Grassen-Rundtour mit Stössenstock


Publiziert von Bergamotte Pro , 24. Mai 2017 um 21:36.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:21 Mai 2017
Ski Schwierigkeit: ZS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-OW   CH-UR 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1640 m
Abstieg: 1640 m
Unterkunftmöglichkeiten:Sustlihütte
Kartennummer:255S (R. 573b, 574a)

Einen ganzen Monat habe ich nun auf Skitouren verzichtet. Freiwillig geschah das nicht, sondern war den bescheidenen Verhältnissen geschuldet. Aber das Warten hat sich gelohnt. Im Gebiet rund um den Sustenpass fand ich heute nahezu perfekte Frühjahresbedingungen vor.

Die Grassen-Rundtour mit Start ab Sustenbrüggli ist eine eindrückliche Variante, den beliebten Gipfel nicht nur zu besteigen, sondern ihn auch komplett zu umrunden. Idealerweise sollte die Runde im Gegenuhrzeigersinn angegangen werden. Denn bei guten Bedingungen, die nur nach klaren Nächten anzutreffen sind, bietet die lange Schlussabfahrt Firnvergnügen vom Feinsten. Ich selber habe darauf verzichtet, um flexibel je nach Zeitbudget noch den Stössenstock anhängen zu können.


Um 4:45 laufe ich im Dunkeln vom Chli Sustli (1902m) los, nachdem ich auf der vereisten Strasse zuvor noch einen Salto Mortale hingelegt habe. Ich treffe ideale Bedingungen vor, kein Vergleich zum Sumpf der letzten Wochen: An den Osthängen hat sich der Neuschnee vom Freitag bereits verfirnt und ist tragfähig gefroren. So kann ich zügig die Firnplangg hochsteigen, während der Tag langsam erwacht. Unten beim Parkplatz treffen mittlerweile immer mehr Fahrzeuge ein, die Fünffingerstöck werden heute rege begangen.

Oben in der Lücke (2791m) treffen mich die ersten Sonnenstrahlen, während ich die eindrückliche Szenerie geniesse: Unter mir die steile Abfahrt zum Wendengletscher (gut 35°), dahinter der Titlis in seiner ganzen Wucht. Übrigens, sollten die Verhältnisse die Abfahrt durch den Kessel nicht zulassen, empfiehlt sich der kurze Umweg über das Grassenjoch. Unten felle ich wieder an und mache Tempo. Denn die Temperaturen im Schattenloch zu Füssen vom Titlis sind ungewohnt arktisch.

Der Übergang beim Biwak am Grassen ist schnell erreicht und damit die wärmende Sonne. Ich werfe einen Blick in die Hütte: klein, aber gemütlich und während des Winters regelmässig besucht. Von hier verbleiben anstrengende 300Hm über den Firnalpelifirn zum Grassen (2946m) hoch, denn ich muss durch Pulver frisch anspuren. Wie gesagt, abfahrtstechnisch empfiehlt sich der Gegenuhrzeigersinn... Das Gipfelpanorama, das ich bereits letzten September geniessen durfte, lässt hingegen keine Wünsche offen; besonders eindrücklich natürlich die Titlis-Südostkante.

Der Tag ist noch jung und die Motivation hoch, so beschliesse ich den Stössenstöck anzuhängen. Ursprünglich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, ihn direkt von Norden via Grassengletscher anzugehen. Das wäre zwar möglich, bringt aber nicht den erhofften Zeitgewinn, weil recht weit nach Norden ausgeholt werden muss (s. offizielle Route). Bei perfekten Schneebedingungen könnte der Felsriegel allenfalls weiter oben überwunden werden. Drum lass ich es und quere vom Stössensattel (2784m) über den Stössenfirn möglichst hoch zur Normalroute rüber, um anschliessend die immer engere Rinne hochzusteigen (zuoberst kurz >35°). Die Skier deponiere ich wenige Meter unterhalb vom Sattel und folge dem Südgrat steil und anstrengend (wieder Spurarbeit) bis zum Stössenstock (2941m). Gerade im Abstieg war ich um Pickel und Steigeisen heilfroh.

Die Abfahrt vom Sattel zum Stössenfirn runter markiert skifahrerisch den Höhepunkt der Tour. Anschliessend unspektakuläre Querfahrt Richtung Sustlihütte. Den Fussabstieg über den (aperen) Leiterweg (offizielle Winterroute) erspare ich mir und folge stattdessen dem alternativen Sommerweg. Das erfordert sichere Bedingungen und ist heute kein Vergnügen, aber immerhin bleibt mir eine Portage erspart.


Zeiten
1:45  Lücke
1:25  Grassen
1:15  Stössenstock
0:45  Chli Sustli

Tourengänger: Bergamotte


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Kommentare (3)


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joe hat gesagt:
Gesendet am 25. Mai 2017 um 18:49
Diese Variante kannte ich noch nicht. Super Tour.

أجنبي hat gesagt: Was für eine Runde!
Gesendet am 29. Mai 2017 um 13:02
Tolle Runde, die du da gedreht hast. Da hast du dir Rösti und Panache im Sustenbrüggli redlich verdient... ;-)

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:Was für eine Runde!
Gesendet am 30. Mai 2017 um 14:54
Unbedingt empfehlenswert diese Runde, selbst ohne abschliessende Rösti... :-)

Einziger, aber gewichtiger Wermutstropfen: Will man ab Sustenbrüggli starten, ist das Zeitfenster sehr kurz, öffnet die Strasse doch jeweils erst in der zweiten Maihälfte. Und dann auch noch gute Verhältnisse anzutreffen (sprich keinen Sumpf) ist leider eine Seltenheit, wie mir der Wirt Hans bestätigt hat.


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