Tadschikistan Teil 6 - Zamok (5070m)


Publiziert von Becks , 4. August 2017 um 22:13.

Region: Welt » Tadschikistan » Fansky Gori
Tour Datum:18 Juli 2017
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: TJ 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m

18.Juli 2017
Nach einer etwas unruhigen Nacht steht heute und morgen steht erste hochalpine Ziel auf dem Program: der Zamok. Alle paar Stunden wurden wir entweder von Eselgeschrei oder Hundegebell geweckt.

Im Camp haben wir zwar widersprüchliche Dinge erfahren, aber das stoppt uns nicht. Der russische Bergführer der deutschen Gruppe meinte, die Bedingungen seien seit Jahren nicht besonders und das Teil gefährlich, die Schweizer (die am Energy umgedreht sind) fanden die Verhältnisse gut. So richtig schlau sind wir nicht, wir wissen lediglich von unserem Bilderführer (mehr dazu unten), daß man den Gletscher wohl nach rechts queren und dann einen Durchschlupf durch den Bruch suchen muß.
Während unsere österreichischen Kollegen noch eine Runde Pause einlegen, die deutsche Trekkinggruppe in Richtung Süden aufbricht und Gerlindes Gruppe zum Chimtargapaß aufbricht, packen wir gemütlich Zelt und Eiskram in die Rucksäcke und verstecken die beiden großen Taschen unter den Felsen in einer Kluft.
Gegen 10 Uhr brechen wir für die "lächerlichen" 700 Höhenmeter auf, die wir heute auf dem Programm haben, mit dem Ziel Biwakplatz Zamok auf 4260m. Da wir den ganzen Tag Zeit haben, verfallen wir sofort in den gleichen Rhythmus: 45 Minuten Gehen, 15 Minuten Pause. 

Vom Mutnye aus zunächst durch die Blockzone in Richtung VAA, dann über flaches Gelände zum ersten Anstieg entlang eines Bachbetts links (nördlich) vom Fagitor. Hier entscheiden wir uns, einen großen Felskopf im unteren Bereich in der Bettmitte anzupeilen und dann weiter aufzusteigen. Netterweise finden wir ein paar Spuren, kommen aber nicht drum herum, uns eine Seitenmoräne mit 5m im allerfeinsten Rollsplit hochackern zu müssen. Dann wieder folgt der Weg über den Moränenrücken zunächst R. Zamok Gipfelaufbau, dreht nach rechts und folgt dem geröllbedeckten Gletscher nach Süden aufwärts. Irgendwann verlieren sich Wegspuren und Steinmännchen, und erst nach einem Blick auf den Reiseführer wird klar: wir müssen schräg nach links oben den Schutthang hoch und von da aus zum Biwakplatz. Alles leichter gesagt als getan, denn es rollt alles. Nach einiger Zeit erreichen wir dann gegen 14:30 Uhr doch P4260. Netterweise sind einige Plätze bereits eingerichtet und wie ein Schnellcheck ergibt läuft gerade mal 100m neben dem Zelt Schmelzwasser den Hang runter. Die Behälter sind schnell aufgefüllt, den Rest der Zeit verbringe ich mit der Verstärkung der Windschutzmauer.
Ich habe mich zwar damit abgefunden, das Wetter nicht gedeutet zu bekommen, und ignoriere die alpenüblichen Warnsignale, aber das ist doch zu viel des Guten. Am Adamtash (mit WindRichtung Zamok) bildet sich eine Wolkenwalze, es grummelt. Der Pakhhamber hüllt sich in Wolken, die Wolken werden bleigrau, und im Blau des Himmels bauen sich unglaublich hohe Wolkentürme auf. Nach etwas Schichterei ist klar: bei der Mauer kann ein Sturm kommen. So viel Schutz hatte ich nicht einmal am Acon, und da hat es ordentlichst gepfiffen.

Beim Abendessen kochen legt es dann auch wirklich los. Auf dem Zelt klopft es leicht, wie wenn starke Wind kleine Steinchen aufs Zelt bläst. Blick raus: Graupel. Das wars aber auch schon, außer einer Stunde ganz leichte Eisbällchen von oben kommt - nix. Gelassen pennen wir daher um 20 Uhr ein, nachdem ich um 18 Uhr noch per Funk die Basis über unsere Position und das nächste Ziel unterrichtet habe.


19.Juli 2017
Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Tee kochen, Kram einsammeln, und nach einigen sehr hübschen Sonnenaufgangsbildern geht es zum ersten Berg hoch. Wir folgen dem Pfad ab Zelt bis zum Beginn des Gletschers, steigen problemlos an der linken Seite über Schutt und Lawinenschnee aufwärts und müssen erst auf 4500m das Seil anlegen. Wir folgen weiter links haltend aufwärts und queren erst zwischen dem untersten und nächsthöheren Bruch nach rechts in den Gletscher hinein. Mit zwei Eisgeräten und mehr Schrauben könnte man eigentlich auch links halten direkt die Flanke hoch (geschätzt 45, ev. Stellen 50°, etwa 300 Hm), aber wir haben dazu nicht ausreichend Material dabei. Unter dem ersten echten Serak durch, schräg aufwärts und wir stehen nach kurzer Zeit am Beginn einer Kuppe, welche sich nach links hoch zieht und von einer Spalte mit zwei dürftigen Brücken durchzogen wird. Ich gehe die Kuppe etwas nach oben, aber da sich die Spalte breiter wird, drehe ich um. Wir folgen dann dem Rand der breiten, schneebedeckten Kluft an den rechten Rand, und ganz außen sieht es so aus, als ob man hier weiter kommen würde. Ganz wohl ist mir zwar nicht beim Überqueren der 5m breiten platten Schneeterasse, aber alles hält und ich erreiche die rechte Kante. Hier steilt es ordentlich auf, zudem fehlt der Trittschnee. Da keine Alternative sichtbar ist, schrauben wir uns eben kurz die 50m in 40° Eis hoch, bis das Gelände flacher wird, und wir unter der steilen Gipfelwand des Pakhkamber in Richtung Zamok Vorgipfel durchqueren können. Sobald dieser passiert ist, flacht das Gelände deutlichst ab und geht in Firn über. Problemlos erreichen wir den flachen und breiten Schieferschuttgrat und folgen zum Gipfel. Das letzte Hindernis besteht dann in der Querung eines Firnfeldes im Schatten eines breiten Felsaufbaus im Grat. Hier muß ungesichert ein etwa 100m langes Stück in 30° durchquert werden. Sichern ist nicht, wer ausrutscht landet automatisch unten am Zelt - zumindest teilweise. Vor der Firnrampe lege ich das Seil ab, danach fliegt alles an Eisausrüstung raus, und so geht es beschwingt zum Zamok hoch. Da ich dämlicherweise neben Eisgerät und Steigeisen auch die DSLR abgelegt habe, drehe ich 30m unter dem Gipfel noch eine Ehrenrunde, hole die Cam und genieße dann meinen dritten und Roxanas ihren ersten 5000er.

Am Gipfel ist es im Windschatten (hier bläst eh kaum ne Brise) erstaunlich warm, nicht einmal Jacke o.ä. benötigt man. Nach einigen Bildern der umliegenden, sich bildenden Waschküche, brechen wir zum Abstieg auf. Nach dem Queren der Firnflanke ergibt ein Check der von hier sehr gut einsehbaren Eisbruchzone: da könnte eine Brücke sein, wo ich heute morgen umgedreht habe. Wir beschließen, den Versuch zu wagen und wtascheln zunänchst über den flachen, breiten Firn, später dann angeseilt über den Gletscher hinunter zu einem Übergang, der in Fallininie einer Felsformation vom Pakhkamber liegt und schnell gefunden ist.
Die ersten Meter sind einfach, ich latsche einfach über deutlich erkennbaren Altschnee bzw. harten Firn rein in den Bruch, die letzten 5m dann werden haarig. Von links kommt die Spalte herauf, die ich heute morgen schon besichtigt habe, rechts weitet sich der Bruch zu einer 20m breiten Spalte. Auf Knien, das Seil gespannt und ständig mit dem Griff eines Stocks den Untergrund sondierend arbeite ich mich in einer S-Kurve über den Bereich und finde dabei so manches Loch. Am Ende angekommen wird das Eisgerät versenkt und Roxana darf gesichert an einem T-Anker nachkommen. Sicher ist sicher,pfeif auf die Minuten extra. Ungeschoren kommen wir über den Bereich, queren dann zurück an den Gletscherrand, bekommen dabei unterwegs einen Stein von oben ab, ich finde noch die zum Glück kleine Randkluft, dann sind wir raus aus dem Eis, können das Seil ablegen und zum Zelt absteigen. Nach einer Tee- und Kochpause packen wir den Kram zusammen, steigen über den ganzen Schutt zum Mutnye ab und erreichen letztendlich den See, wo wir unser Zelt erneut aufschlagen. Kurz vorm Se begegnen wir noch einer 5er-Gruppe aus Estland, welche sich mit 100L-Rucksäcken(!) auf dem Rücken und in dicken Klamotten gehüllt sich in Richtung Zamok hoch quält. Sie wollten den Chimtarga besteigen, lagen nach dem Genuß von Mutnyewasser jedoch mit Fieber und Brechdurchfall eine Woche flach und nehmen nun den Zamok als Ersatzziel unter die Hufe. K.A., was in den Rucksäcken steckt, aber es ist viel. Unten am Mutnye bauen wir Zelt auf, ich melde mich um 18 Uhr per Funk bei Alex, das wars.

20.Juli 2017
Pausentag


Routenbeschreibung:
Vom Mutnye den Weg zum VAA-Paß folgen. Direkt in der Ebene am See vom Pfad weg und in Richtung Zamok (links bzw. nördlich vom Fagitor), Man steigt einen ersten Aufschwung ein Bachbett entlang nach oben, wobei man sich entweder mittig oder ganz rechts nahe des Fagitors hält (Wegspuren, Steinmännchen). Oben erkillimt man am rechten Rand die Seitenmoräne, folgt dieser etwa 50Hm in Richtung Zamok aufwärts, und dreht dann dem Gletscher folgend nach rechts aufwärts. Über den Moränenrücken gelangt man in ein Hochtal, von dem man aus nach links (wieder in Richtung Zamok Hauptgipfel) dreht und den nächsten Schutthang nach schräg links oben begeht. Hier lohnt es sich, in einem Bachbett (erkennbar am schwarzen Fels), welches sich vom linken Felskopf in der Schutthalde herunter zieht, in Fallinie möglichst weit aufzusteigen (Ausstieg mit Steinmann), da hier der Untergrund etwas stabiler ist. Anschließend umrundet man in einer Rechtskurve aufsteigend den letzten Schutt und erreicht den Biwakplatz auf 4260m (T3, 700Hm, etwa 4-5h ab Mutnye).
Vom Biwakplatz folgt man an der linken Seite des Gletschers in Richtung Sattel zwischen Pakhkamber und Zamok aufwärts, bis man auf etwa 4500m die erste Bruchzone überschritten hat und das Eis bzw. der Firn aufsteilt. Zwischen dieser und der nächsthöheren Zone quert man Höhe haltend bzw. leicht abwärts nach rechts in den Gletscher (Randkluft!) und peilt den Bereich unter dem ersten Serak an. Dieser wird unterquert, der Gletscher aufsteigend nach rechts begangen und die Hauptbruchzone entweder zentral oder ganz rechts überwunden. Nach der >Bruchzone schräg nach links oben zum Sattel zw. Zamok und Pakhkamber bzw. zum Zamok-Vorgipfel. Über den breiten Grat zum Felsaufbau, und diesen in der Flanke (je nach Lage direkjt am Fels bzw. im Hang) über Firn (30°, etwa 100m) zum gegenüberliegenden Ende und von hier unschwer über den breiten Schieferschuttrücken zum Gipfel (5070m).


Reiseführer oder Bilderbuchreiseführer:
Bei der Recherche nach Material über das Gebiet stieß ich auf ein Bilderalbum auf Google von einer Person, welche die ganzen Routen in Bildern eingezeichnet hatte. Die Bilder zusammen mit der Bildunterschrift landeten dann bei mir in einem pdf, welches ich farbig ausgedruckt dabei hatte und uns wirklich weiter half.





Tourengänger: Becks

Galerie


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