Giro lungo sopra la Cima Lunga


Publiziert von Polder , 13. August 2017 um 11:08.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:11 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Poncione Rosso 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2050 m
Abstieg: 2650 m

Letzte Tage der kinderfreien Ferienwoche - und für samstags wenigstens im Tessin nochmals schönes Wetter angesagt. So nahmen wir uns zwei der wilden, einsamen Seitentäler der Leventina vor, die wir noch nicht kannten - es sollte eine spannende Entdeckungsreise durch zwei Täler werden, die in den letzten Jahren in gewisser Hinsicht eine gänzlich andere Entwicklung genommen haben: Während sämtliche Pfade im Val d'Iragna von 25 Freiwilligen bestens geputzt werden (vor rund 20 Jahren war die "via alta" über Stübiell völlig weglos!), ist der Weg ins Valle di Bri gänzlich am Verschwinden...

Wegen dem starken Regen unterstützten wir das lokale Taxigewerbe und liessen uns bis Chitt chauffieren, wo wir aber nochmals fast eine Stunde warteten, bis der starke Regen endlich nachliess. So gelangten wir doch noch trocken (abgesehen von der Querung der Bäche im Talkessel hinten, die wegen der hohen Wasserführung barfuss zu bewältigen war) zum Rifugio Alpe Repiano, das zwar nicht besonders lauschig, aber doch mit allem Nötigen ausgestattet ist. Ein eindrücklicher Kessel mit den rauschenden Bächen, die bei besserem Wetter auch hübsche Badeplätzchen abgäben! Nachdem die Glut im Kamin langsam erlosch, legten wir uns langsam zu Bette, der Schlaf unterbrochen durch die emsigen Aktivitäten der Mäuse - wie sich morgens herausstellte, hatte eine davon den Weg in unser an der Wand hängendes Proviantsäcklein gefunden, selbiges arg beschädigt und sich an Käse und Schokolade vergriffen;-)!

Aufbruch nächstenstags um halb 8, der Nordföhn hatte alles schön trocken geblasen, auf bestens gepflegtem Weg nach Ninagn, wo uns der Besitzer der einen Hütte zu einem Caffè con grappa einlud - grazie mille! Er gehört zu den 25 Freiwilligen, die einmal im Jahr sämtliche Pfade pflegen, und war kurz zuvor mit dem Hirten der in der Gegend weidenden Schafe per elicottero eingeflogen. Auf Schafpfaden und in nun arg verschissenem Gelände empor zum Grat der Cima di Scargliöi und unter der Bassa hindurch empor auf den E-Grat der Cima Lunga und damit auf die VAW. Leider versteckte sich die Sonne inzwischen unter einer grossen Leewolke, sodass es mit dem starken Nordwind auf dem Gipfel trotz Sicht über die Poebene hinweg und zum Monviso recht garstig war - zu garstig für eine Gipfelrast.

Im starken Wind verliessen wir den N-Grat oberhalb der ersten Steilstufe, um diese auf dem in der LK eingetragenen, teilweise exponierten Schafpfad zwischen dem Seelein 2242 und Pt. 2336 zu umgehen. Weitere kurze Umgehungen in steilem Gelände folgten (knapp T5), bevor wir im Sattel vor der Sella endlich eine sonnige Mittagsrast mit Blick in den überaus eindrücklichen Talabschluss des Valle di Brì halten konnten. Gestützt auf die Angaben hier liessen wir uns auf den Direktabstieg über Pt. 2092 von Sella und Piodelle ein - oben problemlos, unten aber zumindest im Abstieg unübersichtlich und mühsam; viele vererlte Felsbänke und Platten machen es nicht ganz einfach, einen valablen Durchschlupf zu finden.

Die Querung zur völlig von Brennesseln und anderen Stickstoffzeigern zugewucherten Hütte (auch diese macht nicht den Eindruck, als werde sie noch gebraucht) dann wieder angenehmer - angenehmer v.a. auch, als den alten Weg hinunter zu finden: Keinerlei Schnittspuren mehr, hohes Gras, etliche Wildwechsel, die zu hoch auf immer exponiertere Bänder führen.... Auf einen solchen gerieten wir dann auch, bis es nicht mehr weiterging, also zurück und in etwas weniger steilen Gefilden hinunter, bis wir wieder auf eine Spur trafen, die dann zum Glück zu einer als Teil des alten Wegs klar erkennbaren Passage (gemauerte Passage zurück unter ein Felsdach) führte. Auch weiter ist der Weg nur schwierig zu sehen, wir verloren ihn aber bis Pozzolo nicht mehr wesentlich. Im Nadelwald zeigen dann alte Sägespuren ab und an, dass man/frau noch richtig ist, und weiter unten gibt's dann im weiterhin wilden Gelände ein eigentliches Trassée. Was für ein Gegensatz dann, auf den Talweg des Val d'Ambra zu stossen, zumal wir auch just da wieder an die Sonne kamen! Erstaunlich, dass der Brì-Weg auf der LK immer noch eingetragen ist; im Abstieg ist er trotz aller Eindrücklichkeit nur bedingt zu empfehlen...

Komfortabel hinunter im gepflegten Val d'Ambra bis zur Diga, wohin wir wieder das Taxi-Riviera nach Biasca bemühten, weil wir wegen des zeitraubenden Abstiegs arg in Verzug waren. Punktlandung in Biasca auf den RE nach Bellinzona und ebenda in den Speisewagen des EC - so bekamen wir die Strecke Biasca-Bellinzona und die Einblicke in die wilden Täler der Riviera insgesamt viermal zu sehen;-)!

Tourengänger: Polder

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»