Super (einsame) Tour - Ötztaler Urkund (3556m) über den SO-Grat


Publiziert von Kris , 17. Juli 2017 um 00:20.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Tour Datum:13 August 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Stablein - Einstieg SO-Grat - Vorgipfel - Hauptgipfel Ötztaler Urkund - Rofenkarferner - Stablein
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Vent
Unterkunftmöglichkeiten:Breslauer Hütte
Kartennummer:DAV Wildspitze

Das Ötztaler Urkund zog mich schon lange an, schon als Kind, wieso genau kann ich nicht mehr rekonstruieren. Ich vermute aber es liegt ein Stück weit am Namen, da ich als Kind "Urkund" als geheimnisvoll erachtete. Gleichzeitig führen keine Wege auf den Gipfel, was ihn für mich als Kind unnahbar erscheinen ließ..

Dabei liegt der Gipfel eigentlich deutlich im Schatten seiner prominenten Schwester, der Wildspitze. Diese wird sicherlich 1000x so viele Gipfelaspiranten pro Jahr bekommen wie das Urkund. Tatsächlich befanden sich im Gipfelbuch nicht mehr als 20 Begehungen pro Jahr, über den SO-Grat vielleicht sogar nur 5x. Eigentlich unverständlich da die Route wirklich ihre Berechtigung hat und spannend ist. 

Geplant war ursprünglich, dass ich Franzi eine "härtere" Tour mit Bergführer ermögliche. Sie fühlte sich mit dem Gedanken allerdings nicht super wohl sodass ich den bereits gebuchten Führer anderweitig für mich verplanen musste. Eigentlich hatte ich mich schon für den Acherkogel / Manningkogel über den NO Grat entschieden (max. IV), allerdings riet der Führer davon bei Neuschnee ab - wegen des abschüssigen Abstiegs über den Normalweg.

So passte das Urkund perfekt: es ist gut abgesichert, einsam und exklusiv sowie leicht abzusteigen über den Rofenkarferner, über den ich 2007 bereits meine allererste Hochtour auf die Wildspitze gemacht hatte. Nach einer gemeinsamen Fahrt nach Vent warteten wir am Sessellift der Stablein-Alm bis die erste Bergfahrt losging. Mittlerweile ist ja im Ötztal-Ticket jegliche Seilbahn enthalten - die es bei fast allen(?) Unterkünften on top mit dazu gibt. Das findet der Seilbahn-Betreiber natürlich semi-optimal, da er wahrscheinlich durch die Karte bei weitem nicht die gleichen Einnahmen fährt (von notnwendig durchzuführen Preissteigerungen mal abgesehen.. die gehen dann auch nicht.)

Es ist noch recht frisch, was sich aber bald auf der Wanderautobahn Richtung Breslauer Hütte alsbald ändert. Wir sprechen viel sodass sich auch dieser Abschnitt kurzweilig gestaltet. Wir ziehen an der Abzweigung zum Wilden Mannle vorbei. Bald geht es querfeldein ab (deutlich vor der Hütte) wo wir weglos zum Einstieg gehen. Genaue Beschreibungen vermag ich leider nicht zu geben. Woran ich mich erinnere, dass ich mich in einem kurzen Abstieg von einem Moränenstück auf den Hosenboden setze. Der Einstieg ist erreicht, sobald man die ersten Haken sieht - sonst ist man falsch! Bis hierhin T3.

Nun folgt der klettertechnische Part des Tages - der SO-Grat (unten noch etwas wand-artig). In diesem Teil gibt es nur sehr vereinzelt Gehgelände, meistens II, gerade unten. Das Gelände ist wechselnd zwischen steilen Schrofen, plattenartigen, kleintrittrigen Aufschwüngen und erdig-grasigem Steilgelände. Gerade Zweiteres bewegt sich oft im III. Grad. Lässt sich aber, teils auf Reibung super mit den steifen Bergschuhen machen. Wir kommen recht zügig voran. Durch die eng beieinander liegenden Haken finde ich die Routenführung bei guten Verhältnissen recht offensichtlich. Die Krux ist dann eine IV-IV+, leicht abdrängend und wenig gutgriffig. Hier komme ich mit den Bergschuhen an meine Grenzen, helfe mir aber mit einem beherzten Griff in den Haken weiter (A0) ;-) 

Danach wird das Gelände deutlich blockiger, nur noch max. im IIer Bereich, bis sich der Grat deutlich zurücklegt und es in einfache Blockkletterei und Gehgelände übergeht. Wann der Weg vom Urkundkolm auf den Grat gestoßen ist, konnte ich beim Klettern nicht feststellen. Es sind immer noch ein paar Hundert Höhenmeter in diesem Gelände, so dass man auf Dauer schon etwas Kondition braucht. Der Grat zieht sich hin, und nach oben wird es wieder ausgesetzter. Die Kletterpassagen mehren sich (max. II). Bei uns gibt es die erwähnte Neuschneeauflage, was das Ganze nochmal etwas spannender macht - gerade in den ausgesetzten Passagen. Die kann man auch ganz gut auf dem angehängten Video des Schlussaufstiegs einschätzen.

Die letzte Krux vor dem Gipfel ist dann ein schräger plattiger Aufschwung der von einem Riss durchzogen wird (III). Diese etwa 8 Meter hohe Stelle macht noch einmal so richtig Spaß und ist schnell absolviert. Nochmal eine ausgesetzte Querung (I) und danach die letzten Blockmeter zum Gipfel. Dort steht ein kleines, aber feines GK mit guter Aussicht zur Südwand der Wildspitze und den umliegenden Ötztalern. Das Gipfelbuch garantiert oben erwähnte Exklusivität. Der Abstieg bis zum Rofenkarferner ist oben noch mal ausgesetzt und mündet in einen recht steilen Firnabstieg (ca. 35°) auf den erwähnten Gletscher. Insgesamt mit ZS zu bewerten.

Dieser ist spaltendurchzogen und dementsprechend vorsichtig zu begehen. Wir gehen alles OHNE Steigeisen, was natürlich nur je nach Verhältnissen zu empfehlen ist. Gedanklich gehe ich schon mal das Spaltenbergungs - ABC durch, wir sind ja nur zu zweit unterwegs :-) Der Rofenkarferner an sich bietet aber keinerlei technische Schwierigkeiten, sondern setzt nur vernünftige Routenfindung durch die Spaltenzonen voraus. Da wir nicht den ausgetrenen Standardweg nehmen werden die Spaltensprünge auch mal kurz abenteuerlicher, aber nie gefährlich. Erst am Ende des Ferners treffen wir eine Gletscher-Trainings-Gruppe und folgen Wegspuren die uns hinunter ins Becken zur Wander-Autobahn führen. Wir quatschen weiterhin über diverse Bergthemen und auch, wie es so ist, ein Bergführer zu sein (bspw. familiär). Wirklich ein ganz anderer Schnack als noch bei meiner Tour im Wallis - hier spricht der Führer auch mal Lob aus, vermittelt Sicherheit, ist aber auch ein offener Typ. 

Der Führer wechselt dann ab der Wanderautobahn auf die Schlappen (würde ich auch gerne) und so "schweben" wir nach unten zur Stablein, wo wir erneut den Sessellift nehmen und dann gemeinsam mit dem Auto zurück nach Sölden düsen.

Fazit: eine wunderbare Tour die trotz Andrang an der Breslauer Hütte einsam geblieben ist und wahrscheinlich einsam bleiben wird. Die Schwierigkeit ist nicht zu unterschätzen, auch ohne kompletten SO Grat und für die Wildspitz-Aspiranten gibt es immer noch die Option, den Jubiläumsgrat zu nehmen (bei guten Verhältnissen)..


KONDITION 3/5
ORIENTIERUNG 4/5
TECHNIK 5/5
EXPONIERTHEIT 5/5


Für eine ähnliche Tour empfehle ich gern: https://www.alpin-guide.at/willkommen.html


Tourengänger: Kris

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Kommentare (2)


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pete85 hat gesagt: Hi Kris,
Gesendet am 17. Juli 2017 um 16:31
Glückwunsch zur schönen Tour!
Da habt ihr einen schönen Gipfel für euch alleine gehabt, während man sich auf anderen Gipfeln schon lange auf den Füßen steht. ;)

mfg,
pete.

Kris hat gesagt: RE:Hi Kris,
Gesendet am 18. Juli 2017 um 11:20
Danke dir! 2014 war ich noch neidisch, dass ihr oben wart und schon 2 Jahre später hat es geklappt :-)

Cheers, Kris


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