Roßzähne (2653m) - Maximiliansteig -Roterdspitze (2655m) -Tierser Alpl - NO-Grasleitenspitze (2698m)


Publiziert von gero Pro , 1. März 2009 um 14:54.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum: 7 Juli 2007
Klettersteig Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 12:30
Aufstieg: 1930 m
Abstieg: 1930 m
Strecke:St.Zyprian - Tschamintal - Tierser Alplhütte - Roßzähne - Maximiliansteig - Roterdspitze - Tierser Alplhütte - nordöstl. Grasleitenspitze - Grasleitenhütte - St.Zyprian
Kartennummer:Freytag & Berndt WKS 1 + WKS 5

Liebe Bergfreunde, heute will ich Euch von einer langen Rundtour durch die nördlichen Randgebiete der Rosengartengruppe erzählen.

Ganz eilige Leser finden hier schon mal vorweg ein vielleicht ganz leidliches Panorama meiner Tour:

http://www.alpen-panoramen.de/panorama.php?pid=5780

Ich wußte, daß es ein langer Tag werden würde - deshalb startete ich bereits früh um 3:30 Uhr (noch im Dunkeln) von einem sehr lauschigen Parkplatz oberhalb von St. Zyprian, an der Paßstraße ca. 1,5km hinauf Richtung Nigerpaß gelegen. Es ging etwa 30 Minuten auf einem Wiesenweg entlang, immer gut beschildert in das Tschamintal hinein, das erst relativ flach, später zusehends steiler hinaufleitet Richtung Grasleitenhütte oder zur Tierser Alplhütte. Gegen 4:30 Uhr dämmerte es, der Halbmond stand über den wilden Felszacken der Umgebung und gab meinem Weg in den beginnenden Tag hinein ein abenteuerliches Ambiente.
Gut 2 Std. nach Abmarsch kommt man im hinteren Tschamintal (im Gebiet des "Bärenlochs") zu einem Wegweiser, an dem man sich entscheiden muß: Grasleitenhütte oder Tierser Alplhütte? Ich wählte die zweite Möglichkeit, denn ich wollte den Maximilianssteig kennenlernen.
Immer eindrucksvoller führt der Weg aufwärts, zunächst durch Schrofengelände, dann zusehends über Felsabsätze. Ab und zu kommen einige kurze Seilversicherungen, die jedoch unter Normalbedingungen bei üblicher Trittsicherheit kaum notwendig sind. Um 7 Uhr erreichte ich den Grödener Höhenweg, der die Tierser Alplhütte mit dem Schlern verbindet; er verläuft unterhalb des Maximiliansteiges in aussichtsreicher Lage. Ich folgte ihm und stand um 7:20 Uhr in angenehm wärmernder Morgensonne vor der Tierser Alplhütte (2440m).
Gleich hinter der Hütte steht ein Wegweiser, der zum Maximiliansteig leitet. Man klettert, nie sonderlich schwer oder ausgesetzt, eine Schlucht hinauf; an deren oberem Ende hat man einen tollen Blick nordseitig hinab auf die Seiser Alm, während südseitig die Felsmauern des Rosengarten gegenüberstehen.
Nun kletterte ich hinauf zum Felsgrat, dem man anschließend in mehrfachem Auf und Ab bis zur Roterdscharte folgt; dabei werden gleich zu Beginn die Roßzähne (2653m) überschritten. Kurz danach geht es durch ein markantes, gut 2m hohes Felstor hindurch. Danach folgt - an einem straff gespannten Fixseil - ein minimal ausgesetzter Abstieg. Der ganze Klettersteig ist hervorragend mit roten Farbtupfen markiert, ein Fehlgehen ist nirgends möglich.
Mit vielen Foto- und Genießerpausen hatte ich um 8:45 Uhr die Roterdscharte erreicht; an dieser Stelle kann man den Klettersteig auf harmlose Weise nach Süden hin verlassen, man erreicht dann den vorne erwähnten Grödener Höhenweg zwischen Tierser Alpl und Schlern, bringt sich aber um die Genußkletterei hinauf zur Roterdspitze. Sie ist auch weiterhin bestens markiert, macht im ersten Moment einen etwas grimmigen Eindruck, erweist sich aber dann (immer wieder: bei entsprechender Schwindelfreiheit und Trittsicherheit) als gut machbar, da weiterhin mit Fixseil bestens abgesichert.
Um 9:30 Uhr stand ich auf der Roterdspitze (2655m) - ziemlich genau 6 Std. war ich nun also unterwegs, eine gute Stunde Brotzeitpause hatte ich mir redlich verdient! Zumal das Panorama von diesem Logenplatz wieder einmal überwältigend gut ist: im Osten weit hinten der Antelao, der Pelmo, näher der Langkofel und die Marmolata. Die Rosengartengruppe mit ihren enormen Wänden, Graten, Karen und natürlich verlockenden Gipfeln steht unmittelbar gegenüber. Eindrucksvoll der Tiefblick auf die grünen Matten der Seiseralm bis hinunter nach Seis, Völs, Kastelruth und in das dunstige Becken Bozens. Hat man - wie ich an diesem frühen Morgen - gute Sichtverhältnisse, kann man weit hinten im Westen (über dem vorgelagerten Schlern) die Ortlergruppe im Vinschgau sehen; und wieder einmal hat sich spätestens jetzt das frühe Losgehen mehr als gelohnt!
Nun stieg ich den westseitigen Wanderweg von der Roterdspitze hinunter - und besuchte ein zweites Mal an diesem Tag die Tierser Alplhütte, indem ich den eingangs erwähnten Grödener Höhenweg zurückging. Dieser makellose Sommertag war einfach zu schön, als daß ich jetzt am späten Vormittag bereits wieder ins Tal absteigen wollte. Im Gegenteil: würde es mir gelingen, auch noch hinüber in die Rosengartengruppe zu wandern und vielleicht über den Molignonpaß hinüber durch den Grasleitenkessel abzusteigen?
Um 11 Uhr passierte ich die Tierser Alplhütte; ein Wegweiser zeigte meine nächsten Ziele an: zur Grasleitenhütte via Molignonpaß würde ich gehen. Unschwierig, mit gelegentlichem Handanlegen zwecks Gleichgewicht, führt dieser Weg über die sogenannten Alpenplatten auf den Molignonpaß (2601m), wo ich nach einer weiteren Stunde ankam - jetzt ganz im Banne des gegenüberliegenden Kesselkogels, von diesem allerdings durch die riesigen Schutthalden des Grasleitenkessels getrennt. Und wieder die Frage: wo kann man von hier aus noch hinaufsteigen - mit erträglichem Aufwand, denn nach nunmehr knapp 9 Std. Marschzeit begannen die Beine erste Anzeichen von Faulheit anzumelden?
Die unmittelbar westlich über dem Paß aufstrebende nordöstliche Grasleitenspitze (2698m) sollte es noch sein - nicht sonderlich häufig bestiegen, da zwar unschwierig, aber über eine etwas mühsame, kleinsplittrige Schuttflanke zu erreichen. Um 12:20 Uhr hatte ich auch diesen Gipfel erreicht - nochmals mit eindrucksvoller Aussicht, von der benachbarten, minimal höheren mittleren Grasleitenspitze durch eine sehr tief eingeschnittene Scharte getrennt.
Hier rastete ich nochmals fast eine weitere Stunde, bevor ich mich an den sehr langen Rückweg machte: wieder hinab auf den Molignonpaß, dann steil die Geröllströme des Grasleitenkessels absteigen und hinauslaufen zur Grasleitenhütte (Rifugio Bergamo, 2129m). Dort kam ich um 13:30 Uhr an, der inzwischen erhebliche Durst wurde - wie so häufig - sehr effektiv mit einer Halben gelöscht.
Die Grasleitenhütte liegt in äußerst eindrucksvoller Umgebung: hinter ihr ragt die Valbonkante in den Himmel, und darunter befindet sich ein tief eingeschnittener, schluchtartiger Graben. An dessen Hang zieht dementsprechend etwas exponiert der nächste Abschnitt des Abstiegsweges (der dann allerdings zusehends gemütlicher zu begehen ist) hinunter auf die Böden des oberen Tschamintales. Damit war mein Rundweg nun in sich geschlossen; ich schlendert hinaus zum Ausgangspunkt der Tour, zu jenem Parkplatz oberhalb von St.Zyprian, wo vor gut 12 Stunden im Dunkeln das Abenteuer begann.


Tourengänger: gero

Galerie


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