Gletscherhorn - Vorab - Laaxer Stöckli - Ofen


Publiziert von Bergamotte Pro , 6. August 2017 um 20:52.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 5 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Segnas-Vorabgruppe 
Zeitbedarf: 6:45
Aufstieg: 2250 m
Abstieg: 2250 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Tschinglenbahn
Unterkunftmöglichkeiten:Martinsmadhütte
Kartennummer:1174 Elm / 1194 Flims

Knapp hundertmal war ich in den letzten Jahren im Glarnerland unterwegs. Entsprechend gut kenne ich die Region. Doch ganz im Süden des Kantons klafft im Tourenportfolio eine riesige Lücke: die Segnas-Vorabgruppe. Nachdem ich kürzlich am Mittetaghorn die ersten Fühler ausgestreckt habe, folgt heute eine grosszügige Erkundungstour rund um den Vorabgletscher. Auch wenn der Gesamteindruck durch die Skianlagen etwas getrübt wird, sind die Aussichten auf über 3000 Meter - sei es in die Surselva oder ins Glarnerland - äusserst lohnend. Zu erwähnen gilt es auch die abwechslungsreiche, wbw-markierte Aufstiegsroute durchs Schwarzwändli.

Mit dem ersten Bähnli erreiche ich die Alp Nideren und kann so Punkt sieben Uhr loslaufen. Angesichts des Tagespensums bin ich mit leichtem Gepäck unterwegs und trage nur Berglaufschuhe. Trotz des rauhen, schuttigen Terrains sollte sich das bewähren. Aber selbstredend ist der Verschleiss der Sohlen unter diesen Umständen enorm; deshalb nur schon aus Kostengründen eher ein Versuchsballon denn allgemeine Lösung. Auf jeden Fall zügiger Aufstieg über den streckenweise steilen, aber gut versicherten Wanderweg zur Martinsmadshütte SAC (2004m), wo gerade die Übernachtungsgäste losziehen. Erst hier fülle ich am nahen Bach meine Wasserration ab.

Nachdem die Route zum Mittetaghorn bereits hinter der Hütte nach Westen weggezogen ist, teilt sich der mittlerweile wbw-Wanderweg ein weiteres Mal: entweder nach links (Osten) durch die Ofenrus zum Grischsattel (mein Abstieg) oder geradeaus (Süden) durchs Schwarzwändli zum Bündnerbergjoch. Aus der Distanz glaubt man kaum, dass eine wanderbare Route durch die steile, häufig feuchte Wand führen soll. Und ehrlich gesagt tut sie das nur deshalb, weil fast durchgehend Ketten verlegt wurden - Schwierigkeit T5. Nach der Wand erreicht man eine längliche Ebene, sozusagen ein Zwischengeschoss auf dem Weg zum Vorabplateau. Ab hier folgt man der Markierung, welche sicher über Geröll und Gletscherschliff nach Westen in die Höhe führt. Vorsicht, der Schnee hält sich hier lange.

Dort, wo der Wanderweg eine scharfe Linkskurve vollführt, erreicht man etwa die Hochebene. Und es öffnet sich der Blick zum Gletscherhorn (2804m). Spätestens hier wird mir bewusst, wie weitläufig meine heutige Unternehmung ist - also nicht trödeln, sondern weiter zulaufen. Ich verlasse den Wanderweg in eben dieser Kurve, indem ich in direkter Linie weiter Richtung Gipfel ziehe. Schwierig ist das nirgends, aber der Gipfelaufbau von Süden aufgrund des feinen Schutts mühsam zu begehen. Oben geniesst man einen tollen Blick nach Norden ins Glarnerland und vor allem auf die nahen Zwölfihörner. Obwohl noch nicht zehn Uhr, schwappen bereits Quellwolken aus der Surselva rein. Zumindest ist so immerhin für schöne Fotos gesorgt und glücklicherweise wird die Sicht bis zum Abstieg vom Ofen nie ein Problem sein.

Für den Weiterweg Richtung Vorab gibt es unzählige Varianten. Entweder man hält sich eher südöstlich wie ich und überquert das rauhe Gelände, das der Gletscher hinterlassen hat. Oder man zieht südwärts, um über den (harmlosen) Gletscher aufzusteigen. Wie auch immer, zuletzt folgt man dem Ostgrat in leichter Kraxelei aufs grosszügige Gipfelplateau vom Glarner Vorab (3018m), wo man von der Kote einen herrlichen Tiefblick nach Norden geniesst. Der Übergang zum Bündner Vorab (3028m) - auch er liegt auf der GR/GL-Grenze - ist fast geschenkt: runter in den Sattel und Wegspuren bis zum Gipfel folgen. Eine interessante Variante wäre nun der Abstieg nach Südwesten über den Kamm bis zum Panixerpass.

Ich hingegen folge dem schuttigen Ostgrat, welcher im oberen Teil mit dicken Seilen ausgestattet ist (ginge auch ohne). Dort, wo die Taue aufhören, weicht man in die Nordflanke aus. Anschliessend wieder den Grat gewinnen oder gleich in der Flanke bleiben. Ein kurzer Wiederaufstieg über Wegspuren bringt mich zum kleinen Vorab, dem Vorab Pign (2897m). Angesichts des Restprogramms verschiebe ich die Mittagsrast ein zweites Mal. Ich folge weiter dem Rücken nach Osten. Den direkten Ausstieg nach Norden muss ich oberhalb einer kleinen Felswand abbrechen (s. Karte). Hier sieht man schön, wohin der Gletscher früher gereicht hat.

Statt die Fahrstrasse des Skigebiets zu benutzen ziehe ich in etwas eigensinniger Linie übers coupierte ehemalige Gletschergelände bis in die Nähe vom Bündnerbergjoch (2613m). Ab hier wieder den Markierungen folgend und unangenehm weitläufig über den Kamm bis zum Laaxer Stöckli (2899m), wo ich mich endlich dem leeren Glykogenspeicher widmen kann... Von oben beobachte ich einzelne Gruppen, welche den Grischsattel überschreiten, eine recht beliebte Passwanderung zwischen Flims und Elm.

Eine knappe Stunde später steige ich unschwierig in eben diesen Sattel ab. Da ich schon mal hier bin, folgt natürlich der Abstecher zum Ofen (2873m) rüber. Nach fünf Stunden schnellem Marsch mit anschliessend langer MIttagsrast haben die Beine wenig Freude an dem erneuten Aufstieg. Zum Glück sind's nur 150Hm (inklusive kurzer Gegensteigung). Oben wartet nach all dem Skiklimbim das erste Gipfelkreuz mit Buch zur Belohnung. Kurz danach verschlucken mich die Wolken. Um den recht langen Abstieg zurück nach Nideren zügig hinter mich zu bringen, wechsle ich auf Laufschritt. So kann ich Punkt fünfzehn Uhr wieder talwärts gondeln.


Zeiten
2:30  Gletscherhorn
1:00  Bündner Vorab
1:30  Laaxer Stöckli
1:45  Nideren

Tourengänger: Bergamotte

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