Tierberg-Trilogie


Publiziert von Bergamotte Pro , 27. Mai 2017 um 19:17.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:22 Mai 2017
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-UR 
Zeitbedarf: 5:45
Aufstieg: 1650 m
Abstieg: 1650 m
Unterkunftmöglichkeiten:Steingletscher / Tierberglihütte
Kartennummer:255S (R. 712-714)

Dass Touren auf Susten- und Gwächtenhorn äusserst lohnend sind, steht ausser Zweifel. Wer im beliebten Sustengebiet dennoch eine gewisse Ruhe sucht, ist mit den drei Tierbergen gut beraten. Vor allem der Hinter Tierberg (Nordgipfel) erhält nur sporadisch Besuch. Das überrascht kaum, denn abfahrtsmässig bietet er im Vergleich zu seinen unschwierigen Brüdern keinen Mehrwert. Alpinistisch aber ist er aufgrund des ausgesetzten Fussaufstiegs der anspruchvollste Gipfel im Gebiet.

Nach Übernachtung vor Ort laufen wir um 5:15 von Steingletscher (1865m) los. Im Vergleich zum Vortag zeigt sich die Abstrahlung bereits merklich reduziert. Glücklicherweise können wir den Sumpf bereits beim Chööbärgli hinter uns lassen und ab dem Gletscher ist die Unterlage dann bestens durchgefroren. Der erste Bruch lässt sich nur mit Harscheisen vernünftig überwinden, was auch der saumässig steilen Spur geschuldet ist. Anschliessend neigt sich das Gelände zurück und wir können den ersten Blick auf das Gwächtenhorn und seine prächtige NE-Flanke ausgiebig geniessen. Diese lassen wir links liegen und peilen stattdessen auf guter Spur die Tierberglimi (3202m) an, vorbei am schönen Bruch. Von hier verbleibt ein Katzensprung zum Mittler Tierberg (3311m) hoch, der so gar nichts Gipfelhaftes an sich hat: Den höchsten Punkt auf dem Grat erkennt man kaum.

Ganz anders der Nordgipfel des Hinter Tierbergs: keine 500 Meter entfernt, in direkter Verlängerung des Grats, ragt er scheinbar unbezwingbar in die Höhe. Die Skier deponieren wir im Tierbergsattel (3309m) und montieren die Steigeisen. Zunächst unschwierig steigen wir die etwa 40° steile Nordflanke bis zum Einstieg ins Couloir hoch. Die Schwierigkeit im sehr steilen Couloir hängt stark von Beschaffenheit und Menge des Schnees ab. In jedem Fall aber ist es ausgesetzt. So machen wir auf dem Hinter Tierberg (3417m) nur eine kurze Fotopause, entspannen können wir erst unten. Den Abstieg bringe ich rückwärts hinter mich, was ich nur selten mache.

Eigentlich wollten wir vom Nordend des Mittler Tierbergs in direkter Linie zur Tierberglücke (2973m) abfahren. Das ist gut 40° steil und erfordert entsprechende Verhältnisse. Aber das Felsband ist kaum mehr eingeschneit (von Umpol gut einsehbar), weshalb wir es mit einem kleinen Bogen nach Osten umfahren müssen (zuletzt ebenfalls knapp 40°). Das hat nur wenige Höhenmeter gekostet und fünfzehn Minuten später stehen wir bereits auf dem Vorder Tierberg (3091m). Ehrfürchtig begutachten wir seine steile NE-Flanke (bis 45°). Nach kurzer Abwägung erachten wir die Verhältnisse als ausreichend sicher und Mueri packt das Abenteuer. Ich warte oben, bis er ausser Sichtkontakt ist, um dann die deutlich gutmütigere Nordflanke zu fahren (s. Topo, 35-40°). Das ist eine lohnende Variante, sollten die Verhältnisse und/oder die Fähigkeiten nicht passen. Eindrücklich ist sie alleweil, fährt man doch direkt an riesigen Schlunden vorbei. Weiter unten, auf gut 2600m, treffen wir uns wieder und fahren weiter auf dem ab hier recht harmlosen Steilimigletscher. Unten im flachen Tal hat die Sonne bereits ganze Arbeit geleistet, so dass wir nur mit Stockeinsatz Umpol erreichen und wenige Minuten später Steingletscher.

Zeiten
3:00  Mittler Tierberg
0:45  Hinter Tierberg
1:15  Vorder Tierberg
0:50  Steingletscher

Tourengänger: Bergamotte

Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»