Gamschopf Nordgrat, Schwarzchopf Ostflanke und Unghüür


Publiziert von ossi , 6. Juni 2017 um 18:29.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:30 Mai 2017
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-SG 
Aufstieg: 1150 m
Abstieg: 1150 m
Strecke:Laui - Schrenit - Lauchwis - Gamschopf Nordgrat - Gamschopf - Lauchwis - Schwarzchopf Ostflanke - Schwarzchopf - Unghüür - Mutteli - Altstofelrain - Laui
Zufahrt zum Ausgangspunkt:P bei Laui
Kartennummer:1114

Die Schwarzchopf Ostflanke war nicht geplant. Ein "zufälliger" Blick in den Kessel zwischen den Scherenspitzen und dem Schwarzchopf genügt bereits, da schlägt der berüchtigte T6-Hammer zu und prügelt das letzte bisschen Verstand aus meiner Grosshirnrinde. Schnell wird klar, dass durch diese morastig-nasse, feuchtbiologische, unzuverlässige Flanke eine Route möglich ist. Davon später mehr...

Gamschopf Nordgrat (T6, I-II): Der Grat ist schmal, hat einige kurze Kletterstellen, die Linie ist logisch, der Fels für T6-Gelände durchaus vertrauenserweckend und man findet sogar zwei gute Ringhaken und einen weiteren guten Haken. Übrigens ist der Grat im Abstieg fast leichter, weil man die schwierigsten Stellen im Abstieg aufwärts bewältigen kann (Aufstieg im Abstieg, das ist mal ne Logik).

Von der Lauchwis zu den ersten Gratzacken, diese direkt über die Kante begehen (an einer Stelle sehr schmal mit kurzer Stelle zum Abklettern). Der grosse Aufschwung vor dem Gipfelkopf sowie ein kleiner Gendarm werden auf Tierspuren auf der "Schwägalpseite" umgangen. Bei entsprechender Schwindelfreiheit und Trittsicherheit geht das sehr gut, den obligaten Stolperer sollte man sich aber für später aufheben. Der Gipfelkopf wird in steilem Gras (T5) wieder einfacher gewonnen (immer wieder Trittspuren). Auf gleicher Route zurück zur Lauchwis.

Schwarzchopf Ostflanke (T6): "Dschungelcamp. Hilfe, holt mich hier raus" wäre auch ein passender Name, nur muss man in dieser Flanke nicht zwingend Würmer essen und auch die knackige Moderatorin fehlt. Man steigt den Kessel hinauf, der von Schwarzchopf und den Scherenspitzen geformt wird. Schon von weitem erkennt man und frau ein Band, das in die Ostflanke des Schwarzchopfs hinauszieht und den Zugang vermittelt zum steilen Grasgelände, das einen Durchstieg bis zum Gipfel möglich macht. Der Einstieg befindet sich am unteren Ende des Bandes.

Erstmal das Band hoch, was noch recht angenehm zu bewältigen ist. Am oberen Ende verjüngt es sich zu einem ganz schmalen Grasband, das offensichtlich auch von Gämsen benutzt wird. Man passiert eine schmale, unzuverlässige Stelle und rettet sich zu einem grossen, soliden Strauch. Hier turnt man je nach Körpergrösse mehr oder weniger im und durchs Geäst hoch, wobei man dank der vielen Äste die Risiken des unzuverlässigen Untergrundes kompensieren kann. Nach der Turnerei -man könnte in dem Geäst übrigens auch prima seine Wäsche aufhängen- nach links halten ins freie Grasgelände.

Nun in beliebiger Routenwahl durchs freie Grasgelände hoch. Man findet immer wieder einzelne Gamsspuren und gestuftes Gras. Insgesamt eine wohl häufig feuchte Flanke mit den dafür typischen Pflanzen (heuer sind unzählige Schlüsselblumen zu bestaunen). Weiter oben gibt's dann einen kurzen Besuch in der Wacholderszene, nach dem stachligen Wacholder steigt man wieder durch freies Gelände auf den Gipfelgrat (gut gestuft). Nur einen Meter unter dem Grat ziehe ich einen Fels in der Grösse eines Handgepäckkoffers (kann man übrigens in grün-weiss im FCSG-Fanshop kaufen) aus dem Gelände. Uiui, das ist nicht lustig. In wenigen Schritten zum Gipfel.

Die Hauptschwierigkeiten liegen zwischen dem oberen Ende des Bandes und dem offenen Grasgelände darüber, der Rest ist gehobenes T5. Da diese Linie vermutlich überhaupt nicht begangen wird, muss man überall -auch wenn es mal einfacher wird- das Gelände vor der Belastung sorgfältig prüfen.

Vom Schwarzchopf über den Südostgrat runter. Zuerst weicht man einem kleinen Gendarm kurz durch die Südflanke aus, dann dem Grat entlang runter bis zum abschliessenden Schichtkopf. Eine steile Rinne vermittelt den Zugang zum sanfteren Almgelände darunter. Eine kurze Passage erreicht hier wider Erwarten etwas T6-Glamour, insgesamt geht der Abstieg aber als T5+ Tour durch.

Unghüür (T3): Das Unghüür wird in fünf Minuten einfach durch die kurze Nordflanke bestiegen. Schöner Aussichtspunkt.

Laui - Gamschopf - Schwarzchopf - Unghüür - Laui

Tour im Alleingang




Tourengänger: ossi


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Kommentare (2)


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carpintero Pro hat gesagt:
Gesendet am 6. Juni 2017 um 22:36
Gratulation zur Begehung der Schwarzchopf-Ostflanke und danke für die vorzügliche Beschreibung der Route!

ossi hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. Juni 2017 um 21:19
Danke. Und falls Du gehst: Unbedingt die Wäschezaine mit der Wäsche mitnehmen, auf keinen Fall zuhause in den Tumbler stecken.


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