Drei Tage im Spitzmeilengebiet


Publiziert von Kauk0r , 17. Juni 2017 um 00:35.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:15 Juni 2017
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Spitzmeilengruppe   CH-GL 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Flums in Richtung Flumserberg und nach links ins Schilstal. Straße bis zum Ende bei Steinbrugg, dort ein großer, kostenloser Parkplatz. Für Weiterfahrt Bewilligung erwerben, Parkmöglichkeiten in der Folge eingeschränkt.

Immer noch Urlaub und immer noch Bergwetter...passt perfekt zur Planung, mit zwei Freunden drei Tage im Spitzmeilengebiet zu verbringen und dies mit einer Übernachtung in der Spitzmeilenhütte SAC (2087 m) zu kombinieren.

Vorneweg: Tip Top Hütte, absolut nette Pächter und Personal, richtig leckeres Abendessen und Frühstück, richtig üppige Portionen! Die zweite Nacht waren wir sogar die einzigen Gäste.

Aktuelle Verhältnisse: Oberhalb der Spitzmeilenhütte noch einiges an Schnee, wenige Reste jedoch beim Weg zum Spitzmeilen und dem Übergang zum Maschgenkamm. In Richtung Mülibach- und Weisstannental sind die Schneefelder in den Ebenen noch zahlreich und teilweise groß. Der Aufstieg zum Wissmilenpass ist am ausapern, dort dürfte bald der Wanderweg frei sein. Hinweise auf die Verhältnisse auch im Text und auf den Bildern.

Aufgestiegen sind wir am 13. Juni vom Parkplatz Steinbrugg (1163 m) im Schilstal oberhalb von Flums. Dies ist als der kürzester Zustieg ohne Bahnunterstützung beschrieben. Im unteren Bereich kann man einige Kehren auf einem Wanderweg abkürzen, dieser beginnt ohne Beschilderung, aber markiert direkt gegenüber dem Parkplatz. Später geht es dann auf einer geteerten Alpstraße und ab der Alp Lauiboden (1670 m) auf geschottertem Alpweg durch ein riesiges Alpenrosengebiet bis zu P.1917 am Sässli. Dort dann auf einem Wanderweg nach Norden auf die eingelagerte Grasterrasse zwischen den steilen Abbrüchen. Hier geht es gemütlich dahin bis zum Durchstieg der oberhalb angrenzenden Felswände. Eigentlich hilft hier ein Seil den weniger Geübten, aktuell ist ein Teil davon unter Schnee, das Schneefeld aber gut ausgeschaufelt. Oben wartet dann die Hüttenfahne mit Bänkchen und bietet sich für eine Pause an. Kaum auf der Terrasse der nahen Spitzmeilenhütte angekommen, werden wir herzlich von der Wirtin begrüßt und bekommen unser eigenes 8er-Lager, wo wir einen Teil unseres Gepäcks verstauen, da wir noch zum Spitzmeilen wollen.

Über der Hütte thront der Spitzmeilen mit seiner markanten Silhouette. Der Weg dort hin ist recht einfach zu finden, an der Hütte ist er auf einem Wegweiser angeschrieben. Zur Zeit verstecken sich Teile davon aber noch unter Schneefeldern. Grundsätzlich wird der Ostrücken, der Schönegg angepeilt, erst die letzten Meter steilt das Gelände etwas an. Nun geht es gut markiert auf dem Rücken immer steiler werdend an den Gipfelaufbau heran. Der finale Aufstieg durch die steile Gipfelrinne ist dann auch gleich die Schlüsselstelle der gesamten Tour. Am Einstieg befand sich noch ein kleines Schneefeld, wodurch die Schuhe unnötigerweise etwas nass wurden, keine optimale Voraussetzung für die kleinen, abgespeckten Tritte des fast senkrechten Einstiegswändchens. Hier ist es auch gleich am schwierigsten (T4, II, hier kann man sicher streiten, da einige Berichte die Kletterschwierigkeiten sogar ganz herauslassen. Meiner Meinung nach geht die Stelle aber deutlich darüber hinaus, wie der I. Grad definiert ist), die Kette leistet gute Dienste. Oben wird es schnell etwas weniger steil, dafür bröseliger. Die Route ist durch die Kette weiter vorgegeben, die Schwierigkeiten bleiben unter denen des Einstiegs. Eine schräge Felsplatte leitet unter den Austieg zum zerborstenen Gipfelbereich. Zunächst wirkt der Übergang zum Gipfelkreuz des Spitzmeilen (2501 m) im Bruchgelände heikel, stellt sich aber dank solider Trittstufen als recht harmlos im Vergleich zum bisherigen Aufstieg dar. Leider ist der Kasten für das Gipfelbuch leer. Die Aussicht am Gipfel ist phantastisch! Der Abstieg birgt keine neuen Schwierigkeiten, es muss nur weiterhin stark auf Steinschlag geachtet werden, die Anlage der Route im "Zick-Zack" eigenet sich dafür aber gut.

Nach einem 3-Gänge-Abendessen mit Salat und Weizenbier aus St. Gallen lässt sich die Nacht gut überbrücken, der angekündigte Regen bleibt auch aus und stört somit den Schlaf nicht. Die Vorhersage für den Mittwoch 14. Juni war eher durchwachsen, morgens sollte es noch Regenschauer geben, der Nachmittag sollte sich auch eher labil gestalten: Keine guten Aussichten, zumal es um die Frühstückszeit dann auch erstmals regnete. Tagesziel sollte eigentlich der Magerrain über den Wissmilenpass sein..Regen, Wolken und Nebel sind aber ein Wetter, dass einem solchen Gipfel nicht gerecht wird. Weil sich dies aber am Donnerstag ändern soll, beschließen wir einfach mal in Richtung Gulmen zu gehen und uns vom Wetter überraschen zu lassen. Zunächst geht es von der Hütte auf dem Wanderweg in Richtung Maschgenkamm, bei P.2068 hält man sich gegen Westen und folgt dem luxus-sanierten Weg bis zur Kreuzung bei Calans P. 2055.  Hier zweigt die Wanderautobahn nach rechts ab, um zum Calanshüttli abzusteigen. Wir halten uns "geradeaus" auf den Wegspuren mit den langsam verblassenden Markierungen. Als wir uns in etwa oberhalb vom Calanshüttli befinden kommt von dort der "neue" Weg herauf, sprich es wurde markiert wie man zu gehen hat, eine deutliche Spur erkennen wir nicht. Jetzt wieder frisch markiert geht es zu den den Seen bei Walenbütz und in der Folge auf den Gratrücken zwischen Hoch Camatsch und Erdisgulmen. Mit etwas Auf und Ab überschreiten wir den Hoch Camatsch zum Fuß der steilen, blumenreichen Süd(west)flanke,  die auf einem erdigen Pfad (T3) sportlich erklommen wird. Am Gipfel des Gulmen/Mütschüelergulmen (2317 m) ein Hinweis auf die "7 Gipfel Tour" und eine Infotafel zu Sagen um das Sächserseeli. Wesentlich interessanter ist dagegen der Rundumblick von diesem Hochpunkt im langen Kamm zwischen Prodkamm und Magerrain. Der Abstieg in Richtung Rainissalts ist dann deutlisch schotteriger als der Aufstieg, aber das Gelände weniger steil. Von der tiefsten Lücke P.2198 geht es über einen gemütlichen Rücken schnell zum Ostgipfel des Rainissalts und weiter zum westlich gelegegnen höchsten Punkt (2258 m). Von hier hat man einen schönen Tiefblick ins Murgtal und die Gegend von Munz. Auf dem Rückweg gingen wir bis P.2198 und stiegen von dort weglos (T3+) zum knapp unterhalb verlaufenden Wanderweg ab. Auch hier gibt es eine oberhalb verlaufende, aufgelassene Variante und eine tiefergelegene "aktuelle", beide queren aber den Gulmen in seiner Ostflanke und man kommt mit weniger Gegenanstieg zurück zum Hoch Camatsch. Zum Abschluss ging es dann noch auf den Erdisgulmen, der auf dem Wanderweg zu den Murgseen erreicht wird. Der Weg ist nicht schwierig, der Rücken schnürt sich jedoch etwas mehr zusammen. Am Nordgipfel muss man nach links in die Flanke queren, das Gelände ist hier schiefrig-schmierig, Stufen helfen (T3). Ein kurzer Anstieg noch, dann knickt der Wanderweg wenige Meter vor dem Gipfel nach rechts ab. Am Gipfel des Erdisgulmen (2291 m) steht ein kleiner Steinmann mit Gamelle und Buch. Auf dem bekannten Weg zurück zur Spitzmeilenhütte.

Der Donnerstag sollte nach Abzug von Restwolken recht sonnig werden, erste Gewitter seien am Nachmittag zu erwarten. So machen wir uns bei sonnigem Wetter auf in Richtung Magerrain. Zunächst etwas nach Westen zum langen Nordostrücken, der gegen den Wissmilenpass zieht, da der Wanderweg zum Madseeli noch arg verschneit ist. Der Rücken leitet zum P.2328, wo die Flanke hinauf zum Pass beginnt. Der Wanderweg geht nach rechts (Norden), ist aber im Mittelteil noch unter Schnee. Eine Spur im Schneefeld hält sich etwas weiter südlich und so erreichen wir steil den oberhalb gelegenen Nordwestgrat vom Wissmilen. Was wir dort oben sehen, ist nicht sonderlich erbaulich: Es ist noch nicht 9 Uhr und die Quellwolken beginnen sich aufzutürmen...davon war im Wetterbericht nicht die Rede. Das Risiko erscheint zu groß und so ändern wir das Ziel, um über den markierten Nordwestgrat auf den Wissmilen zu steigen. Im unteren Bereich sind dabei kurz Kraxelstellen zu bewältigen (T3+, I), oben raus wird das Gelände weniger schmal und ausgesetzt, der Gipfel des Wissmilen (2483 m) wird auf gutem Weg erreicht. Neben einer schönen Aussicht wartet hier oben auch ein Gipfelbuch. Dem Abstieg zur Spitzmeilenfurggel (2417 m) auf dem Wanderweg folgt der weglose Abstieg (T3+) ins Schönbühl-Kar, ein landschaftlich reizvoller Abstecher zur Schönbüelfurggel (2206 m). Von hier kommt man auf dem teilweise verschneiten Wanderweg unterhalb des Schöneggs zurück zur Spitzmeilenhütte. Wir lassen uns ein Abschieds-Weizen schmecken, packen unsere Sachen und zusammen und beginnen mit dem Abstieg. Inzwischen hat es leicht zu regnen begonnen und als wir P.1917 passieren beginnt es auch zu donnern.

Fazit: Dank des tollen Hüttenaufenthalts mit ausgesprochen angenehmer Begleitung ein toller Drei-Tage-Trip in einer schönen Landschaft mit reicher Flora und Fauna. Im Juni spielt halt das Wetter nicht immer mit, so dass sich das Spitzmeilengebiet auch eignet, um spontan die eine oder andere Tour umzudisponieren.

Tourengänger: Kauk0r


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Kommentare (3)


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DanyWalker hat gesagt: Toller Bericht
Gesendet am 17. Juni 2017 um 08:33
War interessant zu lesen. Die Fotos sind auch sehr gelungen.
Gruss Dani

Primi59 hat gesagt:
Gesendet am 17. Juni 2017 um 20:20
Hey, toller und interessanter Bericht, gibt Ansporn für etwas Neues...

Lg Priska

Kauk0r hat gesagt: Danke!
Gesendet am 7. Juli 2017 um 11:20
Euch beiden.


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