Rocher à Pointes (Le Rubli) 1971


Publiziert von FJung , 27. April 2017 um 14:06.

Region: Welt » Schweiz » Waadt
Tour Datum:30 Mai 1971
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VD 
Zeitbedarf: 1 Tage

Wenn mich vor dieser Tour jemand gefragt hätte, wo diese Felsen liegen, hätte ich mit den Schultern zucken müssen, den ich wußte es nicht.
Am Sonnabend mußte ich noch arbeiten, so daß ich erst am Sonntagmorgen aufbrechen konnte. Die geplante Tour auf den Dent d'Herens war wegen dem Wetter abgesagt, und ich fand niemand, der erst am Sonntag losgehen  wollte. Die Sonne schien in mein Zimmer, als ich aufwachte. Schnell packte ich den Rucksack und war einige Minuten später am Zug in Montreux, der mich nach Chateau d'Oex bringen sollte, ohne ein besonderes Ziel vor Augen. Wir fuhren durch die Weinberge oberhalb Montreux, ich schaute auf die Savoyischen Berge und freute mich auf das Rest-Wochenende.
Der Zug fuhr immer höher, durch Les Avants, und hier merkte ich, daß draußen ein kühler Wind wehen mußte. Die Sonne schien auch nicht mehr. Ich bereitete mich schon auf einen nassen Empfang vor, zumal die Wolkendecke auf der anderen Seite des Col de Jaman auch nicht angenehmer aussah.
Am Fenster huschten schmucke Häuschen vorbei. In Chateau d'Oex hatte meine Fahrt ein Ende. Links erhoben sich die sanften Häne des Vanil-Carré und des Vanil Noir, rechts stiegen die Felsen des Rocher du Midi und der Gummfluh in die Wolken. Dorthin führte mein Weg. Der Hauptstraße folgend, erreichte ich bald Gérignoz, ein kleines Dörfchen, malerisch an der Sarine gelegen Ein kleiner Bach führte mich in einen Wald. Der Weg war breit, sogar Autos konnten auf ihm noch fahren. Aber zum Glück schreckte mich nur eines aus den Gedanken eines Müßiggängers auf. Viel schöner war es, dem Rauschen des Bächleins zuzuhören, wie die Wasser über Felsen und durch kleine Schluchten flossen, und zufrieden kam ich an der Stele an, wo ich links abbiegen mußte, während der Weg geradeaus weiterführte zum Col de Base.
Ich folgte einem Saumweg, der nicht gut zu erkennen war, erschreckte Vögel und Eichhörnchen, die schnell auseinanderstoben. Vor mir war die Gummfluh. Rings um mich blühten die Blumen, und als endlich ein großer Stein auf dem Weg lag, mußte ich mich daraufsetzen und auf die Wiesen und Blumen schauen. 
Plötzlich hörte ich vor mir Geräusche. Etwa hundert Meter entfernt, äste eine Gruppe Gemsen. Das Leittier schaute mich an, und dann stoben sie alle bergwärts, sprangen über Wassergräben und überquerten mit einer unglaublichen Leichtigkeit ein Geröllfeld. Noch hörte ich die Steine poltern, als sie auch schon im Tannenwald verschwunden waren. Nur noch vereinzelt sah ich sie durch das Fernglas, es war schön, ihnen zuzusehen, wie sie mit behender Leichtigkeit durch das unwegsame Gelände kletterten und sprangen.
Vor mir entdeckte ich noch sechs Gemsen, die erst die Flucht ergriffen, als ich sehr nahe bei ihnen war. Natürlich, ich war hier  in einem Naturschutzgebiet, und sie wußten das wohl auch.
Hinter dem Col de la Videmanette, 2032 m, war ein tiefer Bergkessel, gefüllt mit Schnee. Ich mußte rechts um ihn herumgehen und kam dabei doch noch in Berührung mit Schnee. Kurz darauf trat ich in die kleine Cabane de la Videmanette ein, die unter einem Felsen erbaut ist. Zwei junge Paare lagen bereits in dem Massenlager, ich hatte sie scheinbar erschreckt, und sie machten auch keine Anstalten, aufzustehen. Es war erst drei Uhr nachmittags. 
Nachdem ich gegessen hatte, kamen noch andere Berggänger. Ein Familienvater folgte mir in die Felsen oberhalb der Hütte. Der Fels war  rauh und schnitt sich in die Haut ein, aber die Griffe waren gut. In einem Riß arbeiteten wir uns in einer Wand empor, bis wir auf dem Gipfel des Rocher à Pointes standen. Die Nordwestseite war nicht so steil und mit Gras bewachsen, aber auch hier lag noch Schnee, und es war sehr gefährlich, hier abzusteigen, denn man konnte sehr leicht ausrutschen. Wir blieben also in den Felsen und stiegen hinab zur Bergstation der Seilbahn, die von Rougemont hinaufführt. Jetzt war sie noch nicht in Betrieb. 
Am Abend aßen wir zusamen ein Fondue. Weil wir kein Mehl hatten, mahlten wir Reiskörner in einer Pfeffermühle klein, so ging es auch. 
Auch am Montag war das Wetter nicht besser, aber trotzdem holte ein junges Paar sein Seil heraus, und wir gingen in die Felsen und kletterten noch etwas.
Gegen Mittag verschossen wir die Hütte und stiegen durch den Nebel hinab über Wiesen nach Planards in 1361 m Höhe, wo meine Begleiter ihr Auto gelassen hatten. Sie nahmen mich noch mit bis nach Rougemont. Per Autostop kam ich am Abend wieder in Montreux an.




Tourengänger: FJung


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