Der Dritte Weg - Zwölfihorn und Bündner Vorab (3028 m)


Publiziert von PStraub , 18. August 2017 um 08:43.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:17 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Segnas-Vorabgruppe   CH-GL 
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m

Vor ein paar Tagen ist Bergamotte auf dieser Tour durch das Schwarzwändli auf- und via Grischsattel abgestiegen. Diese Routen sind blau-weiss markiert. Doch nur wenige wissen, dass es aus dem Martinsmad-Kessel noch einen "dritten Weg" auf den Vorabgletscher gibt: die Route via Zwölfihoren.

An der Konferenz von Bandung wurde von den anwesenden Staatsführern ein "Dritter Weg" (neben dem Kapitalismus des Westens und dem Staatsozialismus der Sowjetunion) postuliert. Aus "Drittem Weg" wurde "Dritte Welt" - das war ursprünglich durchaus positiv gemeint.
Diktatorisches Gehabe und wirtschaftliche Inkompetenz der meisten beteiligten Politiker sorgten dafür, dass Dritte Welt heute eher für politisches Versagen und menschliches Elend steht.
Die Bandung-Teilnehmer bezeichneten sich auch als "Blockfreie". Block- und insbesondere schuttfrei ist meine Route allerdings gar nicht.


Nach der Fahrt mit dem Tschinglen-Bähnli ging es an der Martinsmadhütte vorbei Richtung Mittaghorn. Beim zweiten Bachlauf (2040 m) immer gerade in Richtung der gut sichtbaren Geländerippe hoch. Man erreicht auf ca. 2200 m deren Krete und folgt dieser auf schwach erkennbaren Spuren bis zum oberen Ende. Dort helfen ein paar eiserne Haken, die Stufe zu queren. Nötig wären sie nicht, zeigen aber, dass man richtig ist. Dann holt der Weg nach Süden aus und erreicht auf ca. 2500 m den Fels, dem man nach rechts bis zur Grathöhe folgt. Ab hier auf guten Bändern zum Plateau am Fuss des "Grossen" Zwölfihorns. Das bewegt sich alles im T4-Bereich.   

Das "Grosse Zwölfihorn" lässt sich via Südflanke recht gut erklettern (ZS), die ersten paar Meter sind griffarm, dann wird es einfacher. Der Hauptgipfel wäre der westliche, ich habe mich mit dem östlichen begnügt, weil zwischenzeitlich immer mehr Wolken von Süden hereingedrückt wurden: Ich musste befürchten, schon wieder (wie hier) im Nebel stecken zu bleiben.

Ab dem Plateau ging es zur Stufe, die zum Gletscherhorn hinauf führt. Eine feste Route ist nicht gegeben - siehe Foto. Ich stieg rechts im Fels auf, gleichzeitig stieg eine Gruppe weiter links durch schuttgefüllte Stufen ab (knapp T5).

Auf das Gletscherhorn verzichtete ich heute und querte via Gletscher direkt zum Vorab-Sattel. Dachte ich. Irgendwie mit was weiss ich beschäftigt, stieg ich zum Sattel und dann nach links zum Gipfel. Erst dort oben fiel mir auf, dass einiges nicht stimmte: Ich war in den falschen Sattel und damit auf den falschen Berg gestiegen: den Vorab Pign.
Vermutlich hatte ich den ständig in Nebel verhüllten Bündner Vorab einfach "nicht gesehen".

Auf den Vorab Pign wollte ich ohnehin, allerdings im Abstieg. Doch für einmal stimmte alles, der Nebel hatte sich mittlerweile gehoben, sodass ich den Vorab-Ostgrat halt im Aufstieg begehen konnte.

Was beim Hinüberschauen fürchterlich steil aussieht, ist tatsächlich meist gut zu begehen. Wie Blätterteig, nur noch brüchiger. Ein paar Steine umgeht man besser, andere sind gut direkt zu besteigen.
Der obere Teil ist mit Gehhilfen und einem dicken grünen Seil ausgerüstet, deren Funktion und Nutzen sich mir nicht erschlossen haben.

Abgestiegen bin ich via Vorab-Sattel - so direkt es auf Gletscher und trümmerübersätem Gletscher-Vorland halt geht - zum Einstieg in die Schwarzwändli-Route. Wo in der Hütte unten Bier und Kuchen auf mich warteten.

Vor der erneut ausgezeichnet geführten Hütte traf ich übrigens die Gruppe wieder, die ich unterhalb des Gletscherhorns gesehen hatte.   

Schon in einigen HIKR-Berichten wurde erwähnt, dass im Umfeld des Vorab-Gletschers immer irgendwelche Baumaschinen am Krach machen sind. Das war (natürlich??) auch heute so: Die Gurtner-Boys sind gerade dabei, eine Moräne zu planieren. Es ist offensichtlich, dass die Bergbahnen das ganze Gebiet als Privateigentum betrachten.

Doch jetzt sind sie mE. einen Schritt zu weit gegangen: P. 2826, der Sattel zwischen Vorab Pign und Bündner Vorab wurde verbreitert und ausgebaggert. Der früher leichte Übergang muss jetzt umgangen werden, weil die Flanken beidseitig zu steil und nicht mehr befestigt sind.
Im Klartext: Die Höhe eines Karten-Geländepunktes und eine schon immer begangene alpine Route wurden geändert. Ich werde bei der kantonalen Verwaltung anfragen, ob dafür eine Baubewilligung vorlag - die natürlich nie und nimmer hätte erteilt werden dürfen.

Tourengänger: PStraub


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