese direkt über den Piz Salacina.

Unser Abstieg erfolgte dann direkter als die zuvor begangene Aufstiegsroute. Der Berggänger, welchen wir getroffen haben, gab die Route vor, indem er direkt vom Grat, praktisch am Gipfelfuss in der Falllinie abstieg und dort durch ein Couloir den Rasenhang erreichte. Dazu war dort eine kurze, aber heftige Kletterstelle im 2. Schwierigkeitsgrad im Abstieg zu meistern.

Am Lägh da Cavloc angekommen, erlitten wir einen veritablen Kulturschock: Waren wir praktisch den ganzen Tag zuvor alleine unterwegs, reihten sich am Seeufer Badetuch an Badetuch mit entsprechend vielen Menschen, die die Sonne und den herrlichen See genossen. 

Routenbeschreibung:

Malojapass - Lägh da Cavloc (T1 - T2)
Die Route ist gut ausgeschildert. Man hat die Wahl, bis zum See dem Fahrsträsschen zu folgen oder dieses auf guten Wanderwegen abzukürzen (ausgeschildert).

Lägh da Cavloc - Südgrat Piz Salacina (T3)
Vom See folgten wir dem Wanderweg Richtung "Pass dal Caval", der sich vom westlichen Seeufer in nordwestlicher Richtung den Hang hinauf zieht. Man verlässt den Bergwanderweg ziemlich genau auf 2100 m. ü. M. nach links auf einem guten, aber weder ausgeschilderten noch markierten Pfad. Ohne nennenswerten Höhengewinn folgt man dem Pfad in südlicher Richtung. Man trifft dann auf eine Felsplatte am Boden, welche eine rote Aufschrift "Salecina" mit Pfeil hat. 

In Pfeilrichtung folgten wir dem Pfad hier noch einige Kehren in westlicher Richtung. Dann peilten wir P. 2567 m auf dem Grat an und stiegen etwas links von Felsplatten über recht steile Grashänge in gut gestuftem Gelände zur Grathöhe auf. P. 2567 m umgingen wir auf der Westseite über Geröll.

Südgrat - Piz Salacina (T5)
Man folgt meist direkt dem Grat mit zwei Abweichungen auf die Ostseite, teilweise sogar auf Wegspuren, zum Teil über abschüssige Schrofen. Im oberen Gratabschnitt sind ein bis zwei leichte Kletterstellen zu bewältigen. 

Abstieg vom Südgrat (nördlich von P. 2567 m) durch ein Colour (T5, II)
Etwa in der tiefsten Stelle zwischen Gipfel und P. 2567 m stiegen wir steil zu einem von oben knapp sichtbaren Couloir ab und kletterten durch dieses auf Felsstufen rückwärts ab. Der Fels ist fest - die Tritte und Griffe müssen aber ab und zu etwas gesucht werden. Hat man diese Stelle gemeistert, steigt man über eine steile Grashalde ab und trifft dann bald auf die Spur, welche wieder zum Wanderweg leitet.

Tourengänger: Ivo66, Lena


Galerie


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