ENE-Grat auf die Lenzspitze und Überschreitung zum Nadelhorn


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 6. August 2017 um 11:20.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 5 August 2017
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage

Der Verbindungsgrat zwischen Lenzspitze und Nadelhorn gilt als einer der schönsten in den Walliser Alpen - fester Fels und beeindruckende Tiefblicke. Zudem "fehlt" uns das Nadelhorn ja bekanntlich noch, nachdem wir bei der Begehung des Nadelgrates diesen letzten Gipfel aus Zeitgründen auslassen mussten.
Diese Tour erfordert aber auch einiges an Kondition und Klettergeschick: Der Zustieg zur Mischabelhütte ist trotz Seilbahnerleichterung lang und vor allem steil, vor allem im oberen, vielerorts mit Seilen gesicherten Teil. Tags darauf folgt dann der ENE-Grat auf die Lenzspitze, welcher neben langen Strecken im II. Grad auch einige Seillängen im III bzw. oberen III Grad aufzuweisen hat. Vor allem am ersten großen Gendarmen ist die Kletterei aber wunderschön und ein Genuss. Nach einigen Abseilmanövern über Türme muss dann eine Verschneidung erklettert werden, allerdings zeigt sich diese dann deutlich angenehmer als es zunächst erscheint. Ein sehr steiler Firngrat (rund 45°) leitet direkt zum Gipfel, von wo es nun absteigend immer direkt an der Gratschneide ins Nadeljoch geht. Von hier überklettert man nun alle Türme direkt und vielerorts sind auch Abseilmanöver dabei. Ein sehr steiler, jedoch gutgriffiger Aufschwung leitet zuletzt zum Nadelhorn.
 
Wir begannen unsere Begehung um etwa 3:30 Uhr und stiegen im Dunklen zum Anseilplatz und weiter zum P. 3815 auf. Hier wird das Gelände steiler und einige Passagen im II. Grad sind zu meistern, was sich in völliger Dunkelheit oft als recht anspruchsvoll erweist. Bei Tagesanbruch standen wir dann, wie geplant, am ersten Aufschwung. Hier folgen nun 5 Seillängen im III. Grad, an den Ständen gibt es Bohrhaken. Der Fels ist fest und so kommen wir rasch voran. Nun werden einige Türme überwunden, an manchen klettert man ab, an manchen kann man auch abseilen. Eine große Verschneidung, welche eine der beiden Schlüsselstellen darstellt, führt nun zu einer Gratschulter. Allerdings ist der Fels nur im unteren, sehr leichten Teil brüchig und von der 4a-Stelle im oberen Teil keine Spur. Hier führt eine Verschneidung mit guten, festen Blockgriffen hinauf. Auf der Gratschulter ändert sich der Charakter und wir legen zum ersten Mal Steigeisen an. Wie befürchtet ist der Firngrat in miserablem Zustand und halbgefrorener Graupel überdeckt Blankeis. Daher geht es hier nun in größter Vorsicht und an Eisschrauben gesichert zwei Seillängen hinauf. Die Steilheit beträgt im Firn etwa 45°, wegen der starken Ausaperung ist es derzeit etwas steiler. Über leichte Felsen erreichen wir den Gipfel der Lenzspitze um etwa 9 Uhr. Ein kurzer Firngrat führt hinab, dann klettern wir immer exakt an der Gratschneide in meist leichtem Fels ins Nadeljoch hinab. Der Fels ist hier tatsächlich sehr gut, solange man direkt am Grat bleibt. Der Fels war trocken und die Sonne wärmte unsere Finger. Vom Nadeljoch weg müssen viele Türme überklettert werden. Bei den ersten Türmen konnten wir abklettern, später haben wir von einigen Türmen abgeseilt, da sich ihre Hinterseiten meist recht plattig zeigten. Zuletzt nimmt die dichte der Türme kurz zu, dann erreicht man bald den steilen Aufschwung zum Nadelhorn. Es erscheint fast unglaublich, aber der Turm ist eigentlich ganz einfach zu erklettern. Es gibt immer sehr gute Griffe und viele Sicherungsmöglichkeiten mit Köpfeln und Friends. Und so stehen wir nach etwa 2 Stunden am Gipfel des Nadelhorns. Der Abstieg über den wiederum teils blanken Grat ins Windjoch erfordert ein letztes Mal Konzentration, der oft so heikle Gletscherquergang danach ist harmlos. Der folgende Abstieg ins Tal ist steil und mühsam, jedoch erreichen wir noch rechtzeitig die Seilbahn ins Tal.
 
Eine wunderschöne Hochtour mit einem Schwerpunkt im Fels. Dieser ist fest und gutgriffig wie man ihn sonst selten findet. Unterbrochen wird die Kletterei von einigen spannenden Firngratabschnitten, welche der Tour die entsprechende Würze geben. Wer auf diesem Grat trockenen, schneefreien Fels antrifft, wird eine wahre Freude haben - wer sich von Vereisung oder schlechtem Wetter erwischen lässt, für den wird diese Tour rasch ungenießbar! Tatsächlich eine der schönsten Hochtouren in den Walliser Alpen - und bei Idealbedingungen gar nicht so schwer.
 
AUFSTIEG: Hüttenzustiegsweg zur Mischabelhütte von Saas Fee. Dann dem Grat über deutliche Steigspuren aufwärts zum Anseilplatz folgen (Lawinensprenganlage direkt am Grat). Über nun weglosere Blöcke geht es weiterhin einfach, immer exakt am Grat, aufwärts. Nach etwa 1,5h wird der Grat steiler und man erklettert nun einige Aufschwünge. Hier gilt es, im Dunklen stets die Steigeisenkratzer nicht aus den Augen zu verlieren. Grundsätzlich bleibt man immer so nahe wie möglich an der Gratschneide. Ein steiler Turm wird recht hoch links umklettert und man erreicht so den Beginn des ersten Aufschwungs. (Bis hierher kann gut im Dunklen geklettert werden.) Von einem markanten Block nun nach links an die Gratkante (III) und nach einer Stufe zurück nach rechts (III) zu BH. Weiter nun gerade aufwärts, an den schmalen Türmen links vorbei zu BH. Nun stets am Grat (III) bis zum Pfeilerkopf. Hier nun 5m abklettern (II+) oder abseilen (BH ganz an der Pfeilerspitze). Eine Kante (Eisenstift etwas links der Kletterlinie) führt nun zu einem Turm. Von diesem an BH etwa 15m abseilen auf die Westseite bis zu einem Band. Auf diesem nun in der Westflanke kurz einfach queren, dann wiederum direkt am Grat bis in den Sattel vor dem Verschneidungsaufschwung. Eine Seillänge im leichten Bruch (II-) gerade hinauf und nach rechts zu Stand auf Absatz bei Fixfriend oder Zacken. Durch die nun wieder feste Verschneidung 7m hinauf und dann linkshaltend, einem Riss folgend, gutgriffig auf ein Band, hier Stand bei NH. In der Flanke dem Band folgen und zuletzt etwas brüchig aber leicht zur Gratschulter (4160m). Hier nun dem schmalen Firngrat 60m aufwärts folgen. Die folgende Verflachung bietet Sicherungsmöglichkeiten. Von dort erneut 50m steil aufwärts zu einer Felsschulter, welche Sicherungsmöglichkeiten an einem Zacken bietet. Am nun leichteren Grat zum Gipfel der Lenzspitze (ab Hütte 5-6h). 
Nun dem kurzen Firngrat abwärts folgen und bald über leichten Fels (bis II-) stets an der Gratschneide ins Nadeljoch hinab. An einigen steileren Abschnitten gibt es Abseilstangen. Aus dem Joch überklettert man nun alle folgenden Türme direkt und in wunderschöner Kletterei (bis III). Diese wird nur von einigen Abseilmanövern (max. 15m) unterbrochen (es könnte auch überall III+ abgeklettert werden). Zuletzt nehmen diese Türme zu, kurz bevor man einen steilen, abweisenden Aufschwung erreicht. Dieser wird nun anfangs an seiner rechten Kante und dort, wo er richtig steil wird, linksquerend erklettert (III+, 35m). Weiter über leichte Aufschwünge (III-) zum Gipfel des Nadelhorns (2-3h von der Lenzspitze).
 
ABSTIEG: Am NO-Grat kurz abklettern (II) und dem Firngrat mit einigen leichten (II-) Felsunterbrechungen ins Windjoch folgen. Nun rechts kurz steiler hinab zu Windkolk und in einer großen Schleife hinab auf das Gletscherplateau. Hier nun querend zurück zum Anseilplatz. Weiter wie Aufstieg.
 
SCHWIERIGKEIT: ZS, 4a, 45°: Kletterei bei Trockenheit eher leichter wegen des guten Fels. Heikel bei Schnee oder Vereisung. Auch nicht zu unterschätzen sind die 2 SL Firngrat bei schlechten Bedingungen (Eisschrauben)!
 
ABSICHERUNG: ++/++++: Einige Stände sind mit guten BH versehen, das gleiche gilt für alle Abseilstellen. Ansonsten helfen Zacken und einige mittlere Friends.
 
WETTER: Mit etwas Glück ein Traumtagerl mit warmen Temperaturen und kaum Wind erwischt.

MIT WAR: Tanja
 
Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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