Via Alta della Verzasca+ Tagestour


Publiziert von jakobme , 6. Juli 2017 um 13:39.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum: 2 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Cima dell'Uomo   CH-TI   Gruppo Madöm Gross   Gruppo Pizzo Barone   Gruppo Cima di Gagnone   Gruppo Pizzo Campo Tencia   Gruppo Poncione Rosso 
Zeitbedarf: 21:15
Aufstieg: 6500 m
Abstieg: 6000 m
Strecke:64.7 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bellinzone
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Chironico
Unterkunftmöglichkeiten:nicht nötig ;-p

Die Idee die Via Alta della Verzasca zu machen hatte ich schon eine ganze Weile. Das ich es schnell machen wollte war natürlich eh klar aber zuerst dachte ich an vielleicht eine 2-Tages Begehung. Nach einigen längeren Tagen in letzter Zeit und mit ansteigender Form war dann doch immer wieder am überlegen ob es nicht in einem Tag ginge. Nach meinem Alpinerunning Prinzip sollte es natürlich vom Tal aus los gehen und im Tal enden ohne dabei Seilbahnen oder der gleichen zu benutzen.
Als dann nach einer verregneten Woche die Hochtourenbedingungen eh nicht gut waren und ich mich nach einer alternative umsehen musste bin ich schnell bei der Via Alta gelandet, da für den Sonntag das Wetter im Tessin bei weitem am besten vorhergesagt war.
Die ungefähre Dauer der Tour war im vornerein gar nicht so einfach abzuschätzen aber ich bin von etwa 17-20 Stunden ausgegangen wenn alles gut läuft.
Also hab ich nach etwas Vorschlafen dann den letzten direkten Zug von Zürich nach Bellinzona genommen.
 
0:08 Start bei der Talstation der Mornera Gondel
Nach einem nächtlichen Spaziergang durch Bellinzona wo das Nachtleben gerade anfing fahrt auf zu nehmen bin ich kurz nach Mitternacht bei der Talstation der Mornera Gondel gestartet.
Auf dem steilen Weg ging es gleich gut voran und die Temperaturen waren auch sehr angenehm. Nach nur 1:16 Stunde war ich dann bei der Bergstation und ging weiter Richtung Cap. Albagno. Oben auf der Cima d’Erbea wurde es dann etwas kühler und ich war ganz froh um meine Winddichten Klamotten zum überziehen. Es war immer noch stock dunkel und teilweise war der Weg gar nicht so leicht zu finden im Schein der Taschenlampe aber immerhin wurde das Gelände jetzt interesannter.
Bei der Btta di Medee stieg ich dann zur Cap. Borgna ab. Dies bedeutete zwar etwa 200 hm zusätzlich im Vergleich zu dem Höhenweg zur Btta Cazzane aber ich wollte ja die ganze VAV absolvieren welche ja nun mal bei der Hütte startet. Nach genau 3:30 Stunden erreichte ich die Hütte und füllte nur schnell meine Flaschen bevor es weiter ging.
 
3:38 Start der Via Alta della Verzasca bei der Cap. Borgna
Immer noch im Dunkeln ging es weiter und bald fing schon der Blau-Weiss markierte Weg an. Beim Poncione Di Piotta wurde es dann langsam hell. Die angeblichen T6 Stellen konnte ich da nicht wirklich finden. In den Steileren Abschnitten hat es ja Eisentritte und ich würde es von der Schwierigkeit her eher so als T5+ bezeichnen. Danach ging es schön am Grat entlang und um so heller es wurde um so besser fühlte ich mich. Der Wind in Kombination mit der noch kalten Luft machte es jedoch recht frisch und ich versuchte mich zügig zu bewegen um warm zu bleiben. Doch schon jetzt zeigte sich, dass es bei dem Gelände nur selten die Gelegenheit gibt etwas schneller zu joggen.
2:51 Stunden nach dem Start bei der Cap. Borgna erreichte ich dann die Cap. Alpe Cornavosa. Ausser dem etwas verdutzt schauendem Hüttenwirt war niemand da und so habe ich auch wieder nur die Flaschen aufgefüllt und bin weiter.
 
6:29 Cap. Alpe Cornavosa
Der Weg direkt nach der Alpe Cornavosa zur Alpe Fornaa fand ich nicht besonders spannend und hier hatte ich dann etwas ein Tief und spürte die Müdigkeit. Kaum ging es dann aber wieder bergauf zur Cima Lunga fühlte ich mich wieder besser und mir wurde auch wieder warm. Der Grat war dann zwar einfach aber auch hier war das Vorwärtskommen etwas langsamer als ich gehofft hatte und so zog es sich noch ganz schön bis zum Cima di Gagnone. Endlich ging es dann aber bergab zur Cap. Efra und ich konnte es laufen lassen. Für den zweiten „Tagesabschnitt“ habe ich 4:04 Stunden gebraucht und war damit das erste mal langsamer als im Vorfeld geplant. Ich fühlte mich zwar immer noch recht gut nahm mir hier aber mal 10 Minuten Zeit um mich kurz hin zu setzen und was zu essen. Ausserdem war ich jetzt ja schon über 10 Stunden unterwegs und meine Garmin Vivoactive HR Uhr drohte der Saft aus zu gehen. Da ich das aber natürlich im Vorfeld wusste und gerne einen durchgehenden GPS Track der Tour haben wollte hatte ich eine kleine Powerbank dabei und konnte die Uhr so während der Aufzeichnung etwas zwischenladen.
 
10:43 Cap. Efra
Der erste Teil des Weges nach der Cap. Efra war zwar schön aber ich freute mich schon drauf endlich wieder auf den Grat zu kommen besonders, da beim Madom Gröss ja wieder etwas technische Abschnitte kommen sollten. Hier überholte ich dann die bisher einzigen anderen Wanderer welche mir auf der Tour begegnet sind.
Sowohl der Aufstieg als auch der Abstieg war schönes Scrambling aber auch hier konnte ich keine wirklichen T6 finden.
Danach weiter zum Pizzo di Mezzodi dem letzten Gipfel der Tour. Bisher hatte ich sämtliche möglichen Gipfel abseits des Weges ausgelassen aber den kurzen Abstecher hier zum Gipfelkreuz musste ich natürlich machen. Im Abstieg zur Alpe di Cognora war dann ein letztes übergebliebenes Schneefeld zu queren und auch sonst forderten die Geröllhalten das Gleichgewicht und die Fussmuskulatur. Für den dritten „Tagesabschnitt“ von der Cap. Efra zur Alpe di Cognora brauche ich 3:57. Die anwesenden Gäste und der Hüttenwart wollte wissen wo ich den her komme und dachten erst, dass es sich um Kommunikationsschwierigkeiten handelt als meinte, dass ich von Bellinzona komme.
 
14:40 Alpe di Cognora
Der letzte Abschnitt der Via Alta della Verzasca zur Cap. Barone weisst ja keinen Grat und nur wenige Höhenmeter auf und gilt ja auch sonst als der einfachste und kürzeste. Daher hatte ich im Vorfeld gedacht, dass ich wahrscheinlich so etwa 1.5 Stunden brauchen sollte. Ich weiss jetzt nicht ob es hauptsächlich an meiner fortschreitenden Ermüdung lag oder auch an den kurzen Gegensteigungen und dem überwachsenem Weg der kein joggen zuliess. Jedenfalls war ich zu dem Zeitpunkt schon recht am leiden und freute mich drauf wenn es endlich an den Abstieg geht. Nach 2:25 Stunden erreichte ich dann halb im Delirium die Cap. Barone. Somit hatte ich von der Cap. Borgna aus 13:29 gebraucht.
Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut bei der Hütte eine Cola kaufen zu können musste dann aber leider feststellen, dass es nur noch Wein und Bier hatte. So ein Scheiss. Die anwesenden Gäste die gerade dabei waren etwas zu kochen konnten meinen Frust darüber nicht wirklich verstehen und ihr Hinweis, dass das Wasser sicher sei zum trinken war auch wenig Hilfreich. Mein Isopulver war mir schon eine Weile vorher aus gegangen und ich meinem Zustand wollte mein Körper einfach Zucker. Ich hab dann noch schnell einen Snack gegessen, meine Flaschen tatsächlich mit Wasser aufgefüllt und bin wieder los.
 
17:20 Cap. Barone
Die Idee evtl. auch noch den Pizzo Baron in die Tour aufzunehmen hatte ich zu dem Zeitpunkt schon lange verworfen. Ich wollte einfach nur noch möglichst schnell runter nach Chironico. Der Anstieg zum Bassa del Barone ist zwar nur 400 Höhenmeter wurde dann aber schon zu einer mentalen Hürde. Einfach nicht stehenbleiben. Auf dem Pass habe ich mir dann die Karte noch mal angeschaut und erst jetzt ist mir wirklich klar geworden wie lang der Abstieg zur Alpe Sponda und dann weiter nach Chironico wirklich ist. Naja ich hatte ja keine andere Wahl. Der erste Teil war wieder mal eine Blockhalte mit hier und da angemalten blau-weissen Markierungen. Dies liess es also nicht zu in den Autopilot über zu gehen sondern brauchte etwas Konzentration. Es hatte zwar noch ein Schneefeld was ich etwas abrutschen konnte aber die Abwechslung hielt sich mir vielleicht 150m auch in Grenzen. Nachdem ich den Fluss überquert hatte gab es noch die letzte Gegensteigung zur Alpe Sponta. Hier war dann einfach nur noch leiden angesagt. Danach war der Weg zwar wieder Rot-Weiss aber jetzt liess mein Körper kein wirkliches laufen mehr zu und ich musste mich mit einem Wechsel zwischen Traben und Gehen begnügen. Zusätzlich zu den schmerzenden Beinen fingen jetzt auch meine Fusssohlen an recht weh zu tun aber es war ja nicht mehr zu weit. Das letzte Stück ging es dann an der Strasse entlang und nach etwa der Hälfte kam ein Auto von hinten welches mich mit nahm und so konnte ich mir immerhin die letzten 600m der Strasse entlang sparen.

21:20 Chironico

Insgesamt war ich 21 Stunden und 12 Minuten unterwegs für die 64.7 Kilometer mit 6500 Höhenmetern im Aufstieg und 6000 Höhenmeter Abstieg. Dies war etwas länger als ich vorher geschätzt hatte was wahrscheinlich teilweise an meinem zum Ende hin abnehmendem Tempo lag und zum Teil an der ungenauen Schätzung. Die 13:29 für die offizielle VAV lag ziemlich bei dem was ich erwartet hatte aber das geht sicher noch deutlich schneller. Weiss jemand was die FKT ist?

Am Tag drauf fühlte ich mich erstaunlich gut und hatte überhaupt keinen Muskelkater aber auch jetzt 4 Tage nach der Tour fühle ich es schon noch etwas und brauchte die letzten Nächte etwas mehr Schlaf und Regeneration. Aber insgesamt bin ich sehr zufrieden wie mein Körper auf so eine lange Tour reagiert und auch mental ging es, ok bis auf die letzten 2 Stunden Abstieg, unterwegs sehr gut. Das ist also ein gutes Zeichen und eröffnet neue Möglichkeiten wenn es bald wieder höher rauf geht für kommende Alpinerunning Projekte.
 
 
Ausrüstung:
Dynafit MS Feline Vertical Trailrunning-Schuhe
Kurze Laufhose ,Laufshirt sowie Armlinge, Socken, Stirnband und Sonnenbrille
Patagonia Airshed Pullover
Windstopper Weste
Salomon s-Lab Sense Ultra 5 Laufweste
3 500 ml Hydrapak Flaschen
Smartphone und GPS Uhr
Xtorm FS100 Powerbank mit Kabel für Smartphone und Uhr
kleine Tube Sonnencreme

Proviant:
2 Fruchtriegel
1 Cocosriegel
2 Apfelmuss Fruchtsnacks
½ Packung Haribo Tropical
½ Packung getrocknete Mango
500 ml Energy Cola
2 Liter Isogetränk mit etwas Koffein
ca. 2 Liter Wasser

Tourengänger: jakobme


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Kommentare (6)


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Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 6. Juli 2017 um 15:04
Der nackte Wahnsinn! Herzliche Gratulation zu dieser Leistung.

LG, Dani

dominik hat gesagt:
Gesendet am 6. Juli 2017 um 15:24
Nice! Falls Du mal jemanden brauchst, der Dich bei solch spassigen Unternehmungen begleitet, dann wende Dich ruhig an mich :-)

xaendi hat gesagt:
Gesendet am 6. Juli 2017 um 19:20
Grosses Bravo und herzliche Gratulation! Ich hab einen Teil der VAV mal gemacht vor bald 10 Jahren und hätte nicht gedacht, dass "man" das mit Trailrunning-Schuhen machen kann. Wobei "man" hier natürlich nicht ein Durchschnittswanderer war ;-) Bin gespannt auf weitere Berichte dieser Art!

Vonti* hat gesagt: Gratulation!
Gesendet am 6. Juli 2017 um 21:33
Sehr schöner Bericht und tolle Leistung. Die VAV steht auch noch auf meiner "Liste" - werden jedoch zuerst den Sentiero Calanca wandern. Die Via Alta Maggia wäre sicher auch noch ein schönes Projekt.

Delta Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. Juli 2017 um 09:17
Gewaltig! Herzliche Gratulation!
Delta

tricky Pro hat gesagt: sehr cool
Gesendet am 7. Juli 2017 um 12:14
Nochmals Gratuliere, habe es ja schon auf Strava gesehen. Da bist du mir zuvorgekommen mit dieser Tour :-)
Ich habe sie im August/September geplant.


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