On Top of Vaud


Publiziert von Bergamotte Pro , 24. April 2017 um 20:57.

Region: Welt » Schweiz » Waadt » Waadtländer Alpen
Tour Datum:22 April 2017
Ski Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VD   CH-VS 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 815 m
Abstieg: 1885 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Glacier-des-Diablerets
Kartennummer:272S (R. 615a, 618a/c)

Wer die sportliche Herausforderung sucht, liegt beim höchsten Gipfel des Kantons Waadt sicherlich falsch. Trotz seiner stattlichen Höhe ist die Tour dank den Seilbahnen des Skigebiets Glacier 3000 unverschämt kurz. Das hochalpine Ambiente und die formidable Aussicht auf Mont Blanc und Walliser Hochalpen hingegen lassen wenig Wünsche offen. Und nicht zuletzt ist die Wintersaison auf 3000 Metern fast unendlich lang. Alles Merkmale übrigens, die der Sommet des Diablerets mit einem weiteren Kantonshöhepunkt teilt...

Das flache Gelände, die Kürze der Tour sowie der hohe Ausgangspunkt machen die wichtigste Regel von Frühlingsskitouren am Sommet des Diablerets obsolet. Tatsächlich lässt sich der Gipfel selbst um diese Jahreszeit als ÖV-Tagestour absolvieren. Aber das muss nicht sein und ich übernachte vor Ort in einem Bed & Breakfast, ausschlafen inklusive. Kurz nach neun Uhr besteige ich die Seilbahn, welche in zwei Sektionen auf knapp 3000m führt. 

Vor Start der Tour empfiehlt sich ein kleines Touristenprogramm, und zwar der Peak Walk zum Sex Rouge (2971m). Bei Bedarf kann anschliessend im edlen Restaurant Botta - entworfen vom gleichnamigen Stararchitekten - auf den ersten "Gipfelerfolg" angestossen werden. Es ist ja nicht so, dass man sich irgendwie beeilen müsste... Eine kurze Abfahrt über die Piste bringt mich auf den Glacier de Tsanfleuron, wo ich anfelle und in einer Viertelstunde zum Le Dôme (2994m) hochlaufe (beliebige Routenwahl). Wer's bequem mag - und das ist heute die überwiegende Mehrheit - benutzt hierfür den Schlepplift. Aber wie gesagt, die Tour ist schon kurz genug...

Der Dôme ist eigentlich eine unbedeutende Schnee- bzw. Felskuppe, aber man geniesst von hier einen prima Blick über den weiteren Routenverlauf zum Gipfel. Wie auf Hikr und dem Konkurrenzportal mehrfach erwähnt, kann der kurze Fussabstieg über den Westgrat je nach Verhältnissen heikel sein. Heute aber liegt das Fixseil komplett frei und ich muss nicht mal die Skier aufbinden. Trotzdem, wer diese Variante wählt, sollte zur Sicherheit Pickel und Steigeisen einpacken. Alternativ kann der Dôme bei ausreichend Schnee auch südlich umgangen werden, was ich in der Abfahrt mache.

Der (eher harmlose) Glacier des Diablerets scheint zurzeit noch gut eingeschneit. Trotzdem bin ich als Alleingänger froh, dass noch weitere Türler zugange sind. Der grosse Ansturm wird aber erst später folgen. Vor dem Hauptziel schaue ich noch kurz auf dem Tête de Barme (3185m) vorbei, ein Umweg von höchstens zehn Minuten. Anschliessend quere ich in praktisch direkter Linie zum Sommet des Diablerets (3210m), meinem sechzehnten Kantonshöhepunkt. Dick eingepackt geniesse ich das fantastische Panorama in die Walliser Alpen und zum Mont Blanc. Auf Verpflegung verzichte ich vorerst, denn Kalorien wurden kaum verbrannt und ohnehin hab ich gerade erst gefrühstückt...

Die Abfahrt über den Gletscher ist ganz nett, aber zu flach für richtige Schwünge. Wie bereits erwähnt umfahre ich den Dôme südseitig, um mit etwas Treppeln wieder das Skigebiet zu erreichen. Diese Variante wird heute übrigens auch im Aufstieg ausgiebig begangen, was den Vorteil hat, dass man die Skier nie abziehen muss. Der weitläufige, nur wenig geneigten Glacier de Tsanfleuron ist ein regelrechter Tummelplatz: So finden sich neben Skifahrern und Winterwanderern auch Kytesurfer, Schlittenhunde und Gletscherflieger.

Ich habe nun ausgiebig über die Kürze der Tour gespottet. Das ist natürlich unfair, denn rund um Glacier 3000 locken weitere Gipfel, allen voran das Oldehore. Und selbst das Sanetschhore würde noch drinliegen. Die Aufstiegsroute zu ersterem ist offensichtlich: Ab Oldesattel (2737m) folgt man einfach dem Ostrücken. Es gilt hier die tageszeitliche Erwärmung zu berücksichtigen. Das Gelände bewegt sich lange Zeit um knapp 30°, um dann wenig unterhalb vom Oldehore (3123m) plötzlich stark aufzusteilen (>35°). Je nach Verhältnissen und Skitechnik ist man mit einem Fussaufstieg besser bedient, zumal sich der Grat nach oben zusehends verjüngt. Ich selber lasse die Bretter heute bis oben dran. Auch hier ist das Panorama lohnend, vor allem natürlich zum Sommet des Diablerets. Und im Rücken erinnern mich die Freiburger Voralpen an unzählige Alpinwanderprojekte.

Die Direktabfahrt vom Gipfel gemäss R. 618c ist von oben nur schlecht einsehbar und scheint stellenweise dürftig eingeschneit. Doch ich finde weiter unten eine ebenso rassige Variante; das gefahrene NW-Couloir ist auf der LK gut zu erkennen. Wenig später erreiche ich bereits die Oldenpiste und folge ihr bis zum Sessellift, welcher mich zurück zur Mittelstation bringt. Die inoffizielle Talabfahrt zum Col du Pillon wurde heute noch gemacht, roch aber verdächtig nach Belagsschäden. So liess ich es bleiben.


Zeiten
1:20  Sommet des Diablerets
1:15  Oldehore
0:20  Oldenalp

Tourengänger: Bergamotte

Galerie


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