Saisonschluss am Dammastock 3630m


Publiziert von Bergamotte Pro , 4. Juni 2017 um 18:05.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 3 Juni 2017
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-VS   CH-BE 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1560 m
Abstieg: 1560 m
Kartennummer:255S (R. 740b, 741b, 742)

Nach einer einmonatigen Skitourenpause ist die Saison Ende Mai nochmals schön in Fahrt gekommen. Heute werden die Bretter aber definitiv in den Sommerschlaf verabschiedet. Der Besuch des Dammastocks markiert den bisherigen Saisonhöhepunkt, wobei das vor allem wörtlich zu verstehen ist. Denn was Anforderungen und Abwechslung anbelangt, kann der höchste Zentralschweizer nicht mit anderen Klassikern der Region wie Galenstock oder Sustenhorn mithalten. Aber selbstverständlich ist auf 3630müM ein lohnendes Panorama garantiert und die Gletscherwelt hat ebenso ihren Reiz. Derselben Meinung waren heute deutlich über fünfzig weitere Tourengänger.

Nach Übernachtung vor Ort in meinem VW Polo treffe ich um 4:30 meinen Tourenpartner Christian beim Belvédère (2271m). Ein kurzer Fussmarsch bringt uns zur Eisgrotte, wo wir die Skier montieren und zum langen Marsch über den ganzen Rhonegletscher ansetzen. Um diese Jahreszeit setzt die Dämmerung so früh ein, dass wir auf Stirnlampen getrost verzichten können. Der untere Teil des Gletschers bis zur Séraczone auf ca. 2700 (Abzweiger Galenstock) ist bereits arg ramponiert. An etlichen Stellen tritt Blankeis hervor, so dass ohne Schneefälle die Tour nicht mehr lange möglich sein wird. Und die Sommergewitter der letzten Tage haben bis weit hinauf Spuren in Form von Rillen und Löchern hinterlassen. Abgesehen davon sind die Verhältnisse für den Aufstieg gut, will heissen die Schneedecke trägt trotz der hohen Temperaturen ab Beginn. 

Natürlich gewinnt man auf dem Gletscher ständig an Höhe, doch richtige Anstiege fehlen bis Höhe Undere Triftlimi fast gänzlich. Die Flachdistanz auf der Tour darf nicht unterschätzt werden, bis zum Wysse Nollen (3398m) sind es knapp zehn Kilometer. Der erste von insgesamt fünf Gipfeln an diesem Tag ist wenig lohnend, bietet aber immerhin einen schönen Blick ins Triftgebiet. Gemäss Führer bildet der unauffällige P. 3398, der nordwestliche Eckpunkt, die Gipfelkote. Es könnte aber genauso gut die Kuppe P.  3419 sein. Wie auch immer, den Grat begehe ich zu Fuss, um anschliessend wieder Christian zu treffen, der sich diese Belanglosigkeit erspart hat.

Hat man erstmal das nördliche Ende des Rhonegletschers erreicht, geht es Schlag auf Schlag. Innerhalb einer guten Stunde können weitere vier Gipfel eingesackt werden, wobei Eggstock (3556m) und Schneestock (3608m) diesen Namen kaum verdienen. Man erreicht sie in jeweils kurzer Geröllkraxelei. Und ehrlich gesagt ragt auch der Dammastock (3630m) nur unmerklich aus dem Grat des Winterbergs heraus - höchster Urner hin oder her. Der Gipfel wurde heute übrigens rege begangen, wobei sich die Leute im weitläufigen Gebiet gut verteilen. Immer erstaunlich wieder, wie spät manche Gruppen unterwegs sind, auch angesichts der angekündigten Quellbewölkung.

Nach einer recht kurzen Znünipause steigen wir zurück zum Skidepot, fellen ab und traversieren mit möglichst viel Schwung westseitig zum Dammapass. Alternativ könnte man die Bretter auch zum Dammastock hochnehmen, um dann über dessen kurzen Südgrat abzusteigen. Rein optisch gibt der Hintere Rhonestock (3588m) mit seiner schönen Westflanke weit mehr her als sein bekannter Nachbar. Diese ist steil (ca. 37°, WS+), wenn auch recht kurz. Wir begehen sie grösstenteils zu Fuss, weil das Fortkommen auf der harten Unterlage selbst mit Harscheisen mühselig ist. Oben umspielen bereits Wolkenfetzen den Grat und von Osten drücken die Quellwolken immer stärker ins Gebiet.

Die Abfahrt vom Rhonestock zurück zur weiten Gletscherebene erfolgt direkter als vom Dammastock und in idealer Neigung. Im Gegensatz zur offiziellen Route würde ich in der Abfahrt aber stärker westwärts halten (s. Topo). Sonst kann es passieren, dass man in der kleinen Gletschermulde endet und nochmals anfellen muss. Die flache Fahrt zurück über den Rhonegletscher bietet wenig Emotionen... Wir sind einfach dankbar, ohne grosse Stöckelei bis zum Belvédère durchzukommen. Hier findet die Wintersaison 2016/17 ihren Abschluss, die mir vor allem mit Qualität statt Quantität in Erinnerungen bleiben wird.

Zeiten
3:15  Wysse Nollen
1:15  Dammastock
1:25  Belvédère

Tourengänger: Bergamotte

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