Auf den Spuren der "Neveros": Von Canillas de Aceituno auf den Maroma (2.069 m)


Publiziert von marmotta , 24. Februar 2009 um 00:17.

Region: Welt » Spanien » Andalusien » Málaga
Tour Datum:12 Februar 2009
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: E 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1480 m
Abstieg: 1480 m
Strecke:Canillas de Aceituno - Collado de la Gitana - Maroma - Collado de la Gitana - Barranco de Tajos Lisos - Canillas de Aceituno
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit PW auf der N 340 bis Vélez-Málaga, dann Richtung Vinuelas nach Canillas de Aceituno
Kartennummer:Mapa Topográfico de Sierra Tejeda (1:25.000)

Der Maroma ist mit 2.069 m der höchste Gipfel der Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama und kann von verschiedenen Seiten bestiegen werden. Nachdem wir im vergangenen Jahr von Norden, ausgehend von der Área Recreativa "El Robledal" (Tourenbericht hier) aufgestiegen waren, wählten wir diesmal den "Sendero Casa de la Nieve", der von Canillas de Aceituno von Süden auf das Gipfelplateau führt. Das unterhalb des Gipfels gelegene Casa de la Nieve und der Weg dorthin ist ein Relikt aus früheren Zeiten, als es noch keine Kühl- bzw. Gefrierschränke zur Konservierung der Lebensmittel gab, und sogenannte "Neveros" Eis und Schnee in den Bergen sammelten und in speziellen Behältern mit Hilfe von Mauleseln ins Tal zu den Dörfern und Städten hinunterbrachten. Wir sollten uns somit auf historisch bedeutsamen Pfaden bewegen... 

Nachdem wir in den Tagen zuvor den Maroma bereits ausgiebig aus der Ferne betrachtet und gestaunt hatten, wie viel und wie weit herunter Schnee gefallen war, wollten wir uns nun vor Ort ein Bild von den Schneeverhältnissen machen und eine Besteigung dieses Berges wagen, dessen weisse Haube so majestätisch und verlockend in der Sonne glänzte.

Von Canillas de Aceituno fanden wir dank der Hilfe freundlicher Dorfbewohner, die uns schon von weitem als "Maroma-Aspiranten" einschätzten, gleich den Beginn des mit Holzpfählen mit Richtungspfeilen (wie auf allen markierten Wegen im Parque Natural) markierten Weges an den obersten Häusern des Dorfes. Der Pfad führt zunächst durch Pinienwald, dann durch blühende Ginsterbüsche, deren leuchtendes Gelb einen herrlichen Kontrast zu dem bald vor uns auftauchenden schneebedeckten Bergmassiv des Maromas bildete, und zuletzt mehr und mehr durch felsigeres Gelände auf einen Sattel, dem Collado del Gitana. Von dort führt der Weg immer mehr in den Berg hinein und in nun steileren Kehren auf einen Kamm. Dort, auf einer Höhe von ca. 1.700 m begann auch der Schnee, der -je nach Exposition des jeweiligen Hanges- stellenweise immer noch hartgefroren war, obwohl es bereits früher Nachmittag war (wir waren aus diesem Grund mehr oder weniger bewusst spät gestartet). Steigeisen wären hier hilfreich gewesen, es ging aber auch ganz gut ohne - zumindest bei mir, weshalb wir uns an dieser Stelle darauf einigten, dass ich den bereits von weitem zu erkennenden Gipfel alleine in Angriff nehme und dann -nach den obligatorischen Gipfelfotos- unverzüglich wieder zurückkehre.

Die noch verbleibenden 300 Höhenmeter waren dann im Schnee doch noch recht anstrengend, so dass ich froh war, als ich die grosse Gipfelsteinsäule erblickte, deren Südseite mit den zur Besteigung angebrachten Eisen von der Natur zu einer Schnee- und Eisskulptur verwandelt worden war. Es war weit und breit keine Menschenseele zu sehen, so dass ich das unbeschreibliche Panorama bei wolkenlosem Himmel und fast Windstille in aller Ruhe geniessen konnte. Der Blick reichte von der Bucht von Málaga im Südwesten, über die Sierra de las Nieves im Westen, die Hochebene von Alhama mit der Sierra de Loja im Norden, die Sierra Nevada im Osten hinüber zur nahegelegenen Sierra Almijara im Südosten und natürlich hinunter zur Costa del Sol. Auf eine Besteigung der ca. 5 m hohen Gipfelsteinsäule verzichtete ich diesmal. ;-)

Ich marschierte dann noch über das ca. 1 km lange Gipfelplateau nach Osten, um mir die Sierra Nevada, unser Ziel für die nächsten Tage, mit dem Fernglas genauer anzuschauen. Dabei fiel mir auf, dass sich auf den vereinzelt aus dem Schnee ragenden Felsen fast überall Marienkäfer versammelten. Wo kommen die eigentlich her und von was ernähren die sich in dieser Höhe? Wie ich so verträumt in der Gegend herumschaute und zahlreiche Fotos schoss, vergass ich fast die Zeit und plötzlich fiel mir wieder ein, dass ich mich ja beeilen wollte, da ich eine Verabredung getroffen hatte. 

Also schnell im Laufschritt wieder zurück zum geodätischen Messpunkt und der Steinsäule ganz im Westen des Gipfelplateaus. Zwischenzeitlich waren ca. ein Dutzend spanische Bergsteiger von allen Seiten zum Gipfel aufgestiegen, alle ausgerüstet, als wären sie gerade durch die Eiger-Nordwand gestiegen. Sie schauten mich ganz verwundert an, wie ich es doch "wagen" konnte, die Tour ohne Steigeisen und Steileisgeräte anzugehen. Nun ja, chacun a son gout, jeder, wie er es braucht, wenn man aber aus dem Alpenraum kommt, muss man da schon ein wenig schmunzeln... ;-) Sie lieferten mir jedoch noch einige nützliche Informationen über die derzeitigen Verhältnisse in der Sierra Nevada und nach ein wenig Small Talk und einigen "Gipfelfotos" (mir wurden plötzlich von allen Seiten Kameras entgegengestreckt) verliess ich eilig den Gipfel.

Der Abstieg über die Westflanke kostete natürlich weitaus weniger Kraft und Zeit als der Aufstieg, konnte man doch auf dem nun weichen Schnee gelenkschonend bis zu einer grossen Mulde auf ca. 1.800 m abrutschen. Auch die folgenden Hangquerungen waren nun überhaupt kein Problem mehr. Von der Schneegrenze ab stiegen wir dann wieder gemeinsam bis zum Collado del Gitana (P. 1416) ab. Dort wählten wir eine Variante nach Canillas de Aceituno und stiegen einen hier rechts abzweigenden, unmarkierten Pfad zur Schlucht "Barranco de Tajos Lisos" ab mit wunderschönen Ausblicken auf den Stausee "Embalse de Vinuela" und die Bucht von Málaga. Auf einer Höhe von knapp 1.200 m trifft dieser Pfad auf den durch die Schlucht fliessenden Bach. Dort zweigt ein weiterer Pfad nach rechts, den Bach überquerend, ab - diesem Pfad darf nicht gefolgt werden, vielmehr hält man sich weiter links des Bachs und erreicht bald eine Schotterpiste, die nach Canillas de Aceituno führt, das wir von hier in einer guten Stunde erreichten. Gerade rechtzeitig, um zu beobachten, wie die Sonne als glutroter Ball am Horizont hinter den Bergen verschwand. Schön!!   

Tourengänger: marmotta

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