Haggenspitz via Griggeli und Kleiner Mythen via Nordkamin


Publiziert von Chrichen Pro , 5. Juni 2017 um 20:12.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:28 Mai 2017
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Mythengruppe   CH-SZ   Alptaler Berge 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 820 m
Abstieg: 820 m
Strecke:ca. 8 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem PW via Einsiedeln bis Brunni. Gebührenpflichtiger Parkplatz bei der Talstation der LSB Holzegg.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:(Gleicher Weg umgekehrt)

Die Mythenregion bietet sich im Frühjahr geradezu an für schöne Voralpenkraxeleien zum Saisonstart. Wir haben uns entschieden, den Haggenspitz auf seiner einfacheren Route vom Griggeli aus zu besteigen und weiter zum Kleinen Mythen zu gehen, wobei der Nordkamin für eine kühle Abwechslung sorgt. Mittlerweile ist alles schneefrei.

Schon seit längerem hatte ich mit Stevo47 abgemacht, einmal den Haggenspitz und den Kleinen Mythen zusammen zu besuchen. Recht spontan hat es an diesem Sonntag nun geklappt. Bei unserer gewählten Route handelt es sich eigentlich um eine (fast) exakte Wiederholung *dieser Tour, welche ich vor zwei Jahren einmal gemacht hatte.

Brunni - Geissloch - Griggeli - Griggelisattel (T4)
Wir starten morgens um 9 Uhr beim Parkplatz neben der Talstation der Luftseilbahn Holzegg. Zuerst geht es dem Strässchen durch's Dorf entlang hinauf in Richtung Brunniweid, dann über eine in der Mitte überwachsene Fahrspur weiter zum P.1246. Nach einem kleinen Abschnitt auf einer Teerstrasse umrunden wir den P.1277 auf breiter Naturstrasse zur Hälfte. Bald wird der Wanderweg gekreuzt, dem wir nun nach Süden zum Geissloch folgen. Dort verlassen wir den Weg und peilen die Geröllhalde unterhalb vom Haggenspitz an. Ein schmales Stück Wald erschwert den Zugang, aber mit etwas Spürsinn findet man eine Wegspur, die ohne viel Kontakt mit der Vegetation ins Geröll führt.

Die etwas lebendige Geröllhalde kann nun nach Süden querend erstiegen werden, bis ca. die Mitte des Tälchens erreicht ist. Hier trifft man auf einige schwache Wegspuren, die den weiteren Aufstieg etwas erleichtern. Mehr oder weniger in der Fallinie geht es nun über wenig gestuftes Gras und mit Feinsplitt belegte Spuren das Tälchen hinauf. Einmal donnert ein ziemlich grosser Stein an uns vorbei. Ein deutlicher Pfad, der in Aufstiegsrichtung links durch eine Rinne hochführt, wird ignoriert. Über diesen Weg könnte man zur Ostflanke des Kleinen Mythen gelangen. Stattdessen geht es ca. in der Mitte des Tälchens hinauf, bis weiter oben eine Wegspur erreicht wird, die im rechtsseitig begrenzenden Wiesenhang hochführt. Unsere Routenwahl ist nicht ganz ideal, und wir kämpfen uns durch ein kurzes Stück mit feinem rutschigen Geröll, bevor wir die besagte Spur erreichen. Nun geht es auf erdigem Weg zu Beginn leicht ausgesetzt zum Griggelisattel hoch, wo sich zum ersten Mal die Aussicht in Richtung Vierwaldstättersee geniessen lässt.

Das Griggeli gehört nicht unbedingt zu den tollsten Orten auf diesem Planeten. Die Begehung ist eher mühsam und anstrengend und es kann schon am Morgen sehr heiss werden im nach Osten exponierten Tälchen. Heute hatten wir Glück, denn es weht ein sanftes Lüftchen.

Griggelisattel - Haggenspitz - Griggelisattel (T5-)
Nun beginnt der spassige Teil der Tour. Kurz unterhalb vom Griggelisattel führt eine deutliche Wegspur in Richtung Haggenspitz. Zuerst werden in einer längeren etwas ausgesetzten Querung einige scharfe Felszacken umgangen. Schon hier ist man dankbar um die zahlreichen soliden Griffe im Kalkgestein. Pinke Markierungen zeigen im unteren Teil die Route an. Nach einem kurzen Aufstieg an einigen Bäumchen vorbei geht es über Fels steil in die Höhe. Hier kann man einem Riss entlang nach rechts hinausqueren oder ganz nach oben kraxeln, wo man zu einem kleinen Sattel mit schöner Aussicht gelangt. Vom Sattel aus ist die "korrekte" Route 3-4m über einige Steine hinweg und an einem Bäumchen vorbei schnell wieder erreicht. Weiter geht es nun durch ein System von rinnenartigen Kraxelstufen nach Norden traversierend dem Gipfel entgegen, bis man die markante breite Schrofenrinne, die sich vom Gipfel hinunter zieht, ca. in ihrem obersten Viertel erreicht. Durch diese hinauf gelangt man schliesslich einfach zum Gipfelkreuz. Der Weg ist hie und da etwas exponiert, die Ausgesetztheit hält sich aber in Grenzen. Die Route folgt im oberen Teil mehr oder weniger einer logischen Linie. Es lohnt sich aber dennoch, die Augen offen zu halten und nach Begehungsspuren und speckigen Steinen Ausschau zu halten. Dazwischen gibt es auch öfter mal ein regelrechtes Weglein.

Oben angekommen machen wir eine gemütliche Pause und wechseln ein paar Worte mit Nordgrat Begehern. Unser Abstieg verläuft der Aufstiegsroute entlang wieder hinab zum Griggelisattel. Einzig bei der zuvor erwähnten Felspartie gehen wir im Abstieg dem Riss entlang, was einfacher sein dürfte.

Griggelisattel - Kleiner Mythen (via Nordkamin) (T5+, III-)
Weiter geht es nun auf gutem Weglein in abschüssigem Gelände dem Kleinen Mythen entgegen. Nach einer Passage mit einigen Serpentinen nahe am Gipfelaufbau verzweigen sich die Wege. Die Weiterführung des deutlichen Pfades zieht nach links zu einem nur wenige Meter entfernten Sättelchen hoch. Dies entspricht der Umgehung des Gipfels in der Ostflanke. So könnte später die Normalroute zum Kleinen Mythen erreicht werden (ca. T5- bis dahin). Wir wählen hingegen die weniger stark ausgeprägte Pfadspur, die nach rechts abzweigend zum Nordkamin führt. Die Spur ist teils mit rutschigem Feinsplitt belegt und stellenweise exponiert. Im oberen Bereich wird das Gelände sehr steil, und der Pickel ist eine angenehme Hilfe. Wir schaffen es ohne Steine auszulösen bis an den Fuss des Kamins. Bei meiner letzten Begehung vor einem Jahr, als es noch einige Schneefelder hatte, musste man sich vor Steinschlag besonders in Acht nehmen.

Den Kamin (III-) sichern wir heute mit dem mitgeführten 30m Seil. Bohrhaken sind sporadisch vorhanden. Zuoberst kann man mittels Zackenschlinge Stand machen (lange Bandschlinge von Vorteil). Für uns eine gute Übung. Einziger Nachteil ist, dass es sich fast nicht vermeiden lässt, kleine Steine durch Seilbewegung auszulösen. Die technisch anspruchsvolleren Stellen befinden sich im unteren Drittel des gut gestuften Kamins. Griffe und Tritte sind reichlich vorhanden, aber eher klein. Wir profitieren von guten Verhältnissen mit fast vollständig trockenem Fels. Nach ca. drei Stufen (je nach Zählung) erreicht man die Kette mit einer Drahtschlinge zuunterst. Zum ersten Mal schaffe ich diese Stelle ohne Verwendung der Schlinge. Einmal bei der Kette angelangt, sind die Schwierigkeiten eigentlich schon vorbei. Der Kamin erinnert nun eher an eine Rinne, die direkt bis zum Gipfel hochführt, wobei zuoberst nochmals leicht gekraxelt wird. Vom Haggenspitz aus sieht der Kamin aufgrund der Perspektive schlichtweg furchterregend aus. Vor Ort ist er aber dank der grosszügigen Stufen erstaunlich wenig exponiert.

Im Gegensatz zum Griggeli ist der Nordkamin am Kleinen Mythen wohl einer der schönsten Plätze auf dieser Welt. Bei sommerlicher Hitze eine wahre Wohlfühloase, in der die kühle Luft in einer sanften Brise Körper und Geist erfrischt. Auf drei Seiten umgeben vom Fels - so sieht Glück aus! In der Schlüsselstelle kann man seine Liebe zum Fels zum Ausdruck bringen, in dem man sich innig an ihn schmiegt, während die Hand im kühlen Gestein nach dem nächsten Griff sucht.

Auf dem Kleinen Mythen legen wir eine von Gesprächen mit anderen Berggängern begleitete Rast ein, während wir die Aussicht geniessen.

Kleiner Mythen - Vorgipfel (T5-, II)
Für den Abstieg wählen wir die Normalroute via Vorgipfel. Ganz zuoberst führen deutliche Spuren den Gipfelaufbau hinab. Danach hat man die Wahl zwischen etwas plattigem Kalkgestein oder einer kleinen Traverse direkt am Abgrund vorbei. Ersteres ist wenig exponiert, dafür aber technisch etwas anspruchsvoller (II), letzteres ist einfacher aber doch recht ausgesetzt. Danach kann leicht kraxelnd weiter abgestiegen werden, bis man oben an das Wändchen mit der Kette gelangt. Dieses lässt sich am einfachsten in leichtem Zickzack begehen: In Abstiegsrichtung zuerst von links nach rechts traversierend, dann mit einem Spreizschritt und je nach Körpergrösse mit Hilfe des Kettchens wieder zurück. Vom folgenden Plateau aus kann man in Abstiegsrichtung nach rechts queren, bis sich der nächste Absatz leicht erreichen lässt. Ab hier folgt ein Zwischenstück auf einem guten Wanderweglein dem Vorgipfel entgegen. Im Gipfelbereich gibt es verschiedene Varianten und Möglichkeiten. Obiges entspricht jedoch wohl der am meisten gegangenen Route.

Bevor der Vorgipfel erreicht wird, müssen noch einige anspruchsvollere Passagen überwunden werden. Kurz direkt auf dem Grat geht es einer kleinen exponierten Stufe entgegen, die von rechts nach links erklommen wird (1-2m), bis man wieder auf einem Weglein steht. Danach führt ein Pfad ostseitig zu einer Rinne die ausgerüstet mit Ringhaken und einer kleinen Kette zur Gratschneide hochführt (I-II). Dort wird die Seite gewechselt, und auf der Westseite guten Spuren folgend ein Sättelchen direkt vor dem Vorgipfel erreicht. Die letzten Meter führen schön über die Gratschneide zum Vorgipfel mit Plakette und Vorgipfelbuch.

Kleiner Mythen Vorgipfel - Zwüschet Mythen - Brunni (T2-T3)
Beim Vorgipfel sind nun alle Schwierigkeiten vorbei, und es können guten Gewissens die Wanderstöcke wieder hervorgenommen werden. Auf einem Wanderweg, der offiziell nicht markiert ist (alte wrw-Markierungen sporadisch vorhanden) geht es zuerst über eine Wiesenflanke hinab, dann weiter durch Wald dem Kreuz bei Zwüschet Mythen entgegen. Im Wald muss man hie und da etwas Ausschau halten um den Weg nicht zu verlieren, wenn man nicht allzu verträumt unterwegs ist, sollten sich aber keine Schwierigkeiten bei der Wegfindung ergeben.

Bei Zwüschet Mythen legen wir noch eine kurze Trinkpause auf dem Bänklein ein, bevor wir den gut angeschriebenen Wanderwegen bis nach Brunni hinab folgen.


Eine tolle Alpinwanderung, die man guten Gewissens auch mehrmals machen kann. In der beschriebenen Variante ist zum Saisonbeginn besonders auf Schneefelder nordseitig vom Kleinen Mythen Acht zu geben. Wenn dort noch Altschnee liegt, kann die Route schnell heikel werden. Schlüsselstelle ist der Kamin am Kleinen Mythen und dessen Zustieg. Wie im Text beschrieben kann dieser aber leicht weggelassen werden. Eine wohl noch schönere Variante stellt sicherlich die Überschreitung vom Haggenspitz via Nordgrat als Teil der klassischen Mythen Trilogie dar. So würde man sich den Aufstieg durch das Griggeli ersparen. Dann bewegt man sich aber im T6-Bereich. Wie dem auch sei, die Mythenregion bietet Voralpinismus vom Feinsten :-)

Tourengänger: Chrichen, Stevo47


Galerie


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