Skitour Nordend und Dufourspitze


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 22. April 2017 um 20:32.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:13 April 2017
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Aufstieg: 2565 m
Abstieg: 3727 m

Nach unserem gestrigen Hüttenzustieg stand heute die Dufourspitze am Programm. Obwohl der Gipfel vor allem im Sommer sehr häufig bestiegen wird, hat es uns bisher nicht hierher gezogen. Doch diesmal nahmen wir die Mühen wie Zufahrt nach Zermatt, überteuerte Hütte, mäßiges Essen und Überlaufenheit auf uns, um den höchsten Schweizer zu besteigen. Doch wir wollten natürlich auch noch das Nordend mitnehmen, es wird ja ebenso als eigenständiger 4000er gewertet. Daher planten wir den Aufstieg über den Silbersattel und nicht, wie im Winter üblich, über den Westgrat. Wie so oft ging es (aus unserer Sicht) viel zu früh los, im Mondlicht kamen wir rasch voran, überholten einige Seilschaften und verließen die Hauptspur auf ca. 4120m. Beim Aufstieg in den Silbersattel kam nun eisiger Wind auf, der frühe Start rächte sich also wieder einmal...
Mit zahlreichen Aufwärmpausen stiegen wir hinauf zu einer sperrenden Seraczone, ein schmaler Eiskanal mit weniger als einem Meter Breite ermöglichte den Durchstieg. Die Skier jedoch ließen wir zurück und stiegen in den Silbersattel auf. Der eiskalte Wind zehrte an uns und so suchten wir unter den Felsen der Dufourspitze Schutz in einer offenen Gletscherspalte. Nach einer kurzen Rast ging es wieder in den eisigen Wind und zu unserer größten Überraschung konnten wir in der Verschneidung hinauf zur Dufourspitze keine Fixseile vorfinden. Lediglich einige Sicherungschlingen fanden wir vor. Mangels entsprechender Ausrüstung und der Eisglasur der Felsen mussten wir diesen Aufstieg verwerfen. Ein steiles Schneecoloir etwas weiter südlich war gespurt und schien vielversprechend. Doch etwa 10m unter dem Vorgipfel (Dunantspitze) verhinderte wiederum ein eisglasierter Felsen unseren Aufstieg. Daher stiegen wir zurück in den Silbersattel und im mittlerweile etwas schwächeren Wind wollten wir das Nordend versuchen.
Über einen luftigen Grat, in höchster Exponiertheit über der Ostwand geht es wenig schwierig hinauf. Ganz zuletzt muss noch der Gipfelturm erklettert werden, zum Glück schützte ein Felsblock vor dem kalten Wind. Die letzten Meter sind luftig und steil (II), die Griffe jedoch gut und zwei Schlingen helfen bei der Absicherung. Und so erreichten wir vorerst "zumindest" diesen Gipfel. Er steht der Dufourspitze an Schönheit kaum nach, am Gipfel findet sich zudem ein wunderschöner Felsblock. 
Zurück im Silbersattel stiegen wir zum Skidepot ab und fuhren hinab in den Gletscherkessel auf rund 4100m. Nach einer erwärmenden Pause entschlossen wir uns, die Dufourspitze noch über den Westgrat anzuhängen.
Dazu stiegen wir über die Satteltole in den Sattel auf, hier errichteten wir das Skidepot und folgten dem steilen Schneegrat hinauf zur Schulter. Eine kurze Felsstelle wird leicht überklettert, bevor ein weiterer Firnhang nach oben leitet. Zuletzt klettert man über einen schönen Grat zum Gipfelaufschwung. Dieser wird links durch eine Rinne umgangen, um so wieder einen kurzen Absatz zu erreichen. Ein schwieriger Schritt leitet in einen Kamin (Schlüsselstelle), durch welchen der Gipfel in Kürze erreicht wird. 
Vom Gipfel ging es zurück zum Sattel und von dort in höchst unattraktivem Schnee sehr mühsam hinab zur Monte Rosa Hütte. Die zahllosen Spuren sind oft vereist und ein Ausweichen kaum mehr möglich. Unter der Hütte fanden wir jedoch trotz der späten Uhrzeit guten Firn und genossen die Abfahrt zum Grenzgletscher. Recht mühsam in ständigem Wechsel zwischen Trage- und Skipassagen ging es am Sommerweg Richtung Rotenboden, die Querung selbst war bereits aper. Im letzten Licht des Tages trafen wir auf die Piste. Entgegen unserer Erwartungen war diese jedoch noch nicht frisch präpariert, dafür aber vereist und daher brannten die Oberschenkel ganz gewaltig bei der Pflugabfahrt im Schein unserer Stirnlampen.

Eine sehr lange Skitour, vor allem, wenn man wie wir am gleichen Tag noch nach Zermatt abfährt und dazu die Piste über den Rotenboden genutzt werden muss. Sowohl Nordend als auch Dufourspitze sind auch einzeln höchst lohnende Gipfel, für die sich die Mühen lohnen!

AUFSTIEG: Von der Monte Rosa Hütte nach OSO zwischen Felsblöcken aufsteigend und den zuletzt steilen Aufschwung rechts umgehend zum P.3109. Hier nun auf den Monte Rosagletscher und weiterhin Richtung OSO. Auf ca. 3420m erreicht man nun eine nach NO führende Mulde, welcher man folgt. Aus dem so erreichten flachen Boden wiederum nach OSO zur sog. Scholle. Die Eisbrüche links umgehend und querend zum Kessel unter dem Silbersattel. Von hier nun weiter zu:
Nordend: Links aufwärts direkt unter die Seracs. Hier meist Skidepot. Nun je nach Verhältnissen durch die Seraczone. Derzeit sperrt eine Eiswand über die gesamte Breite, ein Riss im Eis ermöglicht aber den Durchstieg (30m bis 50°). Nun flach in den Silbersattel. Aus ihm nach links über den schmalen Grat (Achtung auf Wechten) zum Gipfelaufbau des Nordends. Zuerst etwas links über Blöcke aufwärts in einen Kamin (Schlinge) und aus diesem nach rechts hinauf an die Kante. Über eine steile, aber gutgriffige Stufe hinauf zu Stand an Block (15m). In Kürze zum Gipfel.
Dufourspitze: Rechtshaltend in eine immer steiler werdende Mulde (Satteltole). Durch sie aufwärts in den Sattel, hier meist Skidepot. Über den Grat nach links aufwärts (ca. 40°), über einige Felsen (I) und in einen Sattel. Wiederum über einen breiteren Schneegrat (40°) aufwärts zum Beginn der Kletterei. Zuerst am flachen Grat über bzw. um einige kleine Zacken (I-II) und so in eine Scharte. Auf ihr nun links der Gratkante durch eine Verschneidung aufwärts (an der Kante Abseilschlinge 15m) und zu einem Absatz. Nun über eine rundliche Blockverschneidung (II) in einen Kamin (II-) und in ihm aufwärts zum Gipfel (Abseilschlinge 10m).

ABFAHRT: Wie Aufstieg zur Monte Rosa Hütte. Kurz nach Süden abfahren zur markanten Rippe (Moräne) und auf ihr kurz abwärts. Nun über sehr steile Hänge hinab zum Rand des Grenzgletschers und am rechten Rand abwärts. Den von rechts her einfließenden Gornergletscher queren und an seinem linken Rand einige Meter hinauf zum markanten Felsband mit Seilen. Diesen folgend, über eine weitere steile Stufe (senkrechte Leitern) auf die Wiesen unter dem Gornergrat. Nun am Wanderweg zur Station Rotenboden bzw. Riffelsee und auf der Piste via Riffelberg, Riffelalp und Furi nach Zermatt.

LAWINENGEFAHR / SCHNEE: Gefrorene Schneedecke, stark zerfahren.
 
MIT WAR: Tanja
 
WETTER: Sonnig, sehr sehr kalt.
 
Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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