Nax - Mont Noble


Publiziert von akka , 8. März 2009 um 22:00.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum: 7 März 2009
Ski Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 200 m
Strecke:Nax 1300m - Le Chiesso - P.2446 - Mont Noble 2654m

Eine sichere Skitour sollte es bei erheblicher Lawinengefahr sein.
Start mit Skiern in Nax (1300m). Der hübsche kleine Ort ist  auf einer Kanzel, südöstlich von Sion gelegen.
Es hatte etwa 15cm Neuschnee. Der Aufstieg geht  800Hm durch den Wald, welcher so frisch verschneit , ein wunderschönes Bild abgab. Man bleibt auf dem Wanderweg, der übrigens gut beschildert ist, und queert dabei mehrmals einen Forstweg, den man gut für die Abfahrt nutzen könnte.
Das nahe kleine Skigebiet tangiert man nur für einen kurzen Moment. Der Aufstieg erfolgt südlich davon.
Bei 2200m verlässt man den Wald und kommt in offenen Gelände (Le Chiesso) bei 2400m zum Skilift. Etwas links der Piste gelangt man zum Gipfel.
Ich wusste nicht, das es dort ein Skigebiet gibt. Mich hat das zunächst etwas enttäuscht. Es sollte sich aber bei der Abfahrt herausstellen, das dies von möglicherweise lebensrettenden Vorteil für mich war...

Beim Aufstieg und auch am Gipfel fühlte ich mich tiptop. Nachdem ich mich für die Abfahrt parat machte und in die Bindung einstieg, wurde mir plötzlich extrem übel. Dies ging in sekundenschnelle. Ich entschied mich, nicht ins freie Gelände einzufahren und "rettete" mich gerade noch auf die in unmittelbarer Nähe liegende Skipiste. Es gelang mir in den nächsten Minuten noch unter immer schlimmer werdenden Schmerzen etwa 150m "abzufahren", ehe sich plötzlich Lähmungserscheinungen im Armen und Beinen bemerkbar machten. Trotz Sonne pur und warmer frühlingshafter Temperaturen, fror ich zudem, als hätte es -40°C. Ich konnte die empfundene Kälte kaum noch aushalten und brach am Skilift bei 2450m zusammen.
Die Arme und Beine waren in den nächsten Minuten völlig gelähmt und ich konnte kaum noch atmen. Ich registrierte, das mich Skifahrer ansprachen und sich nach meinem Befinden erkundigten, konnte aber nicht mehr antworten. Ich dachte nur, jeden Moment ist es zu Ende und vermutete einen Herzinfarkt.
Die Skifahrer alamierten dann die Rega und deckten mich mit Jacken zu. Irgendwann kam ein Pistenhelfer. Man legte mich auf einen Rettungsschlitten und bepackte mich mit Decken und Wärmeakkus. Das zeigte etwas Wirkung. Das unbeschreibliche Kältegefühl wurde etwas erträglicher und ich konnte in den nächsten Minuten wieder besser atmen. In den Armen und Beinen kam ein leichtes Kribbeln zurück. Der Heli kam dann irgendwann und der Notarzt befand mich nach Infusion und EKG für transportfähig. Der Flug nach Sion dauerte vielleicht drei Minuten (juppieh?).
Im Spital war das Schlimmste bereits überstanden. Man konnte dort lediglich noch eine deutlich unterkühle Körperoberfläche, leichte Herzrythmusstörungen, und einen überhöhten Blutdruck feststellen.
In den nächsten fünf Stunden lag ich verschlaucht und verkabelt in der Notaufnehme. Sämtliche Werte normalisierten sich stückweise und am Abend stand ich in Skitourenausrüstung wieder im Freien. (wenngleich mitten in Sion).

Anmerkung:
So etwas, oder ähnliches ist mir noch nie passiert.
Ich bin (eigentlich?) gesund, keineswegs übergewichtig, nehme keine Medikamente, konsumiere keine legalen und illegalen Suchtmittelchen, ernähre mich halbwegs vernünftig, weiss von keinen Herzkrankheiten und habe meines Wissens kein Diabetis (was man auch im Spital ausschloss).


Die ärztliche Diagnose: 

- zu wenig getrunken (ich hatte beim Aufstieg ca.  1,2 Liter Tee und Wasser getrunken, was nicht viel ist, aber ich bin sicherlich schon mit weniger ausgekommen. Zudem ist es ja noch immer Winter.)

- zu wenig gegessen (hmm, na ja: zum Zmorge. 1 grosses Konfibrötchen + ein halbes Dutzend Schoki-Ostereier. Während des Aufstiegs ein Käsebrötchen mit Tomate und eine Mandarine.

- Überanstrengung
(1350Hm in 3:02 Std. Nun denn... ich muss allerdings erwähnen, dass ich in den letzten sechs Jahren über 960_tausend Höhenmeter gelaufen bin und zahlreiche Tagestouren mit mehr als 2500Hm Differenz, sowie einige 4000er vom Talort aus an einen Tag im Auf- und Abstieg machte.
Von einer Knieverletzung im Mai 2007 habe ich mich nicht schlecht erholt und konnte 2008 wieder zahlreiche Bergtouren unternehmen mit allerdings reduziertem körperlichen Leistungsanspruch (max. 2000Hm).
Im Februar 09 setzte mich eine hartnäckige Erkältung etwa drei Wochen ausser Gefecht!)

- zu kalt gehabt. (an der Kleidung lag es nicht. Oben: 1. Schicht Icebreaker 200 am Gipfel trocken angelegt - 2. Schicht Kunstfaser-Wärmejacke - 3. Schicht Windstopper  Unten: lange Odlo und Skitourenhose). Die Nullgradgrenze dürfte über 2000m gelegen haben.)

Fazit: 

- Bin etwas ratlos. Werde mich demnächst einem Belastungs-EKG unterziehen.
Zukünftig schon während des Aufstiegs nebenher regelmässig essen  (Nüsse, Müsliriegel, Banane,...) und noch mehr trinken.

- Mit Akiten spekulieren ist nur eine Möglichkeit, Geld zu vernichten. Die 2500,- Franchise habe ich wohl schon frühzeitig gedeckelt.

- Grosses Dankeschön an meinen Schutzengel. Das hätte auf einer einsameren Tour ungünstiger ausgehen können.


1 Person; am Tag danach zuhause geblieben.
 


Tourengänger: akka

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Kommentare (2)


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Omega3 hat gesagt: ???
Gesendet am 8. März 2009 um 22:37
Hmm, das stimmt mich ziemlich nachdenklich und dein Kollaps ist mir unerklärlich.
Immerhin hat dich dein Schutzengel vor Schlimmerem bewahrt.
Kopf hoch!

Schöner Gruss
Ω

felix__w hat gesagt: Schöne Tour
Gesendet am 12. Juli 2010 um 13:59
Das wir jedes Jahr in nax in den Skiferien sind bin ich da schon oft hoch gelaufen.
Man kann anstatt dem Wanderwg zu folgen dem ersten Forstweg nach gehen. Vor dem Seeli 'Les Gouilles' geht es dann wieder dem Wanderweg nach hoch. Bei dieser Variante ist man weniger im Skigebiet doch die Strecke ist trotzdem noch bei vielen Bedingungen sicher.


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