Gratwanderung First Latrejespitz Dreispitz


Publiziert von Bikyfi , 31. Juli 2017 um 23:28.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:29 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1446 m
Abstieg: 1449 m
Strecke:Spiggengrund - Latrejefeld - First - Latrejespitz - Dreispitz - Spiggengrund
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Kiental Richtung Griesalp Abwzeig links im Wald bis zum Wanderparkplatz
Kartennummer:1228 Lauterbrunnen

Dem Bericht http://www.hikr.org/tour/post67248.html  von User http://www.hikr.org/user/Aendu/
aus dem Jahr 2013 gibt es inhaltlich kaum etwas hinzuzufügen doch genau der bericht war es der mich von meinem ursprünglichen Plan, der Besteigung des Ärmighorn, abhielt und statt dessen auf der Gegenseite von Kiental eine Gratwanderung zu machen.

Vom Wanderparkplatz ab Spiggengrund (zur Zeit eine Baustelle und eher über eine Piste statt Straße zu erreichen) startete ich meine Tour gegen 9 direkt in steil werdendes Gelände. Meistens noch durch ausgetretene Pfade und teils über ungemähte Weiden. T3

Zügig kommt man hier auf 400hm in der Stunde und landet nach einer gewissen Zeit auf einer kleinen Fahrstraße Richtung Latrejefeld, der man nun eine ganze Weile folgt. Das Latrejefeld sollte laut Wegweiser in 2:40h ab Spiggengrund erreichbar sein. Ich bin kein Raser, erreichte die Alm aber schon gegen 11. Während meiner Vesperpause suchte ich mir in den steilen Grashängen einen möglichen Weg nachdem mir ein Ortskundiger sagte: "Da gibt es keinen Weg"

Soviel wusste ich ja schon, das hielt mich aber nicht ab gegen 11:20Uhr in den Hang aufzubrechen. Ob ich nun diesselbe Route wie Aendu traf? Keine Ahnung. Steiles Gestiefel durch den Grashang war angesagt bis ich 45min später ganz in der nähe der Schlüsselstelle zum Latrejespitz auf dem Grat ankam.

Ich ging direkt weiter zum First, das gehen entlang des Grats war eine nette Erholung zwischendrin. Der First selbst: Unspektakulär abgesehen von der Aussicht auf Morgenberghorn und Thuner - wie Brienzersee. Ein Grasgipfel ohne Kreuz. Doch wenn man sich umdreht offenbart sich der gesamte Grat bis zum Dreispitz. Toll.

Und auf gehts zurück zur Schlüsselstelle, die von weitem schon als Scharte erkennbar ist.
Doch erst  wenn man am ersten Turm seinen Fuss auf schiefriges loses Gestein setzt merkt man, das man besser Nerven bewahrt. Das Seil, welches Aendu bereits vor 4 Jahren bemängelte, ist noch dasselbe wie damals. Der Zahn der Zeit tat sein übriges. Ich ließ lieber die Finger davon, auch aus dem Grund weil ich keine Tritte unterhalb des ersten Seils sah, sodass es mir hätte helfen können. Ich querte die steile Passage oberhalb des Fixseils.
Die Querung des ersten Turm bereitete mir schon etwas Sorge, den ein Fehltritt endet hier wohl nicht nur schmerzhaft. Das Gestein, welches ich als Griff nutzen wollte, hatte ich teils unweigerlich als Bruchstück in der Hand. So ging es so vorsichtig wie nur möglich voran. Jeder Tritt und Griff wurde sorgsam geprüft.

Nach dem Abhang: kurz verschnaufen. Aber den Adrenalinspiegel oben halten für das was kommt. Ein Grat wie ich ihn bislang noch nicht unter mir hatte. Derart schmal, kein Gedanke daran diesen zu Fuss zu überqueren. Also Reiterstellung einnehmen. Und das war auch gut so. Der Grat ist mit losen Steinen gespickt. Nicht vertrauenserweckend ... und dennoch ein unvergleichliches Erlebnis. Kaum 2 Hände breit und Rechts klafft ein senkrechter Abgrund. Wegen dem bin ich ja eigentlich hier. Das Fixseil? Vollkommen ausgeblendet im Kopf. Es baumelte mir immer mal wieder im Weg rum. Mein Herz pocht. Also weiter. Immer näher und ran an die Wand, die nach ein paar Metern auf den Latrejespitz führt. Der erste Griff galt einem Stein, der in einer Mauer zu sitzen schien, die mit Sand gemörtelt wurde. Doch einen Weg gibts immer, die Suche nach Griffen und Tritten war letztendlich erfolgreich. Der Blick nach unten, während man am Turm 2 hängt, ist imposant und auch ein wenig furchteinflössend.
Und kurz vor dem Gipfel: Siehe da, ein neues Seil? Hätte mir an den heiklen Stellen zuvor mehr Freude gemacht. Aber gut, warum meckern, der Latrejespitz war erorbert. Schön. 

Hier ein Clip von mir bei der Querung der beiden Türme:
https://www.youtube.com/watch?v=b_jwSbvKMfQ

Kurz verschnaufen und nachdenken über die Dinge die ich gerade gemacht habe. Und vielleicht auch besser hätte lassen sollen? Schwierig wars ja nicht, aber heikel.
Hier steh ich nun, links und rechts nichts als Grat. Die Aussicht auf das was nun kommt, weckt Freude. Die letzten Meter Richtung Dreispitz. Ein schöner Grat. T3 Gelände bis zum Gipfel. Von hier kam sicher der, der das kurze neue Seil installiert hat ;)

Kleiner Abschnitt vom Grat gen Dreispitz:
https://youtu.be/0t636Zf05b0

Auf dem Dreispitz selber war ich nicht lang, ein Ameisenhaufen mag ich fast sagen. Ich wurde belagert von fliegenden Ameisen und anderem Getier. Lange hielt ich es nicht aus. Ein kurzer Eintrag ins Gipfelbuch und dann abwärts.
Aber wo? Es gab nur die offizielle Route gen Kiental. Doch ich parkierte gegenüber. Der Weg den ich nun wählte ist auf keinen Fall zu empfehlen für Berggänger, die diese Route gern mal machen würden. Beinahe 2h quälte ich mich durch steiles, grasiges Terrain und landete immer wieder in felsigem, abschüssigen Terrain welches abgeklettert werden musste. Zwar machte ich recht schnell Tiefenmeter, teils durch einen ausgetrockneten Wasserlauf, doch wusste ich nicht wirklich wo ich landen würde bis ich in einiger Entfernung eine Hütte sah. Da musste es einen Zufahrtsweg geben. Glücklicherweise querte ich einen Wanderweg in 1480m ... und den kannte ich vom Aufstieg. Nicht mehr weit, dann war ich am Auto. Ich war froh und kaputt. T6, gerne wieder ... aber unter anderen Umständen.
Ein Bad im Thuner See belebte mich wieder und ich genoss das Bergpanorama aus dem Wasser heraus. Herz was willst du mehr?

Dauer mit Pausen: 6:30h
Schwierigkeit Klettern: III (weil besser ohne Seil)
rund 1500m hoch und runter

Tourengänger: Bikyfi


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Kommentare (3)


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Axels hat gesagt:
Gesendet am 2. August 2017 um 08:46
Wow!!!!
Cooles Video.
War mal vor ca. 10 Jahren da. Sa gabs noch kein durchgehendes Seil...
Greetz
Mark

Alpenorni Pro hat gesagt: Top-Videos
Gesendet am 2. August 2017 um 10:43
Vielen Dank für das beeindruckende Video vom Latrejespitzgrat. Mega-bröckelig und schmal exponiert, dazu das fragwürdige Seil auch noch...krasse Passage.
Im Abstieg hättest Du übrigens auch einfacher und sehr schön über den Grasgrat nach Agne zum Wanderweg absteigen können :
Klick
Vor einigen Jahren war ich auch viel im Kiental unterwegs, aber falls ich dereinst die mir noch fehlenden First und Latreje noch besteigen wollen sollte, dann wohl doch besser über andere Routen ;-)
Nichtsdestotrotz : Ein toller Gang weitab vom Schuss ! Gratulation !
Grüße aus dem Norden
Martin


Bikyfi hat gesagt:
Gesendet am 2. August 2017 um 11:48
Hallo,

dankeschön für euer Feedback.
Ja, das Seil. Das Seil ist eine fragwürdige Erscheinung in meinen Augen. :)
Den Abstieg Richtung Alp Agne hab ich komplett verfehlt. "Leider" muss ich sagen. Die 2h im steilen Hang hab ich schon aus dem Gedächtnis verbannt ;)

Besten Gruss


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